Ranstadt

Johannas Mörder ist noch nicht gefasst

05. September 2014, 18:28 Uhr
2009, am zehnten Jahrestag von Johannas Verschwinden, errichtet die Polizei eine Plakatwand vor dem Ortseingang. Auch fünf Jahre später ist ihr Mörder nicht gefasst. (Foto ihm)

Eine schmale Straße führt in den Ranstädter Ortsteil Bobenhausen, gelegen in einer waldigen, lieblichen Landschaft. In dem 500-Seelen-Ort ist kaum ein Mensch auf der Straße, nur ab und zu rollt ein Auto hindurch. Wohnhäuser, ein leichtes Lüftchen weht, ein Windspiel klingt, die Gärten sind gepflegt. Schwer vorstellbar, dass sich in diesem Idyll Anfang September vor 15 Jahren eine Tragödie ereignet hat.

Johanna verschwand an einem Donnerstag. Sie hatte zuerst eine Freundin besucht, war am späten Nachmittag noch mit dem Mountainbike zum Sportplatz geradelt, wo Kinder spielten. Das Areal liegt ein Stück vorm Ort. Still ist es dort, keine Menschenseele weit und breit. Am Spätnachmittag des 2. September 1999 war das anders: Am frühen Abend stand ein Fußballspiel an. Als Johanna nicht zum Abendessen nach Hause kam, suchten Vater und Schwester nach ihr. Erfolglos. Die Eltern verständigten die Polizei, Johanna wurde mit großem Aufwand gesucht. Nur ihr Fahrrad wurde gefunden.

Sieben Monate später machte ein Spaziergänger im Wald an der A 5 bei Alsfeld-Lingelbach eine schreckliche Entdeckung: Er stieß auf eine skelettierte Leiche. Wie sich herausstellte, war es Johanna. Stücke eines Paketklebebands fanden sich bei dem Leichnam, offenbar war das Mädchen damit gefesselt worden. Darauf ein Finger- oder Handabdruck, der Grundlage für eine Reihenuntersuchung wurde. Hunderte Männer aus drei Personenkreisen mussten ihre Abdrücke abgeben, unter anderem hessenweit knapp 600 Eigner eines VW Jetta. Ein brauner oder rotbrauner Jetta mit Kennzeichen »HG« war um den Zeitpunkt von Johannas Verschwinden nahe des Sportplatzes beobachtet worden, schien verdächtig. Freigänger von Haftanstalten wurden auf Alibis überprüft, auch Personen, die wegen Sittlichkeitsdelikten bekannt waren. Ohne Ergebnis.

15 Jahre später, Familie Bohnacker lebt schon lange nicht mehr in Bobenhausen. Ein Senior schaut vom Beet in seinem Garten hoch, stellt die Harke zur Seite. Er erzählt, damals auch beim Massentest gewesen zu sein. »Alle waren bereit, mitzumachen, damit die Sache ans Licht kommt.« Die Polizei habe sämtliche Einwohner befragt, in die Mülltonnen geschaut. Untereinander verdächtigt hätten sich die Bobenhäuser nicht, sie gingen von einem fremden Täter aus.

»Es war schlimm«, blickt eine Bürgerin im Gespräch mit der WZ zurück. »Die Leute bekamen Angst um den eigenen Nachwuchs. Viele ließen die Kinder nicht mehr draußen spielen, brachten sie mit dem Auto zur Schule. Man war geschockt, dass in einem so kleinen Ort so etwas passieren kann.« Erst hätten die Menschen gehofft, dass Johanna unversehrt wieder auftaucht – dann, dass der Mörder gefasst wird.

Polizei: Täter hatte wohl Ortsbezug

Die Kripo vermutet, dass Johanna dem Entführer am Tag des Verschwindens ungefähr zwischen 17.20 Uhr und 18.30 Uhr begegnete. Eine Einwohnerin sagte allerdings aus, sie habe die Vermisste gegen 20 Uhr mit einer fremden Frau gesehen. Die beiden seien aus Richtung Sportplatz gekommen. Eine Fallanalyse des LKA kam zu verschiedenen Tat- und Täterhypothesen. Für wahrscheinlich erachten die Ermittler, dass der Mörder in irgendeiner Weise Ortsbezug hatte und Johanna ihn kannte. Eventuell, so glauben sie, waren mehr als ein Täter beteiligt, vielleicht war auch eine Frau involviert. Möglicherweise gebe es zumindest Mitwisser.

2009, am zehnten Jahrestag des Verschwindens, errichtete die Polizei eine Plakatwand vorm Ortseingang. Sie stand mehrere Wochen dort, Aufschrift: »Wo sind die Mörder?« Die Polizei hat den Fall nie zu den Akten gelegt.

Am Mittwoch, 24. September (20.15 Uhr) befasst sich die Fernsehsendung Aktenzeichen XY im ZDF mit dem Fall. Bereits 1999, einen Monat nach Johannas Verschwinden, berichtete Aktenzeichen XY. Im Anschluss an die Sendung waren 30 neue Hinweise eingegangen, über 1500 Spuren ging die Kripo bislang nach. Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Gießen eine Belohnung von 25 000 Euro ausgesetzt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Harken
  • Leichen
  • Mörder
  • Polizei
  • Sportplätze
  • Still GmbH
  • Strafvollzugsanstalten
  • VW
  • VW Jetta
  • Waldgebiete
  • ZDF
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.