Meerforellen schwimmen wieder in der Usa

01. Oktober 2009, 21:16 Uhr
Noch sind die kleinen Fische im Eimer eingepfercht, aber bald ruft das offene Gewässer.

Ober-Mörlen (khn). Wild schwimmen die kleinen Fische im Eimer hin und her. Das Wasser spritzt, der Behälter ist zu klein für die jungen Meerforellen. Heinz-Joachim Caspary von der Interessengemeinschaft Nidda hebt den Eimer hoch und trägt ihn vorsichtig zu einer seichten Stelle der Usa. Langsam kippt er ihn.

Erst hüpft ein Fisch heraus, dann kommen immer mehr und am Ende sieht man vor lauter Schuppen das Wasser nicht mehr. Gestern entließen Mitglieder der IG Nidda, der Notgemeinschaft Usa, des Fischereiverbandes Nordrhein-Westfalen und Wissenschaftler des Frankfurter Büros für Fischökologie 7000 junge Meerforellen in die Freiheit.

An drei Stellen wiederholen die rund zehn Helfer das Prozedere. Mit dabei ist Gottfried Lehr, Projektleiter und Gewässerökologe. Er packt mit an, schießt aber auch fleißig Fotos, um die Aktion zu dokumentieren. »Wir nennen die Meerforelle auch den Lachs der Wetterau«, sagt er. »Sie wird hier bei uns aber nicht ausgesetzt, damit wir sie in fünf Jahren auf einem Brötchen wiederfinden.« Vielmehr handele es sich bei der Wieder-Ansiedlung um ein Artenschutz-Projekt, das mit der Renaturierung der heimischen Gewässer im Einklang stehe.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Büro für fischökologische Studien in Frankfurt. »Die Meerforelle ist eine Wanderform der Bachforelle«, erzählt Dr. Jörg Schneider. Durch eine genetische Komponente gehe sie auf Wanderschaft Richtung Nordsee und komme zum Laichen in fünf bis acht Jahren wieder zurück. Die Fische brauchen dazu aber durchgängige Gewässer. Hinderlich seien Wehrstufen an der Nidda und Staustufen am Main. »Wenn die durchlässig gemacht worden sind, können die dann einen Meter großen Fische in ein bis zwei Jahren auf Wanderschaft gehen.«

Im Moment ist daran aber noch nicht zu denken. Die zurzeit 5 bis 13 Zentimeter großen Fische sind im Februar künstlich ausgebrütet worden. Ihre Eltern stammen aus der Wupper in Nordrhein-Westfalen. Zur Aufzucht verbrachten die Jungtiere ihre ersten Monate im Lachszentrum Hasper-Talsperre bei Hagen.

Usa und Nidda eigneten sich für das Aufwachsen der Meerforellen besonders, sagt Schneider. »Sie haben sehr naturnahe Strecken. Es gibt zum Beispiel viele Löcher unter Wurzeln, die den Tieren als Versteck dienen können.« Früher sei der Fisch in der Usa häufig vorgekommen. »Wir wollen jetzt den Zyklus wieder ankurbeln«, betont er - aber nicht nur, um die Art neu anzusiedeln. »Diese Fische sind guter Indikator für die Durchgängigkeit von Gewässern.« Das sei ein erklärtes Ziel der Europäischen Union, die das auch in vielen Gesetzen wie der EU-Wasserrahmenrichtlinie festgeschrieben habe.

Um die Fische zu erkennen, haben die Wissenschaftler sie an der so genannten Fettflosse abgeknipst. »So können wir sie eindeutig von der Bachforelle unterscheiden.« Es sei dadurch einfacher, die Bestände in einigen Jahren zu kontrollieren. Außerdem könne man so die Wanderbewegungen der Meerforellen nachvollziehen.

Rjurik Nentwig ist Vorsitzender der IG Nidda. Die ist ein Zusammenschluss von Angel- und Fischereivereinen der Nidda, die sich dem Natur- und Gewässerschutz verschrieben haben. Das passt für Nentwig zusammen. »Wir haben gelernt, dass Beute machen schön ist, aber nicht alles.« Deswegen engagiere man sich für das Projekt sehr gerne. »Wir wollen ein nachhaltiges Fischen und so dazu beitragen, den Bestand der Meerforelle zu schützen.«

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