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Sparkasse Oberhessen: Millionenbetrug mit "hoher krimineller Energie"

Die Sparkasse Oberhessen meldet sich nach dem Betrugsfall um vier Millionen Euro, die ein langjähriger Mitarbeiter veruntreut haben soll, zu Wort - und belastet den 44-Jährigen schwer.
19. April 2017, 12:04 Uhr

Aus der Redaktion , 2 Kommentare
(Symbolfoto: dpa)

"Zum jetzigen Zeitpunkt kann gesichert mitgeteilt werden, dass der ehemalige Mitarbeiter die vorhandenen, umfassenden Sicherungsmechanismen der Sparkasse mit hoher krimineller Energie ausgehebelt hat." Das ist ein Satz aus einer ausführlichen Pressemitteilung der Sparkasse Oberhessen vom Mittwoch. Das Geldhaus aus dem Vogelsberg- und dem Wetteraukreis reagiert damit auf den Betrugsfall, der in der vergangenen Woche publik wurde. Demnach hatte ein langjähriger Mitarbeiter des Instituts, der sich später als der 44-Jährige Vorsitzender der Gemeindevertretung Limeshain herausstellte, über rund zehn Jahre bis zu vier Millionen Euro veruntreut. Rund drei Millionen Euro konnten inzwischen sichergestellt werden.

Die Sparkasse schreibt anlässlich einer Sondersitzung des Verwaltungsrat und des Vorstands über die eingeleiteten Schritte und den Stand der Aufklärung in dem Fall: "Gleichzeitig gab es bis zum Bekanntwerden seiner kriminellen Handlungen keinerlei Zweifel an seiner Integrität, keinerlei Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten und ebenso keine anderen Auffälligkeiten."


"Der Fall hat uns alle geschockt"

Der Vorstand machte nach Angaben der Sparkasse deutlich, dass sofort nach Bekanntwerden des Falles alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden seien: „Es ist getan worden, was getan werden konnte. Und es wird auch in den nächsten Tagen und Wochen getan, was getan werden kann,“ sagte demnach der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberhessen, Günter Sedlak: „Der Fall hat uns alle, Vorstand und Mitarbeiterschaft, geschockt, er ist für uns bitter und bedrückend, aber wir werden alles unternehmen, um den Vorgang aufzuarbeiten.“

Nachdem der Untreuefall durch vorhandene Sicherungssysteme aufgedeckt worden sei, habe der Vorstand sofort die Staatsanwaltschaft informiert und Anzeige gegen den betroffenen Mitarbeiter gestellt. Zugleich sei die Interne Revision beauftragt worden, den Fall lückenlos aufzuarbeiten. Ebenfalls umgehend seien die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Deutsche Bundesbank und das Regierungspräsidium Darmstadt als Aufsichtsbehörde der Sparkasse informiert worden. Außerdem habe der Vorstand zur externen Aufarbeitung den Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen beauftragt, eine Sonderprüfung vorzunehmen. Die fristlose Kündigung des Mitarbeiters sei sofort nach den ersten gesicherten Erkenntnissen in den arbeitsrechtlich gebotenen Schritten vollzogen worden.


"Einmaliger Vorgang" in der Geschichte der Sparkasse Oberhessen

Der Vorsitzende des Vorstandes, Günter Sedlak, betonte, dass es sich um einen in der Geschichte der Sparkasse Oberhessen einmaligen Vorgang handele. „Es hat mich zutiefst getroffen, dass ein langjähriger Mitarbeiter, bei dem es nie Zweifel an seiner Integrität gegeben hat, seinen Arbeitgeber in dieser Form betrügt.“ Nach bisherigem Stand der Ermittlungen, sagte Sedlak, könne ausgeschlossen werden, dass Kunden und deren Konten geschädigt wurden.

Neben des Versprechens einer lückenlosen Aufklärung sicherte die Sparkasse zu, Schadenersatzforderungen gegen den ehemaligen Mitarbeiter anzustrengen, um das veruntreute Geld wieder zurückzubekommen.

Der Verwaltungsrat erklärte: „Der Untreuefall ist schwerwiegend und belastend, aber es ist schnell, richtig und umfassend vom Vorstand gehandelt worden. Es wird nichts unter den Teppich gekehrt, sondern vollends aufgeklärt – das ist die Grundlage, um den guten Ruf der Sparkasse Oberhessen schnell wiederherzustellen.“


Mutmaßlicher Täter nicht in Haft

Dass es sich bei dem mutmaßlichen 44-jährigen Täter, der seit über 25 Jahren für die Sparkasse Oberhessen tätig war, um den 44-jährigen Vorsitzenden der Limeshainer Gemeindevertretung handelt, war nach Recherchen des "Hessischen Rundfunks" vom Limeshainer Bürgermeister Adolf Ludwig (SPD) bestätigt worden. Wie der Bürgermeister damals sagte, gebe der 44-Jährige, der für die SPD im Parlament sitzt, den Vorsitz der Gemeindevertretung umgehend ab. Die Stellvertreterregelung greife nun; die vorherige Vorsitzende werde den Posten übernehmen.

Über den Betrugsfall und den 44-Jährigen sagt der Bürgermeister: »Ich bin geschockt. Aber ich sage auch ganz klar: Hier in unserer Gemeinde hat er in allen Gremien gute und solide Arbeit geleistet.« Der Vorsitzende der SPD-Fraktion in Limeshain, Dr. Wolfgang Schönfeld, sagt, er sei »maßlos überrascht«.

Der 44-Jährige war auch Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde. Neben seinem politischen Posten war er zudem bis zum vergangenen Jahr Kassenwart im Büdinger Kreisfußballausschuss. Bei einer Hausdurchsuchung am vergangenen Donnerstag habe sich der Beschuldigte kooperativ verhalten und sich geständig gezeigt. Es bestehe keine Fluchtgefahr, daher sitze er nicht in Haft.

Drei Millionen Euro seien laut Staatsanwaltschaft noch auf dem deutschen Konto des Beschuldigten gewesen. Unklar ist weiterhin, wie aus einer Bank ein solch hoher Betrag über einen derartig langen Zeitraum verschwinden kann.

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