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»3steps« - Weltniveau in der Graffiti-Kunst

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Linden/Gießen/Butzbach (ik). Was vor zehn Jahren als (Frei-) Zeitvertreib begann, hat erstklassiges Weltniveau in der Graffiti-Kunst erreicht: »3Steps«, in Linden ansässiges Künstler-Trio, zählen heute international zu den angesagten Künstlern der Branche.

Linden/Gießen/Butzbach (ik). Was vor zehn Jahren als (Frei-) Zeitvertreib begann, hat erstklassiges Weltniveau in der Graffiti-Kunst erreicht: »3Steps«, in Linden ansässiges Künstler-Trio, zählen heute international zu den angesagten Künstlern der Branche. Die Zwillingsbrüder Kai Harald Krieger (»SiveOne«) und Uwe Harald Krieger (»Doc Nova«) haben gemeinsam mit Joachim Pitt (»Mr. Flash«) - alle 28 Jahre jung - ihre künstlerische Handschrift allein auf Dutzenden von Arbeiten in mittelhessischen Städten entlang der Lahn hinterlassen. Das Geschäft, das die Drei »nebenbei« ausüben, »boomt«: Besonders stolz sind sie auf ihr Meisterwerk an einer einst tristen Wand in Venedig.

Wer etwa mit offenen Augen durch Gießen geht oder fährt, macht irgendwann unweigerlich Bekanntschaft mit den gesprayten Kunstwerken, die - das sei ausdrücklich betont - allesamt mit ausdrücklicher Genehmigung der jeweiligen Grundstückbesitzer angebracht worden sind. Von Außenfassaden im Schiffenberger Tal und in der Lahnstraße oder an den Stromhäuschen der Stadtwerke beispielsweise künden zumeist überdimensionale Motive von der Fingerfertigkeit und der Fantasie des Künstler-Kollektivs. »SiveOne« (im »normalen Leben« wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl Prof.

Esch für Marketing an der Justus-Liebig-Universität Gießen), »Doc Nova« (Arzt und Promotionsstudent an der Uni Gießen) und »Mr. Flash« (Student der Informatik an der TU Darmstadt) widmen sich mit besonderer Hingabe einem ebenso aufwendigen wie relativ teuren Hobby: Zu dessen Finanzierung tragen Auftragsarbeiten bei - wie jenes der Buss-SMS-Canzler GmbH in Butzbach, das mit einer Fläche von rund 100 Quadratmetern die bislang größte »3Steps«-Produktion ist. Die optische Umsetzung solcher Aufträge erfolgt in Absprache mit dem jeweiligen Kunden. Ihre künstlerische Freiheit drücken die Krieger-Brüder und Joachim Pitt auf Flächen aus, die ihnen von den Eigentümern bereitgestellt werden - und die auf jegliche Mitsprache bezüglich Motiv und Bildgestaltung verzichten. Gegenwärtig findet eine solche private/eigene Neugestaltung der Turnhalle der Friedrich-Feld-Schule neben dem »Neustädter Tor« statt; unlängst wurden mehrere großflächige freie Gestaltungen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Landgraf-Ludwig-Schule abgeschlossen.

Die Kreativität des Trios ist schier unerschöpflich: »3Steps« sind jederzeit an Flächen zur privaten freien Gestaltung interessiert. »Primär verstehen wir uns als Künstler und wir denken, unsere Bilder sprechen für sich selbst,« erläuterte Uwe Krieger am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz in Butzbach im Gespräch mit dieser Zeitung.

In ihren Arbeiten treffen harte Kanten und Linien auf weiche Konturen und Facetten. Pop-Art und Fotorealismus verschmelzen mit aktueller Graffiti-Kunst. Dabei paaren sich urbane farbintensive Schriften und abstrakte Motive mit fotorealistischen Darbietungen. Sexy Porträts, Licht- und Schattenspiele ergänzen den abstrakten Graffiti-Stil von Krieger & Krieger & Pitt, der sich in den letzten Jahren geformt und intensiviert hat. Projekte und Reisen rund um den Globus haben die Entwicklung des Trios beeinflusst. Ihre Kunst brachte »3Steps« von Berlin, München und Wiesbaden über Brighton (England), Zürich und Basel (Schweiz), Vlissingen (Holland), Antwerpen (Belgien) und Venedig (Italien) inzwischen bis nach New York City (USA).

Ihre Auslandsaufenthalte sind Künstlerreisen, die teilweise in das jährliche Graffiti-Event »International Meeting of Styles« eingebunden sind: In diesem Rahmen finden großflächige gemeinsame Gestaltungen statt - teilweise mit über 100 Künstlern aus der ganzen Welt. In Venedig-Mestre etwa wurde das Gelände des städtischen Busbetriebes komplett umgestaltet.

Angefangen hat das alles vor zehn Jahren: »In einer Projektwoche hatten wir die erste Farbspraydose in der Hand,« erzählt der ehemalige Gießener Liebigschüler »Doc Nova«. Als »besonders nett« ist ihm der Lindener Bürgermeister, Dr. Ulrich Lenz, in Erinnerung: »Er hat uns damals die komplette Bahnhofsunterführung in Großen-Linden zur Verfügung gestellt«. Angesichts des nachhaltigen Eindrucks des soeben offiziell vorgestellten »3Steps«-Werkes in Butzbach konterte der Bürgermeister der Hessentagsstadt 2007 augenzwinkernd: »Es gibt noch mehr �nette Bürgermeister'« - woraus sich schließen lässt, dass Michael Merle an einer Ausweitung der Künstler-Präsenz in der Wetterau interessiert ist . . . - Gern geben »3Steps« ihr Wissen weiter, z. B. in der Graffiti-AG des Jugendbildungswerkes Wetzlar.

Dort finden in unregelmäßigen Abständen Workshops für Jugendliche statt, die sich für Graffiti interessieren und dies dann unter professioneller Anleitung ausprobieren können - als legale (!) urbane Kunst, denn: Viele Jugendliche wissen nicht, welche finanziellen Belastungen auf sie zukommen, wenn sie beim »wilden« Sprayen erwischt werden. Zum zehnjährigen Bestehen präsentieren »3Steps« ihre Arbeiten auf Leinwand - »Graffiti für das Wohnzimmer« ist in der Ausstellung »Sugar on Concrete« vom 11. Oktober bis 22. November im »Coffee One« in Gießen, Neustadt 25, zu sehen.

Kontakt unter Tel. 06403 / 963 980 (AB) und mail@3steps. Weitere Infos per und .

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