Wöllstadt sagt Danke und freut sich auf 2017

Wöllstadt (hed). Eigentlich hätte Alfons Götz wegen seiner lädierten Hüfte ins Krankenhaus gemusst. Aber so lange er noch stehen konnte war klar, dass sich der scheidende Bürgermeister diesen Termin nicht entgehen lassen würde: Schließlich ging mit dem ersten Spatenstich für die Ortsumgehung am Dienstag für ihn eine Mission zu Ende.
13. November 2012, 19:23 Uhr
»Danke« ist auf den Schildern zu lesen, die die BI-Mitglieder in die Höhe halten.

»Meine Arbeit ist getan«, sagte der mit Szenenapplaus begrüßte Götz vor den zahlreich gekommenen Wöllstädtern und den Ehrengästen aus der Politik, namentlich Ministerpräsident Volker Bouffier, Jan Mücke, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und der hessische Verkehrsminister Florian Rentsch.

Zu deren Ministerien in Berlin und Wiesbaden gab es von Wöllstadt aus fast schon eine Standleitung. Selbst an Bouffiers Geburtstag ließ sich Götz es nicht nehmen, den Ministerpräsidenten an die unhaltbare Situation an der Bundesstraße zu erinnern. Lobesworte für Götz und dessen Engagement fanden denn auch alle Redner. Ohne seine »positive Penetranz« sei dieser Festtag nicht möglich gewesen, sagte Rentsch in seiner Begrüßung der Gäste, unter denen sich auch Landrat Joachim Arnold, Umweltministerin Lucia Puttrich, Europaminister Jörg-Uwe Hahn Bundestagsmitglied Dr. Peter Tauber, mehrere Landtags- und Kreistagsabgeordnete sowie Bürgermeister der Nachbarkommunen befanden.

»Es gab bisher kaum ein Projekt, das mir gegenüber so oft als Problem angesprochen wurde«, meinte Staatssekretär Mücke, der in Berlin von Hahn und Puttrich (als diese noch Bundestagsabgeordnete war) bei jeder Sitzung auf Wöllstadt hingewiesen worden sei. Die 40 Millionen Euro, die der Bund für die 9,1 Kilometer lange Strecke ausgibt, seien gut angelegt. Würde die Umgehung nicht gebaut, könnte der Durchgangsverkehr auf bis zu 28 000 Autos pro Tag ansteigen. Mücke: »Eine unmenschliche Belastung. Andernorts hat der Bund schon für weniger eine Autobahn gebaut.«

75 Prozent Entlastung

Für Hessen, »das Herzstück der Bundesrepublik« stünden in diesem Jahr mit 700 Millionen Euro so viele Mittel für Straßenarbeiten zur Verfügung wie noch nie, sagte Bouffier. Nur wer gute Verkehrswege habe, könne die Zukunft gestalten. Und wer keine lärmgeplagten Bürger hat: Wie zuvor Rentsch bezifferte auch der Ministerpräsident die Verkehrsentlastung, die die Ortsumgehung für Wöllstadt – und vor allem für die Anwohner – bringen werde, auf bis zu 75 Prozent. Für die leidgeprüften Wöllstädter beginne Ende 2016 (so der avisierte Fertigstellungstermin) eine neue Zeit. Bouffier lobte die Investitionsbereitschaft der CDU-FDP-Bundesregierung, kritisierte aber, dass Planungen wie die in Wöllstadt Jahrzehnte dauerten. »Das darf nicht so bleiben, sonst verlieren die Bürger den Glauben an den Staat.«

Die mit »Danke«-Schilder ausgerüsteten Wöllstädter hatten den Glauben nie aufgegeben und über die Bürgerinitiative »Ortsumgehung Wöllstadt – Jetzt« stets Druck auf die Entscheidungsträger ausgewirkt. Auch ihnen galt der Dank der Politiker. »Was lange währt, wird endlich gut«, freute sich Bürgermeister Götz. »Vorher hatte es oft genug geheißen: ›Kommt Zeit, kommt Rat» oder ›Gut Ding will Weile haben«, erinnerte Götz daran, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Pläne immer wieder vorangetrieben, pausiert oder gar begraben wurden. Bereits 1936, so berichtete Götz, sei mit Holzpfählen die Strecke einer Autobahn von Gießen nach Frankfurt abgesteckt worden. Ende der 60er habe man von einem Main-Lahn-Schnellweg geträumt, 1985 die rot-grüne Landesregierung die Ausbau-Pläne sogar ganz gestrichen.

Nur kein zweites Dorheim

Heute endet die ausgebaute B 3 vor und hinter Wöllstadt, in Friedberg und in Karben. Ende 2016, so steht es auf dem Neubau-Schild, soll die Straße fertig sein. Der BI-Vorsitzende Peter Dangelmaier sagte am Rande des Spatenstichs, es sei gut, dass die erfahrene Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) die Ausführung übernommen habe. Man werde die Bauarbeiten dennoch kritisch begleitet, »damit nicht so etwas passiert wie in Dorheim«. Da hatte das ausführende Land für die 2,3 Kilometer lange Trasse nach dem ersten Spatenstich 2006 sechs Jahre für die Fertigstellung gebraucht. Dafür, dass bei den Bauarbeiten alles glatt geht, sprachen die Wöllstädter Pfarrer Norbert Braun und Peter Meier-Röhm Gebete und Segenswünsche, ehe der Musikzug aufspielte und die Politiker zu den bereitgestellten Spaten griffen. Einen davon nahm Alfons Götz als Andenken mit nach Hause. Er hat ihn sich verdient.

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