Lokalsport

Frankfurt Universe träumen von German Bowl

Markus Grahn und Thomas Kösling stehen mit den Frankfurt Universe kurz vor dem Saisonstart. Im zweiten Erstliga-Jahr glauben die Football-Trainer aus der Wetterau an den Titelgewinn. Ein Interview.
20. April 2017, 07:00 Uhr
Universe-Headcoach Markus Grahn (links) und Defensive Coordinator Thomas Kösling im Gespräch mit WZ-Sportredakteur Daniel Seehuber. (Foto: nic)

Die populärste Sportart in den USA fristet hierzulande nach wie vor ein Schattendasein, obwohl das Finale um die Deutsche Meisterschaft, der German Bowl, stets über 10 000 Zuschauer ins Stadion lockt. »Den German Bowl wollen wir bald auch mal gewinnen«, sagt Universe-Headcoach Markus Grahn während eines kurzweiligen Gesprächs im Café »Fellini« in Bad Nauheim. Intensive Wochen hat der 48-jährige Altenstädter hinter sich. Denn zusammen mit dem aus Limeshain stammenden Defensive Coordinator Thomas Kösling bastelte er am Kader für die anstehende Saison, in der die rasante Entwicklung des Aufsteigers von 2015 weitergehen soll. »Wir sind auf dem besten Weg, uns zu einer starken Sportmarke in Frankfurt zu entwickeln«, betont Kösling.

Herr Grahn, wie anstrengend waren die vergangenen Monate?

Markus Grahn: Zumindest nicht so anstrengend wie die Monate vor den vergangenen Spielzeiten, als wir viele bürokratische Hindernisse überwinden mussten (Es gab etwa Ärger wegen Namensrechten, Anm. d. Red.). Wir konnten uns in den zurückliegenden Monaten weitestgehend auf uns konzentrieren und haben jetzt eine schlagfertige Truppe zusammen. Unsere Mannschaft ist ausgeglichen besetzt und definitiv stärker als in der vergangenen Saison, weil wir wesentlich athletischer geworden sind.

Alle Spieler sind GFL-tauglich, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Wir wollen in der Südgruppe mindestens wieder Zweiter werden, trauen uns aber auch den Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft zu. Die Jungs haben hart gearbeitet und sind bereit.

Waren Sie nach dem frühen Viertelfinal-Aus in der vergangenen Saison enttäuscht?

Grahn: Wenn mir im Vorfeld jemand gesagt hätte, dass wir das GFL-Viertefinale erreichen und zudem den Europapokal holen, dann hätte ich das sofort unterschrieben. Allerdings war im Viertelfinale gegen die Kiel Baltic Hurricanes mehr drin. Wir hatten mehr Talent, waren aber nicht clever genug. Wirklich enttäuscht waren wir aber nicht, denn eine Woche später wäre es zu Meister Braunschweig gegangen. Viel mehr wäre daher wohl sowieso nicht möglich gewesen.

Herr Kösling, wie stark schätzen Sie in der neuen Saison die Konkurrenz in der Südgruppe ein?

Thomas Kösling: Viele Teams haben aufgerüstet, was auch am generellen Football-Boom in Deutschland liegt. Die Teams haben nun mehr Budget zur Verfügung. Marburg wird mit Sicherheit wieder um die Playoffs kämpfen. Mit Ingolstadt ist ein starker Aufsteiger hinzugekommen, dessen Situation vergleichbar ist mit unserer Situation vor rund einem Jahr. Und natürlich wird auch Schwäbisch Hall wieder stark spielen und unser größter Konkurrent im Kampf um die Süddeutschen Meisterschaft sein.

Herr Grahn, wie beurteilen Sie die Entwicklung, die die Frankfurt Universe in den vergangenen Jahren genommen hat?

Grahn: Extrem positiv! Wir arbeiten an dem Football-Programm, über das in Europa derzeit am meisten geredet wird. Durch Samsung als Hauptsponsor haben wir natürlich auch eine tolle wirtschaftliche Entwicklung genommen. Die Region registriert, was bei uns passiert und nimmt positiv zur Kenntnis, dass wir uns sehr im Nachwuchsbereich, etwa durch Trainingseinheiten an Schulen, engagieren. Für die neue Saison haben wir rund 1000 Dauerkarten verkauft, was für GFL-Verhältnisse sehr viel ist. Außerdem erleben wir, dass sich Spieler, die uns vor drei Jahren nicht einmal zurückgerufen haben, mittlerweile bei uns melden.

Die Wahrnehmung in der Stadt ist eine ganz andere als in Dresden und Braunschweig (Grahns vorherige Stationen, Anm. d. Red.). Die Begeisterung in Frankfurt ist generell größer, was auch an der Football-Tradition durch die Frankfurt Galaxy (Vorgängerverein der Universe, Anm. d. Red.) liegt.

Herr Kösling, Sie sind heute Defensive Coordinator bei den Frankfurt Universe und haben den Weg von der Landesliga bis in die GFL 2 als Spieler mitgemacht...

Kösling: Es ist eine tolle Sache, von Anfang an dabei gewesen zu sein. Wir hatten viele Erfolge, aber auch viele Rückschläge. Wir stagnierten zwischenzeitlich in der Regionalliga, waren finanziell kurz vor dem Aus und hatten keine Spielstätte. Es war trotzdem meine beste Entscheidung, zu Universe gegangen zu sein. Der harte Weg hat sich definitiv gelohnt, denn wir sind auf dem besten Weg, uns zu einer starken Sportmarke in Frankfurt zu entwickeln. Gegen Schwäbisch Hall hatten wir rund 7 500 Zuschauer im Volksbankstadion. So viele Zuschauer zieht in Frankfurt außer der Eintracht normalerweise kein Verein an. Mittlerweile kommt uns die Stadt bei vielen Angelegenheiten entgegen, weil wir uns einen Namen gemacht haben.

Nichtsdestotrotz haben wir weiterhin zu kämpfen, weil der Frankfurter Sportmarkt sehr umkämpft ist. Bis Anfang Januar stand uns etwa kein fester Trainingsplatz zur Verfügung.

Wie aufwendig ist Ihre Arbeit für die Frankfurt Universe?

Kösling: Während der Saison ist es extrem, da ich ja auch noch als Polizist tätig bin. Neun bis zehn Stunden bin ich oft auf der Arbeit, danach geht es sofort weiter. Wenn ich mich dann noch fünf Stunden mit Football-Aufstellungen beschäftige, dann ist der Tag zu Ende. Als ich noch im Schichtdienst war, haben meine Kollegen zum Glück viel Rücksicht auf mich genommen. Mittlerweile bin ich im Tagdienst und muss unter normalen Umständen nicht an Wochenende arbeiten. Das macht natürlich vieles leichter.

Grahn: Ich fange um acht Uhr an und beschäftige mich tagsüber vor allem mit Videostudium. Ich analysiere Gegner, aber natürlich auch die eigenen Leute. Außerdem muss ich mich als Headcoach und sportlicher Leiter um sehr viele organisatorische Angelegenheiten kümmern. Wenn etwa irgendwo das Auto eines Spielers abgeschleppt werden muss oder ein Fahrradreifen platt ist, dann werde ich angerufen. Wenn ich es mal schaffe, mittags eine Stunde Golf zu spielen, dann kann ich froh sein. Abends stehen dann wieder Trainingseinheiten oder Meetings mit dem Management auf dem Programm. Es bleibt also während der Saison nicht viel Zeit für andere Dinge.

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