Zinsentscheid

Ferienflieger-Fusion geplatzt EZB bleibt auf Billig-Geld-Kurs Busch hält 30 Prozent an Pfeiffer Vacuum Kurzmeldungen Kostenfallen bleiben

08. Juni 2017, 22:33 Uhr
Ist das der Anfang vom Ende der Fluggesellschaft Air Berlin? Der Plan eines neues Ferienfliegers zusammen mit TUI ist gescheitert. Das war ein wesentliches Element beim Umbau der defizitären Airline. (Foto: dpa)

Berlin/Hannover (dpa). Die hoch verschuldete Fluggesellschaft Air Berlin braucht eine neue Strategie für einen Weg aus der Krise. Ihr Großaktionär Etihad verfolgt das Ziel eines gemeinsamen Ferienfliegers von Air Berlin mit Tuifly nicht weiter, wie die arabische Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte der TUI-Konzern bekanntgemacht, dass die Verhandlungen über das geplante Joint Venture nicht fortgeführt würden. Damit ist ein wichtiger Baustein der geplanten Sanierung von Air Berlin weggebrochen. Die Airline sucht nun auch Hilfe bei der Politik.

Die Fluggesellschaft stellte bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags. Ein Air-Berlin-Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung »Die Welt«. Eine solche Anfrage ist der übliche Weg für den Fall, dass das Unternehmen in einem zweiten Schritt dann auch tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellt. Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und das Wirtschaftsministerium von NRW lehnten eine Stellungnahme ab. Bürgschaftsanfragen seien immer vertraulich.

Zum Flugbetrieb teilte Etihad mit: »Die Urlaubsflüge der Air Berlin Group werden nun als separate Geschäftseinheit weitergeführt, unter der Marke Niki.« Weitere Details dieser Struktur würden »zu gegebener Zeit« von Air Berlin bekanntgegeben. In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben des TUI-Konzerns an seine Mitarbeiter heißt es, Etihad habe offenbar mit Blick auf seine Investments in Europa neue Pläne verfolgt und neu bewertet, wie sich die Airline künftig in Deutschland und Europa aufstellen wolle. Neben Air Berlin steht dabei auch die Beteiligung an der Alitalia im Fokus.

Air Berlin hatte das Touristikgeschäft an ihren österreichischen Ableger Niki abgegeben und dafür bereits im Dezember und Januar 300 Millionen Euro von Etihad erhalten. Niki sollte unter Führung von Etihad in einem Bündnis mit dem deutschen Ferienflieger Tuifly aufgehen, der zum Reisekonzern TUI gehört. Etihad teilte mit, in monatelangen Verhandlungen hätten die Beteiligten keine Übereinkunft über die »endgültige Beschaffenheit eines solchen Joint Venture« erreicht.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein, ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet und hält sich seit Langem nur noch mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Zuletzt hatte der deutsche Branchenprimus Lufthansa offen Interesse an einer Übernahme von Air Berlin bekundet. Allerdings müssten dazu die Betriebskosten der Airline sinken, Etihad müsse die Schulden übernehmen und die Aufsichtsbehörden müssten zustimmen, stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar. Ein Teil von Air Berlin ist seit Februar bereits für die Lufthansa unterwegs. Der Konzern hat 38 Maschinen samt Personal für seine Töchter Eurowings und Austrian Airlines gemietet.

»Strategisch macht eine starke europäische Touristik-Airline weiter sehr viel Sinn, denn der Luftverkehr in Deutschland ist durch Überkapazitäten geprägt«, erklärte TUI-Vorstandsmitglied Sebastian Ebel. Die Kabinengewerkschaft Ufo forderte vom Management ein neues Konzept für einen deutschen Ferienflieger.

Frankfurt/Tallinn (dpa). Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt auf Billig-Geld-Kurs – trotz verbesserter Konjunktur und tendenziell steigender Inflation. Die Notenbank hält den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent und flutet die Märkte noch bis mindestens Ende 2017 über Anleihenkäufe mit Milliarden. Diesen Kurs bekräftigte der EZB-Rat gestern bei seiner auswärtigen Sitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Das oberste Entscheidungsgremium der Notenbank tagte ausnahmsweise nicht am Stammsitz Frankfurt.

Europas Währungshüter nährten allerdings die Hoffnung auf ein Ende der gerade in Deutschland kritisierten ultralockeren Geldpolitik. Erstmals seit Langem verzichtete die EZB auf den Hinweis auf mögliche weitere Zinssenkungen. Volkswirte werten dies als erstes vorsichtiges Signal für einen Einstieg der Notenbank in den Ausstieg aus dem geldpolitischen Anti-Krisen-Kurs.

Maulburg/Aßlar (dpa/lhe). Der Vakuumpumpen-Spezialist Busch hat im Übernahmepoker um den börsennotierten Rivalen Pfeiffer Vacuum aus Mittelhessen ein Etappenziel erreicht. »Wir haben mit dem freiwilligen Übernahmeangebot die wichtige Kontrollschwelle von 30 Prozent überschritten und sind zufrieden, dass wir unsere Beteiligung weiter aufstocken konnten«, sagte Sami Busch, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Busch-Gruppe, am Donnerstag.

Bis zum Ablauf der ersten Annahmefrist am 1. Juni seien Busch 16 709 Aktien zum Kauf angedient worden, womit die Busch-Gruppe nun über insgesamt rund 30,15 Prozent der Pfeiffer-Aktien verfüge. Die weitere Annahmefrist beginne voraussichtlich am heutigen Freitag und ende am 22. Juni. Busch bietet weiterhin 110 Euro je Pfeiffer-Vacuum-Aktie. An der Börse lag der Kurs zuletzt allerdings mit bis zu 129 Euro deutlich darüber. Vorstand und Aufsichtsrat von Pfeiffer Vacuum mit Sitz in Aßlar lehnen das Übernahmeangebot des Rivalen Busch schon seit längerer Zeit als zu niedrig ab.

Streiks im Flugverkehr – Wegen häufiger Streiks im Luftverkehr hat die EU-Kommission Vorschläge gemacht, die Flugausfälle oder Verspätungen verringern sollen. Sie setzt dabei auf engere Zusammenarbeit der Tarifpartner sowie organisatorische Kniffe. Das Streikrecht selbst werde nicht eingeschränkt, beteuerte die Brüsseler Behörde am Donnerstag. Die Vorschläge sind Teil eines Pakets, das den europäischen Luftverkehr insgesamt stärken und Jobs schaffen soll.

Schlappe für Dextro Energy – Der deutsche Hersteller Dextro Energy darf auch künftig nicht mit angeblichen gesundheitlichen Vorzügen von Traubenzucker werben. Der Europäische Gerichtshof wies am Donnerstag eine Klage des Unternehmens ab. Dieses wollte sein Produkt mit Sätzen wie »Glucose unterstützt die normale körperliche Betätigung« anpreisen. Die EU-Kommission hatte dies aber nicht zugelassen. Deshalb zog die Firma vor Gericht. Dextro Energy reagierte enttäuscht. (dpa)

Brüssel (dpa). Menschen mit Fernbeziehung und ungünstigem Handy-Vertrag haben sich womöglich zu früh gefreut: Zwar schafft die EU zum 15. Juni die Extra-Gebühren für die Handy-Nutzung im EU-Ausland weitgehend ab, Gespräche ins EU-Ausland kosten aber so viel wie zuvor. »Das bleibt ein großes Ärgernis«, klagt die Verbraucherschützerin Isabelle Buscke, die den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Brüssel vertritt. Telefonate ins Ausland fallen eben nicht unter die Neuregelung – »das kann durchaus mal zwei Euro die Minute kosten«. Wer also mit dem Autovermieter auf Mallorca verhandeln will oder die polnische Nummer der Liebsten in Warschau wählt, sollte die Bestimmungen seines Vertrags gut kennen. »Die Verbraucher müssen weiter in das Kleingedruckte schauen« – trotz der grundsätzlich verbraucherfreundlichen Roaming-Neuregelung, warnt Buscke. Die soll dafür sorgen, dass Anrufe und mobile Internet-Nutzung beim Aufenthalt in anderen EU-Ländern nicht teurer ausfallen als daheim.

Die Änderung kann also kuriose Folgen haben: Wer mit deutschem Handy-Vertrag aus Deutschland in Spanien oder Polen anruft, zahlt unter Umständen mehr, als wenn er das gleiche Telefonat aus Spanien oder Polen oder einem beliebigen anderen EU-Land führt. »Das ist das Knifflige und das Unbefriedigende an der Neuregelung«, sagt Buscke. Auch eine Einwahl in die Mobilfunknetze etwa von Kreuzfahrtschiffen bleibt teuer – sie ist von der EU-Regelung ausgenommen. Unklar ist, ob wirklich alle Handy-Kunden in den Genuss der neuen Vorgaben kommen, oder ob besondere Vertragsklauseln das verhindern. »Wir machen keine Unterscheidung«, versichert Andreas Middel von der Deutschen Telekom. Ähnlich verspricht seine Vodafone-Kollegin Sarah Roetzer: »Alle Consumer Kunden werden ab 15. Juni von den regulierten Bedingungen in der EU automatisch und uneingeschränkt profitieren und keine Roaming-Gebühren mehr zahlen.«

Jörn Borm von Telefónica (O2) kann hingegen nicht sagen, wie hoch der Anteil jener Kunden sein wird, die »zum 15.06. reguliert werden«. Im Mai hatte der Konzern seinen Umsatzrückgang des vergangenen Jahres unter anderem auf die gesenkten Roaming- und Durchleitungsentgelte zurückgeführt: Das Unternehmen habe wegen der Regulierung rund 35 Millionen Euro weniger eingenommen als 2015.

»Meilenstein für Verbraucher«

Verbraucherschützer erwarten, dass die Anbieter sich überlegen, wie sie die neuen Regeln anwenden. Probleme könnten demnach die Nutzer von Prepaid-Karten bekommen: Die enthielten kein festes Volumen für Telefonate und Internet-Surfen, das entsprechend auch im Ausland nutzbar wäre. Außerdem gebe es immer mehr Deutschlandtarife, bei denen die Nutzung jenseits der Grenzen technisch ausgeschlossen sei. Und dann ist da noch die sogenannte Fair-use-Regelung. Die soll verhindern, dass sich Verbraucher einfach den billigsten Anbieter in Europa aussuchen und mit dessen SIM-Karten grenzenlos günstig telefonieren. Obwohl die Verbraucherschützerin etliche Wermutstropfen beklagt, hält sie die neue Roaming-Verordnung letztlich für einen Fortschritt: »Das ist ein Meilenstein für die Verbraucher.«

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