Karben

Karbener setzen klares Zeichen gegen rechts

14. Juni 2013, 19:08 Uhr
Da gehen alle Hände hoch: Soeben wird das Bündnis gegen rechts gegründet.

»Eine besondere Provokation«, nannte Kulturstadtrat Philipp von Leonhardi das auf der Informationsveranstaltung zum Rechtsextremismus am Donnerstagabend. »Das war Anlass zum Projekt, unsere Freiheit in Karben zu verteidigen.« Der Beginn der Veranstaltung verzögerte sich jedoch zunächst, denn die vorhandenen 300 Stühle reichten für die vielen Besucher nicht aus. Bis auf den letzten Platz besetzten die 500 anwesenden Karbener dann Stühle und schnell aufgestellte Tische.

Den Treffpunkt der Identitären dürfe man nicht unterschätzen, erklärte Hartmut Polzer von der »Initiative Stolpersteine« den Zuschauern. Die Gründung der Projektwerkstatt könnte für Karben noch unbekannte Folgen haben. Über 100 »Gefällt mir«- Klicks hat die Facebook-Seite der Gruppierung bereits. Zudem lädt der Betreiber im Internet Gleichgesinnte zu sich ein. »Keiner weiß, was passiert, wenn die hier eintreffen«, fürchtete Polzer.

Die Stolpersteine-Initiative hatte das Treffen gemeinsam mit der Stadt, der Kurt-Schumacher-Schule, dem Ausländerbeirat, dem Deutsch-Ausländischen Freundeskreis und der Türkisch-Islamischen Gemeinde im Eiltempo organisiert . Ziel der Veranstaltung war es, die Bürger über die rechtsextreme »Projektwerkstatt« zu informieren und ein Bürgerbündnis zu gründen. Dieses Bündnis steht für »Null Toleranz für Rechtsextremismus in Karben«.

Wer sich hinter den Identitären verbirgt und welche Gefahren von ihnen ausgehen, erklärte Prof. Dr. Benno Hafeneger vom Institut für Erziehungswissenschaften der Philipps-Universität in Marburg. »Die Identitären wollen mitreden und mitbestimmen«, beschrieb er die Gruppierung, »sie verbreiten die Ansicht, dass Europas Kultur untergeht und nur ein weißes Europa den Untergang verhindern kann.« Dabei verschleierten sie häufig ihre rassistische Einstellung: »Sie sagen: Wir haben nichts gegen Ausländer, aber sie sollen nicht bei uns leben. Sie sollen zurück in ihr eigenes Land, zu ihrer eigenen Kultur und Demokratie.« In Treffpunkten wie der »Karbener Projektwerkstatt« diskutieren sie über solche Themen und planen Aktionen.

In kleinen Gruppen

Dass der Rechtsextremismus hier Fuß zu fassen versucht, sahen die Bürger auch deutlich in den letzten Wochen. Plakate und Aufkleber mit rechtsextremen Parolen wurden in der Stadt verbreitet. Rechtsextremismus ist in der Wetterau ein Thema, das immer wieder aufkommt. Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative Friedberg gab einen Überblick über die Aktivitäten: »Immer wieder tauchen in der Region rechtsextreme Gruppierungen auf. Das sind meist wenige Personen, die nur eine kleine Minderheit repräsentieren. Wenn wir denen hier gemeinsam friedlich entgegentreten, haben sie auch in Karben keine Chance.«

Dass Karben sich Rechtsextremismus nicht bieten lässt, war am Donnerstag deutlich zu sehen und zu hören. Immer wieder versuchten einige anwesende Rechte mit den Veranstaltern zu diskutieren und laut ihre Parolen zu äußern. Von den Zuschauern wurden sie ausgebuht und ausgelacht. Diskussionsleiter Andreas Hofmann bat mehrmals darum, nur Fragen zu stellen und keine Statements abzugeben. Als die Störenfriede sich darauf nicht einlassen wollten, erteilte Stadtrat von Leonhardi ihnen ein Hausverbot und sie mussten die Veranstaltung verlassen. Von den Zuschauern wurde dies mit Applaus begrüßt. Einer der Provokateure schien einen Hitlergruß anzudeuten, doch auch das konnte der friedlichen Atmosphäre der Informationsveranstaltung nichts anhaben.

Die Karbener zeigten sich in ihren Fragen besorgt, aber auch entschlossen. Vor allem die Frage: »Was können wir tun, um die Rechten aus Karben herauszubekommen?« wurde häufig gestellt. Den ersten Schritt konnten die Anwesenden sofort machen, indem sie sich mit ihrer Unterschrift für das »Bürgerbündnis für ein offenes Karben« aussprachen. Die Beteiligung war so groß, dass die Unterschriftenzettel ausgingen. Doch damit nicht genug. Vor dem offenen Mikrofon bildete sich schnell eine Schlange von Vorsitzenden vieler Vereine, Direktoren und Lehrer der Schulen und anderen Gruppen, wie den Pfadfindern, die dem Bündnis ihre Zustimmung zusprachen. Auch die Kirchengemeinden zeigten ihre Unterstützung.

Von Leonhardi war beeindruckt und dankbar für die große Beteiligung: »Rechtlich können wir gegen die Projektwerkstatt nicht vorgehen, diese Ideologie ist offiziell nicht verboten«, erklärte er. »Wir müssen nun weiterhin möglichst viele Bürger erreichen, so dass die Bewegung zum Außenseiter wird und der Laden schließen muss.«

Einen ähnlichen Fall erlebte Butzbach vor Kurzem. Auch dort wurde ein Bündnis gegründet, welches erfolgreich gegen die Rechten im Ort kämpfte. »Lassen wir sie auch in Karben einfach rechts liegen und stehen«, forderte Balser.

Das Bündnis unterstützen können Bürger mit ihrer Unterschrift via Brief an die Stadtverwaltung oder per Mail an offeneskarben@gmx.de. Ansprechpartner ist Hartmut Polzer unter Telefon 01 60/21 13 454.

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