Stiftung fordert mehr Gewaltprävention in der Pflege

Die Reform des Pflege-TÜVs ist dringend notwendig. Die Benotung für Heime und ambulante Dienste entsprach in keiner Weise mehr der Wirklichkeit. Aber wird auch Gewalt in der Pflege künftig ausreichend berücksichtigt?
06. September 2017, 13:40 Uhr
Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) fordert bei der Überarbeitung des sogenannten Pflege-TÜVs mehr Aufmerksamkeit gegenüber Gewalt in der Pflege.

Gewalt in der Pflege muss nach Darstellung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) bei der Überprüfung von Einrichtungen viel mehr berücksichtigt werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ralf Suhr, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollten ganz klar nachvollziehen können, was genau zur Sicherheit beziehungsweise zum Schutz Pflegebedürftiger vor körperlichen oder seelischen Verletzungen durch den Dienst oder die Einrichtung getan wird.» Pflegeanbieter sollten darlegen, was sie aktiv zur Gewaltprävention unternehmen und wie sie mit problematischen Vorfällen umgehen.

Gewalt in der Pflege sei schwierig zu messen, unter anderem weil sie teilweise versteckt vorkomme und Pflegebedürftige über Gewalterleben nicht berichten wollten oder gar könnten. Es wäre daher schon eine große Weiterentwicklung des sogenannten Pflege-TÜVs, wenn Pflegeanbieter ihre Maßnahmen zur Gewaltprävention nachweisen müssten, sagte Suhr.

«Es muss verbindlich werden und auch geprüft und klar dargestellt werden: Gibt es eine Fehlerkultur, gibt es ein durchdachtes und implementiertes Präventionskonzept, gibt es ein wirksames Fehlermelde- und Beschwerdesystem, wie wird mit gemeldeten Fehlern und Beschwerden umgegangen?»

Eine aktuelle Befragung des ZQP von Pflegekräften in der stationären Pflege zeige aber: «In vielen Einrichtungen (28 Prozent) werden Vorfälle überhaupt nicht in einem Fehlerberichtssystem dargestellt und der Umgang mit Aggression und Gewalt ist nicht ausdrücklich Bestandteil des Qualitätsmanagements (20 Prozent). Hier müssen wir also ansetzen.»

Suhr stellte grundsätzlich in Frage, dass - wie bisher üblich - Pflegenoten als Verbraucherinformationen über die Qualität von Pflegeheimen oder ambulanten Pflegediensten geeignet sind. «Gewaltprävention ist in jedem Fall keine Frage einer Note. Entweder ein Heim hat ein fundiertes umfassendes Konzept zur Sicherheit von Pflegebedürftigen und Gewaltprävention bei sich fest verankert oder nicht. Es sollte eine Pflicht sein, dies zu haben.»

Die Pflegenoten, die in Deutschland über die Qualität von Pflegeheimen und ambulanten Diensten aufklären sollen, waren in die Kritik geraten, unter anderem weil sie über Jahre unrealistisch gut ausgefallen waren. Daraufhin hatte die Politik die Überarbeitung dieses Pflege-TÜVs bis 2019 beschlossen. Der Stiftungsvorstand dazu: «Die Verbraucher benötigen glaubwürdige Informationen für die Auswahl von Pflegeangeboten.»

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