Karben

Ausstellung im Heimatmuseum über jüdische Familien

06. Oktober 2014, 18:38 Uhr
Werner Gold informiert über jüdische Geschäfte und Kaufleute in Groß-Karben.

Abgebildet sind Gesichter und Namen der jüdischen Bürger, an deren ergreifende Schicksale im Rahmen der aktuellen Ausstellung »Jüdisches Leben in Groß-Karben« erinnert wird. Auf mobilen Stellwänden wird in Wort und Bild über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde, religiöse Einrichtungen, Geschäfte und Kaufleute berichtet.

Mittels einer Powerpoint-Präsentation werden Einzelschicksale nachgezeichnet, und es wird verdeutlicht, dass nur wenige Verfolgte der Ermordung durch die Nationalsozialisten entkommen konnten. Persönliche Gegenstände aus dem Besitz von ehemaligen jüdischen Bürgern werden gezeigt. Die Exposition wurde vom Museumsdienst in Zusammenarbeit mit der »Initiative Stolpersteine in Karben« erarbeitet und ist Teil des Begleitprogramms zur Wanderausstellung des Hessischen Rundfunks und des Fritz-Bauer-Instituts »Legalisierter Raub«.

Bereits vor zwei Jahren hatte Rosemarie Plewe die Idee für eine Veranstaltung gegen das Vergessen an ihre Mitstreiter vom Museumsdienst herangetragen. Dem Vorbereitungsteam schlossen sich Charlotte Jäkel, Werner Gold, Monika Heinz und Marlies Gebhard-Petri an. Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine wirkte mit. Das Team griff unter anderem auf Fotomaterial von Herbert Dietz und auf ein Script von Helmut Weigand zurück.

Anlässlich der gut besuchten Ausstellungseröffnung erfuhren die Anwesenden im Rahmen mehrerer Vorträge vieles über die örtlichen Gegebenheiten, die sich Ende der 1930er Jahre grundlegend änderten. Rosemarie Plewe verglich die ehemalige jüdische Gemeinde in Groß-Karben in Anlehnung an den kürzlich verstorbenen Vorsitzenden des Geschichtsvereins, Helmut Heide, mit einer Blume, die lange Zeit im christlichen Umfeld blühte. »Dann wurde sie brutal vernichtet. Auch die Erinnerung sollte ausgelöscht werden.« Jäkel berichtete, dass von den Spuren des religiösen Lebens nur der jüdische Friedhof erhalten geblieben sei. »Mikwe und Synagoge wurden zerstört. « Gold zeigte auf, dass das Geschäftsleben bis 1938 weitestgehend in jüdischer Hand lag. »Zwischen 1871 und 1938 gab es insgesamt 32 Geschäfte mit 16 Zweigen. Zehn jüdische Familien haben die Infrastruktur sichergestellt.«

Im Gespräch mit den Zeitzeuginnen Else Lampert, Hilde Kohlas, Hertha Trinks und Lia Fink hatten Gebhard-Petri und Heinz erfahren, dass zwischen jüdischen und nichtjüdischen Kindern ein selbstverständliches Miteinander herrschte. Lia Fink erzählte, dass sie oft bei der benachbarten Familie des Lehrers Isaak Markus zu Gast war. »An Heilig Abend habe ich dort gewartet, bis bei uns zu Hause der Baum geschmückt war. Zum jüdischen Laubhüttenfest habe ich beim Auffädeln von Kastanien geholfen.«

Hartmut Polzer betonte, dass die gelebte Normalität durch den Nationalsozialismus gewaltsam beendet wurde. Auch in Groß-Karben gab es Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger. Sie wurden deportiert, ihr Besitz wurde konfisziert. Bürgermeister Guido Rahn unterstrich: »Es traf Nachbarn.« Wichtig sei es, den Anfängen zu wehren, es gelte die Demokratie zu bewahren und zu beschützen.

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