Reichelsheim

Wassermeister Jürgen Nolze geht in (halben) Ruhestand

26. September 2014, 17:48 Uhr
Nur noch wenige Wochen schaltet und waltet Jürgen Nolze im Bauhof, Ende Oktober winkt der Ruhestand. (Foto: Dauernheim)

Kurz nach seinem Geburtstag im Oktober ist Schluss. Nach 23 Jahren beim Bauhof geht der gelernte Kraftfahrzeug-Elektriker in Ruhestand. Komplett wird er sich noch nicht aus dem Bauhof-Team verabschieden: »Ich werde weiterhin samstags Schrott und Bauschutt annehmen, außerdem übernehme ich den Job des Hausmeisters im neuen Rathaus«, sagt Nolze.

Der Heuchelheimer, der lange in Weckesheim lebte, mag seinen Job. »Es war Glück, dass ich 1991 bei der Stadt anfangen konnte«, erzählt der Vize-Bauhofleiter. Vorher war er bei der Firma Tröster beschäftigt. Sein Arbeitsplatz war anfangs noch das beengte Areal am Zimmerplatz. Den Umzug von dort aufs ehemalige Preag-Gelände in Heuchelheim erlebte er mit. »Eine Werkstatt gab es noch nicht, die haben wir nach und nach aufgebaut.« Privat siedelte er mit der Familie auch aufs ehemalige Bergwerksgelände um, kaufte ein Haus in unmittelbarer Nähe zum Bauhof. »Ich schaue, wenn ich Urlaub habe, auch immer mal vorbei.« Bei einer dieser Visiten entdeckte er einen Achsbruch bei einem selbstfahrenden Rasenmäher. Er zögerte nicht lange, tauschte Freizeitkleidung gegen Blaumann und reparierte den Holder, den seine Kollegen dringend brauchten.

Wasserrohrbrüche und ein Storch

Technik fasziniert ihn. Tüfteln, schrauben, ausprobieren. »Die Arbeit am Bauhof ist vielseitig, es gilt, Probleme an den Maschinen und im Wassernetz zu bewältigen. Jeder Tag verläuft anders.« Eines hat er in all den Jahren gelernt: »Wasserrohrbrüche halten sich nicht an Dienstzeiten.« Mal hieß es direkt von der Weihnachtsfeier ausrücken, dann sprudelte Wasser an Weihnachten über die Straße und ganz oft am Freitagnachmittag. »Wasserverluste kosten die Stadt unnötig Geld, sie zu vermeiden, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.« Gründe für Lecks im Wassersystem kennt Nolze inzwischen viele: Dünnwandige PE-Leitungen, gebrochene Verbindungsstücke an Übergängen, marode Leitungen. »Heute verwenden wir Schraub- und Pressverbindungen«, sagt der Wassermeister. »Zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich keine Ahnung vom Wassernetz.« Inzwischen kenne er jeden Schacht, in den die Wasserversorgung abgestellt oder umgeleitet werden kann.

Das Wissen kommt ihm bei Feuerwehreinsätzen zugute. Zwei Jahrzehnte rückte er mit der Heuchelheimer Wehr aus. »Beim Scheunengroßbrand in Weckesheim bin ich sofort in den Schacht, habe auf Feuerwehrbetrieb umgestellt«, erinnert sich Nolze. Hilfreich im Wassersektor sei die Zusammenarbeit mit den Bauhöfen anderen Kommunen. »Wichtig ist es, an Fortbildungen wie den Wassermeistertreffen teilzunehmen, da tauscht man sich aus, erfährt Neuigkeiten, bekommt Tipps. Das ist optimal.« Oberstes Ziel sei es immer, auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. »Wir vom Bauhof sind die erste Verbindung der Leute zur Verwaltung. Wir sind vor Ort unterwegs.«

Auf den Tischen im Aufenthaltsraum im Bauhof liegt eine Liste mit Notizen, wo im Stadtgebiet etwas zu erledigen ist: Schieber im Hydrant auswechseln, Wasser im Neubau anschließen, überprüfen, ob Zisternen bei den Angaben zur gesplitteten Abwassergebühr richtig angegeben wurden, illegal abgelagerten Müll entfernen. »Manchmal geht aber nicht alles so schnell, wie es sich die Bürger wünschen.« Etwa, wenn das Team durch Krankheit, Fortbildung oder Urlaub nicht vollständig ist.

Gern erinnert sich Nolze an die vielen schönen Erlebnisse in seiner Berufslaufbahn, etwa die Taufe von Jungstorch »Jürgi« im vergangenen Jahr. Damals handelte Nolze sofort, als er merkte, dass ein Storchenpaar auf dem stillgelegten Schornstein einer Bauhofhalle nisten wollte. Kurzerhand schraubte er aus restlichen Zaunelementen eine Konstruktion ans Mauerwerk, damit der Horst halt fand. Das Paar brütete und umsorgte einen Jungstorch, den die Kollegen »Jürgi« nannten.

Froh ist Nolze darüber, dass er seine Nachfolger in all die Aufgaben im Bauhof und der Wasserversorgung einarbeiten konnte. »Die machen das schon.«

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