Gauland: Möglicherweise eigene Kandidatur für Parteivorsitz

Macht- und Richtungskampf in der AfD vor dem Parteitag: Neben dem Vorsitzenden Meuthen will der als gemäßigt geltende Berliner Landeschef Pazderski für eine Doppelspitze kandidieren. Doch ein einflussreicher Strippenzieher hat andere Pläne.
30. November 2017, 20:15 Uhr
Wird Alexander Gauland selbst für die Doppelspitze der AfD kandidieren? (Foto: Michael Kappeler)

Vor dem Parteitag am Wochenende ist in der AfD ein offener Machtkampf ausgebrochen. Fraktionschef Alexander Gauland will verhindern, dass der als gemäßigt geltende Berliner Landesvorsitzende Georg Pazderski für die Doppelspitze kandidiert und gewählt wird.

Notfalls will er selbst gegen ihn antreten. Alice Weidel, die gemeinsam mit Gauland die Bundestagsfraktion leitet, sprach sich dagegen in Berlin klar für Pazderski aus. Dieser habe die Berliner AfD sehr erfolgreich geführt und sei deshalb ein guter Kandidat.

«Ich würde jemanden aus den neuen Bundesländern bevorzugen, weil wir dort besonders stark sind. Es wäre zu begrüßen, wenn sich jemand findet», sagte Gauland - offenbar Berlin nicht zum Osten zählend - der Oldenburger «Nordwest-Zeitung». Auch eine eigene Kandidatur schloss er nicht aus. Auf eine entsprechende Anfrage der «Bild»-Zeitung antwortete er: «Schaun' wir mal, dann sehen wir schon».

Am Abend sagte er vor Journalisten in Berlin, er habe sich noch nicht entschieden. Fest stehe für ihn nur, dass er die Kandidatur des aktuellen Parteichefs Jörg Meuthen unterstützen werde. Meuthen habe die AfD durch schwierige Zeiten geführt, dafür gebühre ihm Dank.

Pazderski ließ sich von Gaulands Äußerungen nicht beeindrucken: «Ich werde auf jeden Fall für den Posten des Bundessprechers kandidieren», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Seit dem Abgang der Co-Vorsitzenden Frauke Petry hat die AfD nur noch Meuthen allein als Vorsitzenden. Der rechtsnationale Parteiflügel möchte, dass dies auch so bleibt - er will deshalb die Abschaffung der Doppelspitze beantragen.

Pazderski hatte am Dienstag jedoch seine Kandidatur für den Posten des Bundessprechers angekündigt. Er begründete den Schritt mit dem Ziel, die Partei in Richtung «Regierungsverantwortung» führen zu wollen.

Zuvor hatte sich der AfD-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, aus dem Rennen um die Parteiführung zurückgezogen. Für den Vorstand will auch Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg vom rechtsnationalen «Flügel» kandidieren. 

Vor dem Parteitag haben Gegner Großkundgebungen und Blockaden angekündigt. Zu zwei Kundgebungen am Samstag werden im Zentrum der niedersächsischen Landeshauptstadt laut Polizei rund 8500 Teilnehmer erwartet. Eine Protestgruppe kündigte Blockaden rund um das Kongresszentrum in Hannover an, dem Ort des Parteitags. Bei einem ersten Demonstrationszug am Freitagabend rechnet die Polizei mit rund 500 Teilnehmern.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rief dazu auf, dass die Proteste friedlich bleiben. «Wir erwarten von allen Teilnehmenden der Kundgebungen, dass sie von ihrem Demonstrationsrecht auf friedfertige Weise Gebrauch machen», sagte der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. «Mit gewalttätigen Aktionen wird das Demonstrationsrecht verwirkt.»

Um sowohl die 600 Delegierten des AfD-Parteitags als auch die Protestierenden zu schützen, erhält die Polizei Hannover Verstärkung von Beamten aus anderen Bundesländern. Wie hoch diese ausfällt, wollte ein Sprecher nicht sagen. Beim AfD-Bundesparteitag im April in Köln war die Polizei mit einem Großaufgebot von 4000 Beamten im Einsatz gewesen.

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