Nidda

Sturm, Starkregen und Hagel in der nördlichen Wetterau

12. August 2015, 18:43 Uhr
Tief verdunkelt ist am Montagabend der Himmel über der nördlichen Wetterau.

Meistens kommen die Tiefs aus Westen. Kommen sie von Osten her, ist das für Nidda offenbar besonders gefährlich«, sagt Matthias Holland. Der Niddaer Stadtbrandinspektor hat voriges Jahr das heftige Unwetter in Wallernhausen miterlebt, und auch am Montag war er im Einsatz, als sich gegen 16.30 Uhr über Gedern eine Gewitterfront aufbaute, um in Sturmgeschwindigkeit über die nördliche Wetterau und den südlichen Landkreis Gießen hinwegzufegen. Betroffen waren im hiesigen Kreisgebiet die Kommunen Nidda, Wölfersheim, Rockenberg und Butzbach. Die größten Schäden verursachte das Unwetter in Bad Salzhausen.

Alte Bäume entwurzelt

Die erste Alarmierung erhielt die Niddaer Feuerwehr laut Holland um 17.31 Uhr. Rund 60 Einsatzkräfte hatten bis 20.30 Uhr alle Hände voll zu tun, um Windbruch von Straßen zu räumen. Große Baumschäden entstanden im Kurpark mit seinen exotischen Gehölzen und in der Allee Richtung Nidda, die einen besonders alten Baumbestand aufweist. Einige Bäume riss der Sturm samt Wurzelbett aus dem Boden, an zwei Häusern deckte er Dächer teilweise ab. Der Kurpark und die Zufahrt zur neurologischen Klinik wurden bis aus Weiteres gesperrt. Die neurologische Klinik kann derweil über Geiß-Nidda angefahren werden.

Laut Daniel Rüd, der in Wölfersheim eine Wetterstation betreibt, kam es gegen 18 Uhr über Wohnbach und Obbornhofen zu einem Phänomen, das Meteorologen »Microburst« oder »Gewitterfallböe« nennen und bei dem sich eine Wolke auf einen Schlag entlädt. Punktuell seien 50 bis 60 Liter Wasser pro Stunde auf den Quadratmeter niedergegangen – mehr als eine durchschnittliche August-Monatsmenge. Allerdings sei nicht das Wasser für das Unwetter bezeichnend gewesen, sondern der Wind, der Geschwindigkeiten von bis zu 77 Kilometern pro Stunde erreicht habe. »Das entspricht Windstärke neun, liegt also im Sturmbereich«, erklärt Wettermann Rüd.

Vereinzelt kam es auch zu starkem Hagel. Das bekam unter anderem auch die Feuerwehr zu spüren, die zu insgesamt sechs Einsatzstellen gerufen wurde – eines ihrer Fahrzeuge wurde durch wallnussgroße Hagelkörner in Mitleidenschaft gezogen. »Nichts Gravierendes«, sagt Wölfersheims Stadtbrandinspektor Roland Bender, »nur ein paar Dellen«.

Auf der A 45 galt es für Wölfersheimer Wehrleute, Windbruch zu beseitigen, die Autobahn wurde vorübergehend auf einem Fahrstreifen gesperrt. Auch bei Wohnbach mussten die Einsatzkräfte Astwerk, das die Straße versperrte, beiseiteschaffen. Zudem waren einige Keller mit Wasser vollgelaufen.

»Massive Hagelschäden« richtete das Unwetter laut Rockenbergs Gemeindebrandinspektor Klaus Anselm an Fahrzeugen in Rockenberg und Oppershofen an. Tatsächlich sei es für insgesamt 16 Feuerwehrleute aber zu lediglich zwei Einsätzen in der Gemeinde gekommen. Einer betraf ein Pflegeheim, in dem bedingt durch einen Rückstau in der Kanalisation Fäkalien aus dem WC schossen. Mit dem Schmutzsauger gelang es den Einsatzkräften, die Lage rasch unter Kontrolle zu bringen, sodass der Betrieb am Folgetag uneingeschränkt fortgeführt werden konnte. »Das Unwetter sah anfangs dramatischer aus, als es sich dann ausgenommen hat«, kommentiert Anselm.

Wellblechdach fliegt in Fenster

Nach etwa 15 Minuten Starkregen und Hagel ereilte die Butzbacher Wehr der erste Notruf um 18.30 Uhr. Einsatzschwerpunkt war das Wohnquartier Degerfeld. Dort riss der Sturm Dachrinne und Dachbeschichtung von einem Hochhaus, weiterhin standen in der Kernstadt ein Baugeschäft und mehrere private Keller unter Wasser. In Griedel wurde ein Wellblechdach von einer Scheune in das Fenster eines Nachbarhauses geweht. Insgesamt waren laut Angaben der örtlichen Feuerwehr 50 Feuerwehrleute bis 22.30 Uhr im Einsatz.

»Das Unwetter war nicht so zerstörerisch, aber die Einsatzkräfte im Kreis waren gut unterwegs«, kommentiert Kreisbrandinspektor Ottfried Hartmann das Geschehen. Abgesehen vom Niddaer Kurort Bad Salzhausen herrschte am Dienstag allerorten schon wieder Business as usual.

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