Eishockey

Christian Franz verlässt die Roten Teufel

29. November 2012, 19:43 Uhr
Christian Franz verlässt die Roten Teufel aus familiären und beruflichen Gründen mit sofortiger Wirkung. (Foto: Storch)

»Im Hintergrund wird scharf gegen mich geschossen«, sagt Alleingesellschafter Wolfgang Kurz, dem sich vor dem »Family&Fan-Day« gegen den Herforder EV (Sonntag, 16 Uhr!, freier Eintritt im Colonel-Knight-Stadion) zahllose Baustellen auftun – unabhängig des Zwists auf Führungsebene nun auch im sportlichen Bereich. Verteidiger Christian Franz hat um Auflösung seines Kontrakts gebeten und steht ab sofort nicht mehr zur Verfügung.

»Diese Entscheidung hat in keiner Weise etwas mit der jüngsten Entwicklung zu tun, und ich hoffe, dass es keinen faden Beigeschmack gibt«, sagt der Abwehrspieler, der seit August 2008 unter Vertrag stand, gegenüber der WZ. Ausschließlich familiäre und berufliche Gründe hätten den Ausschlag geben. Dem gebürtigen Kaufbeurer wurde heimatnah bei Kempten eine berufliche Zukunft geboten (Bürokaufmann in einem IT-Unternehmen), Mitte des Monats werden die Umzugskisten gepackt. Ob und wo er künftig spielen werde, hält sich der 32-Jährige offen. Bayernligist Sonthofen wird ein Interesse an dessen Verpflichtung nachgesagt. »In meinem Alter muss ich auch an die Zukunft denken. Ohnehin war geplant, den Lebensmittelpunkt zu verlegen und wieder heimatnah zu sein. Dass es nun so plötzlich gehen würde, war nicht vorauszusehen«, sagt Franz, spricht von »viereinhalb tollen Jahren, in denen ich mich hier sehr wohl gefühlt habe. Aus Gespräche mit Spielern anderer Vereine weiß ich, dass Bad Nauheim wieder einen guten Ruf bekommen hat.« Der Mannschaft traut er aufgrund ihres Potenzial durchaus die Final-Teilnahme zu, glaubt nicht, dass sich das Team von den jüngsten Unruhen beeindrucken lasse. Ihn selbst beschleiche hin und wieder das Gefühl, seine Mitspieler im Stich zu lassen, doch sei er in Gesprächen auch auf großes Verständnis seiner (ehemaligen) Teamkollegen gestoßen.

Überrascht zeigte sich Trainer Frank Carnevale. Der Zeitpunkt, da jetzt zehn Spiele im Monat Dezember anstehen, sei mehr als unglücklich. »Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht, um reagieren zu können«, sagt der Italo-Kanadier, dem - sofern alle Spieler einsatzfähig sind - zumindest aber sechs Verteidiger zur Verfügung stehen.

Unterstützung aus Mannheim ist aktuell nicht zu erwarten. Die Förderlizenzspieler aus der Kurpfalz haben nach ihrer Tour mit den Jungadlern in die Vereinigten Staaten nicht mehr mit dem Oberligisten in der Wetterau trainiert, liebäugeln offenbar mit Engagements in den Universitätsligen. Damit suchen die Roten Teufel neben einem Mittelstürmer nun auch einen Verteidiger.

Wolfgang Kurz ist bemüht, sich in das Tagesgeschäft einzuarbeiten und Aufklärungsarbeit zu leisten. »Wir wollen keine Veränderungen, sondern den Betrieb wie gehabt weiterführen«, sagt Kurz. Vieles bleibe aus zeitlichen Gründen aber auf der Strecke.

Aus dem niederländischen Tilburg hat sich am Mittwoch Andreas Ortwein in der WZ-Redaktion gemeldet. Eine Revolution sei ganz sicher nicht die Intention seiner Kündigung gewesen, beantwortete er die Frage nach seinen Zielen. Er habe vielmehr aufgegeben, weil auch er seine Ziele, eine Erweiterung im Gesellschafterkreis, nicht geändert habe, diese aber unter Kurz nicht in der erhofften Form zu realisieren sei. »Ich hatte angeboten, mit meinen Netzwerk die GmbH zu übernehmen. Aber das wurde abgelehnt.« Jederzeit sei er für das Eishockey in Bad Nauheim da, nicht aber mit Kurz.

Teamintern - das sagt Chris Stanley als Kapitän - werde der Thematik Kurz/Ortwein weit weniger Bedeutung beigemessen als dies in der Öffentlichkeit geschehe. Man werde sich weder positionieren noch beeinflussen lassen. Am Dienstagmittag hatte Wolfgang Kurz in der Kabine zur Mannschaft gesprochen, »und ich sehe keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen«, sagt Stanley, der kanadische Top-Scorer. »Natürlich bin ich überrascht. Aber solche Dinge passieren nunmal. Wir als Mannschaft kümmern uns um die Dinge, die in unserer Hand liegen. Wir machen unseren Job, wir wollen den maximalen Erfolg. Und wenn wir weiterhin bezahlt werden, geht’s für uns weiter wie bisher.«

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