Reichelsheim

Ja-Wort in 600 Jahre altem Gemäuer

17. Juni 2014, 16:28 Uhr
Paare können sich jetzt in der 600 Jahre alten Zehntscheune in Weckesheim das Ja-Wort geben. (Fotos: kai)

»Wir stellen fest, dass immer mehr Paare einen Ort zum Heiraten mit Ambiente und der Möglichkeit für einen anschließenden Sektempfang suchen«, sagt Standesbeamtin Petra Köhler. »Unser Trauzimmer im Historischen Rathaus ist sehr schön.« Allerdings hätten viele Heiratswillige weitergehende Vorstellungen vom Ort, an dem sie die Ehe schließen wollten, suchten etwas Besonderes.

Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr schlossen im Historischen Rathaus in Reichelsheim 33 Paare den Bund fürs Leben. In diesem Jahr werden es nach derzeitigem Stand 20 sein. »Dieser Tage hat wieder jemand angerufen und erklärt, im Hessenpark statt in Reichelsheim heiraten zu wollen«, sagt Köhler. Daher sei sie sehr froh über die Idee von Patricia Stähler-Plano, die anbot, dass sich Paare in der ehemaligen Zehntscheune das Ja-Wort geben könnten. Gemeinsam mit Ehemann Peter Stähler hat sie die fast 600 Jahre alte Scheune im Ortskern saniert und umgebaut. In ihrer Scheune bieten die beiden Seminare an, öffnen für besondere Veranstaltungen rund ums Thema Genuss. »Wir sind flexibel, stellen uns auf die Wünsche des Brautpaares ein«, verspricht Stähler-Plano.

In den vergangenen Wochen hat sie einen Raum speziell für Trauungen hergerichtet. Über die breite Holztreppe geht es ins Zwischengeschoss der Scheune, umgeben von freigelegtem Fachwerk steht der Trautisch, den Stähler-Plano mit einem Überzug aus altem Leinen geschmückt hat, darauf liegt ein Blumenbukett. Fürs Brautpaar stehen mit einem roten Band verzierte Lederstühle parat. Ein Kisschen für die Eheringe mit Herzmotiv liegt griffbereit auf dem Tisch. Im Raum können fast zwei Dutzend Stühle gestellt werden.

»Die Suppe gemeinsam auslöffeln«

»Genau so einen Raum zum Trauen brauchen wir in Reichelsheim«, sagt Köhler. Sie fühlt sich an ihrem externen Arbeitsplatz wohl. Alle Formalitäten sind mit der Standesamtsaufsicht abgeklärt. »Es darf nur dort getraut werden, wo kein öffentlicher Gaststättenbetrieb ist, Störungen von außen sollte es während einer Trauung nicht geben«, erklärt die Standesbeamtin. All diese Dinge sind in einem Vertrag mit der Stadt und dem Ehepaar Stähler-Plano geregelt. »Hier kann individuell und exklusiv geheiratet werden«, verspricht die Eigentümerin. Sektempfang, Kaffee und Fotoshooting im weitläufigen Rosengarten, Häppchen, ein Suppen-Imbiss, nach dem Motto »Wir löffeln zusammen unsere Suppe aus«, seien möglich, ebenso ein Tapas-Buffet. Wenn ein Paar nach der Zeremonie und einem Gläschen Sekt weiterzieht, sei das kein Problem.

Standesbeamtin Köhler ist zuversichtlich, dass das neue Angebot angenommen wird. In den Nachbarkommunen seien Trauungen außerhalb der Rathäuser längst etabliert.

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