Wölfersheim

Grundschulen bleiben, Singbergschule bekommt Abi

06. Juni 2014, 12:58 Uhr
Gibt das Ministerium grünes Licht, wird an der Singbergschule in Wölfersheim eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet. Dann müsste angebaut werden. Möglich ist eine Verlängerung des L-förmigen Gebäudes oberhalb des Sportplatzes.

Als die Landespolitik dem Wetteraukreis vor drei Jahren nahelegte, kleinere Schulen zu schließen, zogen Landrat Joachim Arnold (SPD) und Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) vors Verwaltungsgericht Gießen. Ergebnis: Der Kreis gab nicht klein bei, unterzog auf Weisung des Ministeriums alle Schulen einer Überprüfung und legt nun vorzeitig die neunte Fortschreibung des Schulentwicklungsplans vor. Den brachte Betschel-Pflügel am Mittwoch während der Kreistagssitzung in Friedberg so auf den Punkt: »Alle Schulen bleiben erhalten und es gibt eine gymnasiale Oberstufe in Wölfersheim.« Alles gut und die Gelegenheit zu einer schiedlich-friedlichen Beratung? Mitnichten. Denn es gibt da ja noch diese kämpferische Konstante in der Schulpolitik, die auch für die Opposition gilt. CDU und Freie Wähler forderten mehr Zeit für die Beratung, wollten den Plan erst nach den Sommerferien verabschieden. Das lehnte die Koalition aus SPD, Grünen und FDP ab.

Zunächst die konkreten Ergebnisse – die nach den Beratungen im Ausschuss noch vom Kultusministerium genehmigt werden müssen: Alle Grundschulstandorte sollen erhalten bleiben, also auch Ossenheim und Bönstadt. Betschel-Pflügel verweist hierbei auf den Koalitionsvertrag von CDU und Grünen im Land. Dort heißt es, nach dem Motto »kurze Beine, kurze Wege« sollten kleine Grundschulen im ländlichen Raum nach Möglichkeit erhalten bleiben.

Ebenso bleiben kleinere Grundschulen wie die in Stammheim oder in Altenstadt-Höchst eigenständig. Eine Verwaltung durch andere Schulen sei aufgrund der Personallage gar nicht möglich, sagte der Schuldezernent. Das gleiche gelte für die Forderung des Landes zu sogenannten Verbundschulen. Wo der Kreis einen Verbund herstellen wollte – nämlich zwischen der Rodheimer Erich-Kästner-Schule und der Henry-Benrath-Schule in Friedberg –, darf er dies nicht, weil es sich um unterschiedliche Schulformen handelt (hier Grund- Haupt- und Realschule, dort kooperative Gesamtschule mit Gymnasialzweig). Betschel-Pflügel hält daher eine Änderung des Schulgesetzes für sinnvoll.

Auch wenn die Schülerzahlen in Rodheim »problematisch« seien, will der Kreis an einem Angebot in der Sekundarstufe I festhalten. Neue Baugebiete lassen auf mehr Schüler hoffen. An den übrigen Grundschulstandorten ändert sich grundlegend nichts. Entlang der A 5 gibt es laut Betschel-Pflügel bis zu sieben Klassen in einer Jahrgangsstufe, im östlichen Kreis werden einige Klassen jahrgangsübergreifend unterrichtet, um auf die nötigen Schülerzahlen zu kommen. Die Förderstufen in Florstadt und Assenheim seien stabil zweizügig, für die Henry-Benrath-Schule in Friedberg gelte dies bei der Vierzügigkeit. Hier bleibt alles beim Alten.

Aufwertung für Singbergschule

Aufgewertet wird die Singbergschule in Wölfersheim. Hier soll eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet werden. Die Förderstufe für den Haupt- und Realschulzweig soll drei- bis vierzügig ausgestattet sein, im Gymnasialbereich soll es ebenfalls drei bis vier Klassen geben. Die Schule »blüht und ist ertragreich«, schwärmte Betschel-Pflügel. Der Kreis wollte die gymnasiale Oberstufe zunächst als Außenstelle des Friedberger Burggymnasiums betreiben, was diese Schule jedoch abgelehnt hat. Jetzt soll die Singbergschule dies eigenständig regeln.

Die 9. Fortschreibung des Schulentwicklungsplans, ein 583 Seiten starker Aktenordner mit allen relevanten Zahlen und Fakten aller öffentlichen Schulen in der Wetterau, wird nun mindestens an zwei Terminen im Bildungsausschuss und dann am 23. Juli abschließend im Kreistag diskutiert. »Bis dahin sind es 49 Tage«, rechnete Betschel-Pflügel vor. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Sebastian Wysocki und sein Kollege Erich Spamer von den Freien Wählern hatten zuvor nämlich kritisiert, ihnen bleibe zu wenig Zeit, um sich mit der Sache zu beschäftigen und Experten zu befragen. Wysocki meinte, der Plan werde »im Schweinsgalopp durch den Kreistag getrieben«. »Seltsam und polemisch« nannte Christian Kolb (Grüne) dies, während Kristina Paulenz (SPD) daran erinnerte, dass der Plan laut der Übereinkunft vor dem Verwaltungsgericht bis zum Schuljahr 2014/15 vorliege müsse. Der 1. Oktober, wie von der CDU vorgeschlagen, sei zu spät. Und die Experten habe man bereits befragt.

Polemische Spitzen

Für Unmut sorgte die Bemerkung Wysockis, die Singbergschule in Wölfersheim bekomme nur deshalb eine gymnasiale Oberstufe, weil dies der Heimatort von Landrat Arnold sei. Dafür mussten sich die Christdemokraten von Peter Heidt (FDP) anhören, dass »die CDU offenbar die Demokratie entdeckt und diskutieren will. In Parlamenten, wo sie die Mehrheit hat, wird durchregiert.«

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