Makler: Immobilien neben Biogasanlage können unverkäuflich werden

10. Juni 2010, 10:56 Uhr
Großes Interesse, große Gruppe: rund 100 aufmerksame Zuhörer beim Info-Abend der Bürgerinitiative. (Fotos: Storck)

Ein BI-Mitglied war am Rande der Versammlung von einem ebenfalls betroffenen Berstädter darauf hingewiesen worden, dass die Immobilienpreise durchaus unter dem Bau der Ovag-Anlage leiden könnten. Das veranlasste ihn zu einer Rundfrage bei Bausparkassen, auf die hin er gestern aus München eine Antwort erhielt, die seine Sorgen nicht kleiner werden ließ.

Eschenbaum schreibt: »Selbstverständlich hat die Realisierung solcher Vorhaben (elementare) Einflüsse auf Grundstücks- und Objektwerte in der angrenzenden Nachbarschaft.« Entfernungen mit prozentualen Abschlägen zu koppeln, sei jedoch schwierig, das komme auf die Topographie an. Auch zum konkreten Fall Berstadt könne er natürlich nichts sagen, weil er die Gegebenheiten nicht kenne, doch könne er seine Erfahrungen in ähnlichen Fällen mitteilen.

Potentielle Interessenten an Immobilien äußerten immer wieder Bedenken wegen fünf Begleiterscheinungen: mögliche Störfälle, Geruch bei der Anlieferung von Gülle, erhöhtes Verkehrsaufkommen, eventuelle Grundwasserverschmutzung und überhaupt schon der Blick auf die Anlage.

Allein der Aspekt, dass viele mögliche Käufer schon grundsätzlich abwinkten, »und dies ungeachtet einer möglichen Kaufpreisreduzierung«, schränke die Interessentenzahl massiv ein. Je näher ein Grundstück an einer Anlage sei, desto schwieriger sei es zu verkaufen, das könne bis zur Unverkäuflichkeit gehen.

Auch wenn sich Eschenbaum nicht festlegen will, hält er Abschläge zwischen 20 und 60 Prozent des Objektwertes für realistisch.

Mit Hermann-Ulrich Pfeuffer (CDU), Michael Rückl (Grüne) und Burkhard Käs (FWG) waren in der BI-Veranstaltung am Dienstag auch drei im Gemeindeparlament vertretene Gruppierungen hochkarätig präsent. Vertreter der SPD waren an den beiden vorherigen Freitagnachmittagen auf Einladung der Ovag mit bei der Besichtigung einer kürzlich in Betrieb gestellten Biogasanlage in Homberg/Efze.

Als die BI am 21. Mai gegründet wurde, waren immerhin schon 30 Interessierte gekommen, in der Zwischenzeit soll die Gruppe über 50 Mitglieder haben. Bürgermeister Rouven Kötter hatte bei der Gründung zugesagt, dass er sich für ein öffentliches Verfahren zur Genehmigung der Biogasanlage der Ovag-Tochter Biogas einsetzen werde. Daran entzündete sich nun Volkes Zorn: Zwischenzeitlich hatten Bürger vom Regierungspräsidium, das für die Betriebsgenehmigung zuständig ist, die Mitteilung erhalten, das Verfahren werde ohne »Öffentlichkeitsbeteiligung im vereinfachten Verfahren« durchgeführt. Das Misstrauen der Versammelten gegenüber der Biogas Oberhessen wurde dadurch eher größer, ebenso wurde negativ vermerkt, dass trotz Einladung kein Ovag-Vertreter gekommen war. Auch würden schon Bodenarbeiten für die Anlage ausgeführt.

Die Initiatoren der BI wiederholten ihren Standpunkt, sie hätten grundsätzlich nichts gegen eine Biogasanlage einzuwenden. Der in Berstadt vorgesehene Standort sei jedoch vollkommen ungeeignet. Stehe die Anlage in Hom-berg/Efze - sie ist technisch identisch mit der in Berstadt geplanten - vier Fahr-Kilometer von der in der Hauptwindrichtung liegenden Ortschaft entfernt, so solle die Berstädter direkt an vorhandene Betriebe mit Lebensmittelproduktion grenzen und nur einige hundert Meter von Wohngebieten entfernt entstünden.

Eine Anlage mit der modernsten Technik habe man in Homberg gesehen, berichteten Mitfahrer. Sie habe aber nur eine Kapazität von rund 60 Prozent der in Berstadt geplanten, die damit die größte ihrer Art in Hessen würde. Das bringe auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf den Anlieferungsstraßen mit sich, informierte die BI. Auch führten die Initiatoren den teils instabilen Untergrund auf dem Gelände aufgrund des einstigen Kohlebergbaus erneut ins Feld. Gesundheitsgefährdende Stoffe in der Luft und im Grundwasser durch versickernde Gärsubstrate seien zu befürchten.

Sogar eine Explosionsgefahr wurde angesprochen, was eine verbesserte Ausrüstung und Ausbildung der örtlichen Feuerwehren notwendig mache.

Die Gefahr einer Mais-Monokultur und damit eines erhöhten Wildschweinaufkommens entkräfteten anwesende Landwirte. So werde der Anteil der Berstädter Maisanbaufläche deutlich unter 10 Prozent der Gesamtackerfläche liegen.

Um effektiver agieren zu können, will sich die Bürgerinitiative als Verein formieren und in Kürze einen Vorstand wählen und eine Satzung verabschieden.

 

Ovag vom Interesse an Besichtigungen »enttäuscht«

 

Um die Wölfersheimer aus erster Hand zu informieren, hatte die Firma Biogas zur Besichtigung einer Biogasanlage in Homberg/Efze eingeladen. Und war enttäuscht: »Wir hatten mit mehr Interesse gerechnet, extra zwei Termine gewählt, um möglichst vielen Menschen eine Besichtigung zu ermöglichen«, so der technische Geschäftsführer Michael Schmidt. Bei der ersten Fahrt hatte man 13 Teilnehmer, bei der zweiten 18.

In der vor neun Monaten in Betrieb gegangenen, etwas kleineren Anlage konnten sich die Mitfahrer vom Fachplaner der Anlage und Verantwortlichen der Ovag über Dimensionen und Abläufe der in Berstadt geplanten Einrichtung unterrichten lassen.

»Die Biogasanlage der OVAG wird mit hohen technischen Standards ausgestattet sein. Daher sind wir überzeugt, dass von unserer Anlage keine Beeinträchtigungen der Lebensqualität der Berstädter ausgehen wird«, bekräftigte in diesem Zusammenhang Biogas-Geschäftsführer Stefan Hammer. Man werde für den Standort in Berstadt selbstverständlich alle Auflagen einhalten, die sich aus dem noch laufenden Genehmigungsverfahren ergäben.

Am Montag, 21. Juni, um 19 Uhr beginnt in der Berstädter Mehrzweckhalle die angekündigte Informationsveranstaltung. Befürchtungen aus den Reihen der BI, dass Biogas und Ovag dort nur ihre Standpunkte darlegen, aber nicht mit den Bürgern diskutieren wollten, kommentierte Ovag-Pressesprecher Andreas Matlé als »spitzfindig« und »absurd«: »Selbstverständlich werden auch Fragen beantwortet.«

Neben Vertretern der Biogas Oberhessen sowie der OVAG stünden Planungsbüro, Experten der hessenEnergie sowie Vertreter der landwirtschaftlichen Liefergemeinschaft bzw. des Maschinenrings bereit. Sie erläuterten das energetische Konzept, Anlagenlayout, Stoffströme, Genehmigungsverfahren und Bauzeitenplan.

 

 

BI »Für ein lebenswertes Berstadt« gegründet Hammer zur Biogas-Anlage: »Ovag hält sich an alle Auflagen« Berstädter gründen BI: »Standort der Biogasanlage nicht akzeptieren«

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