Lokalsport

Fynn Otto lebt seinen Kindheitstraum

Fynn Otto aus Ostheim spielt bei Eintracht Frankfurt in der B-Junioren-Bundesliga und in der U16-Nationalmannschaft. »Ein Kindheitstraum«, sagt der Oberstufenschüler des Weidig-Gymnasiums.
10. Januar 2018, 07:00 Uhr
Michael Nickolaus
Fynn Otto spielt für Eintracht Frankfurt in der B-Junioren-Bundesliga. (Foto: Stiliyan Kandev/Eintracht Frankfurt)

13. September 2017, Lindenstadion Hippach in Österreich. Fynn Otto trägt das Trikot der Nationalmannschaft. Zum ersten Mal. Er steht in der Start-Elf. Die Hymne wird gespielt. Ein besonderer Moment. Erinnerungen für die Ewigkeiten. »Man stellt vielleicht immer mal vor, wie es denn sein könnte. Aber wirklich zu realisieren ist so ein Spiel dann erst mit einiger Zeit Abstand«, sagt der 15-Jährige mit leuchtenden Augen. Dem Debüt für Deutschland sind bis Jahresende drei weitere Einsätze unter DFB-Auswahltrainer Michael Feichtenbeiner gefolgt.

Jetzt darf sich Otto Hoffnungen auf eine Nominierung zum Algarve-Cup im Februar machen. Dort trifft die Nationalmannschaft auf Frankreich, Spanien und Portugal. »Das wäre eine Riesensache«, sagt Otto, der aktuell mit der U16 im Trainingslager im spanischen La Manga weilt. Dort bestreitet die U16 unter anderem ein Testspiel gegen die eigene U17.

Die Geschichte von Fynn Otto beginnt wie die vieler anderer Jugendlicher auch; mit dem Spiel auf der Straße. In Ostheim, vor dem Haus, hat er als kleiner Junge gekickt. Jeden Tag. Mit Vater Mark. Manchmal stundenlang. Über den TSV, den Fußballklub im Butzbacher Stadtteil, ging’s nach Nieder-Weisel, zur Jugendspielgemeinschaft, wo er sich für das Training am DFB-Stützpunkt in Karben empfahl.


Mit 15 Jahren im U17-Team

Seit 2014, mit Beginn der zweiten D-Junioren-Saison, pendelt Otto nun zwischen Ostheim und Frankfurt, rund 40 Kilometer einfache Strecke. Anfangs mehrfach wöchentlich chauffiert von Eltern und Großeltern, inzwischen täglich mit dem Shuttle-Service der Eintracht, die ihre Talente teils in Gießen abholt und auch wieder dorthin zurückbringt. Ein enormer Zeitaufwand für den Teenager parallel zur Schule. Hausaufgaben, Playstation, TV – viel Freizeit bleibt nicht. »Klar, wenn sich andere am Wochenende zum Feiern verabreden, bin ich nicht dabei.

Aber ich träume davon, Profi zu werden. Dafür muss man auf einige Dinge verzichten. Und dazu bin ich bereit«, sagt Otto. Das Verständnis bei den Freunden und Mitschüler sei dabei größer als bei manchem Lehrer. Das Abitur, sagt Otto, wolle er aber unbedingt packen. Das sei ihm wichtig.


Vater Mark, den man in der Wetterau aus seiner aktiven Zeit beim TSV Ostheim und dem SV Nieder-Weisel kennt, verfolgt die Entwicklung mit großem Stolz. Natürlich. Manches erscheine ihm »noch immer surreal«, sagt er. Der Ehrgeiz und die Eigeninitiative seines Sohnes seinen allerdings »bewundernswert«. Bei Heimspielen der Eintracht ist er immer dabei und auswärts so oft es die Zeit eben zulässt.


Während Hallenturniers entdeckt

Entdeckt wurde Fynn Otto vom damaligen Eintracht-U 13-Trainer Karl Rotter während eines Hallenturniers. Zweimal spielte Otto am Riederwald vor, konnte überzeugen. Dass man ihm ermöglichen wolle, die Chance zu ergreifen, sei im Familienkreis rasch geklärt worden, sagt Vater Mark. Die Umstellung war anfangs allerdings schwer- gefallen. Erst in der U 14 dann konnte sich Fynn Otto, der frühere Torjäger, der sich auf der Sechser-Position am wohlsten fühlt, etablieren. Die sogenannten »Übernahmegespräche«, in denen zum Sommer seitens des Klubs jeweils mächtig ausgesiebt wird, muss er nicht mehr fürchten.
 

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Groß gewachsen ist Fynn Otto, mit Stärken im Spielaufbau, beim Pass- und Kopfballspiel sowie bei Freistößen. Als einer von drei Spielern des Hessenliga-Jahrgangs 2002 spielt er bei den Älteren mit; in der Bundesliga, im Übrigen mit Leandro Weingärtner, einem anderen Wetterauer Bub aus der Gemeinde Ober-Mörlen. »Das ist schon ein ganz anderes Niveau. Aber je höher man spielt, desto besser wird man.« Ab Sommer – dann ist er selbst einer der Älteren – will Otto Führungsaufgaben übernehmen. Der Klassenerhalt der U 17 ist daher Pflicht. In acht von 15 Spielen stand er in der Startelf, wurde einmal eingewechselt und erzielte zwei Treffer.

 

Herbst-Tief ist vergessen

Das Herbst-Tief – fünf Spiele ohne Einsatz – ist vergessen. »Man darf niemals aufgeben und muss immer an sich glauben. Ich habe an mir gearbeitet und meine Chance bekommen.« Und er hat sie genutzt: Die letzten sechs Spiele vor der Winterpause stand Otto jeweils die kompletten 80 Minuten auf dem Feld. Die Eintracht belegt derzeit Rang sieben der Gruppe Süd/Südwest.

Bis Juni 2019 läuft die Fördervereinbarung mit dem Klub vom Riederwald. Berater haben bereits angeklopft und ihr Visitenkärtchen übergeben, auch der eine oder andere Bundesligist ist natürlich auf das Eintracht-Talent aufmerksam geworden. Noch hält Vater Mark die Hand über seinen Sohn. »Weder ein Wechsel noch große Summen sind ein Thema.« Zudem sagt Sohn Fynn: »Ich bin schon von kleinauf Eintracht-Fan.« Vielleicht tritt er als Wetterauer Identifikationsfigur ja mal in die Fußstapfen einer echten Eintracht-Legende, des Dorheimers Uwe Bindewald.