»Die Dunkelziffer ist hoch«

Karben (dit). Einen Aktionstag zum Thema Rechtsextremismus im Rahmen der internationalen Woche gegen Rassismus veranstaltete der Gesprächskreis Prävention der Stadt unter Federführung von Gabriele Davis.
12. März 2013, 17:28 Uhr
Diskutieren über Rechts- extremismus und Rassismus (v. l.): Joachim Schäfer, WZ-Mitarbeiter Andreas Hofmann und Andreas Balser. (Foto: Ditscher)

Beteiligt waren außerdem der Fachdienst Kinder-Jugendarbeit, Kultur und Sport, die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) und die Kulturscheune Karben (KSK). Darüber hinaus gehörte die Schulsozialarbeit der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) zum Organisatorenkreis.

Ein Schwerpunkt war die Vorführung des Films »Blut muss fließen – Undercover unter Nazis« von Regisseur Peter Ohlendorf und Buchautor Thomas Kuban. Der Film wurde vormittags im Karbener Kino gezeigt und von achten, neunten und zehnten Klassen der KSS besucht. Abends stand er nach einem Vortrag von Andreas Balser von der Antifa-BI im Jugendkulturzentrum auf dem Programm. Zahlreiche Gäste hatten sich dort eingefunden und verfolgten die Dokumentation, die auf einer neunjährigen verdeckten Recherche des Journalisten Kuban basiert. Gabriele Davis erläuterte: »Wir zeigen den Film, weil die Antifa-BI davor warnt, dass Rechtsrock die Einstiegsdroge in die Neonazi-Szene ist. Die Anziehungskraft dieser Ideologie basiert auf der Faszination von Ordnung, Hierarchien und brutaler Musik.«

Hohe Gewaltbereitschaft

Dies spiegelte sich in den Erfahrungen Kubans wieder, der sich undercover im konspirativen Milieu von Rechtsrock-Konzerten umgesehen und in seinem Buch die dort vorherrschende extrem hohe Gewaltbereitschaft und wiederholte Volksverhetzung beschrieben hat. Die Zuschauer erfuhren im Zuge der Vorführung, dass viele Nazi-Konzerte vom verbotenen rechtsextremen Netzwerk »Blood and Honour, Division 28«, aber auch von der NPD und deren Jugendorganisation »Junge Nationaldemokraten« organisiert werden. Sie erlebten auch, dass das Publikum die Texte der hauptsächlich zu Gewalt aufrufenden Lieder skandiert und durch das Zeigen des verbotenen Hitlergrußes seine Unterstützung ausdrückt. Kritik an den selten einschreitenden Sicherheitsbehörden wurde in dem Film ebenso deutlich wie der Respekt vor Bürgerinitiativen, die sich erfolgreich wehrten.

In der anschließenden, von WZ-Mitarbeiter Andreas Hofmann moderierten Podiumsdiskussion verdeutlichten der Vorsitzende der Antifa-BI Andreas Balser und der neonazistische Aktivitäten dokumentierende Pastoralreferent Joachim Schäfer, dass der Film die Bedrohung durch die rechte Szene realistisch wiedergebe. Die Diskussionsteilnehmer stellten heraus, dass sich Neonazis aktueller Anlässe bedienen, um mit populistischen Parolen Anhänger zu gewinnen. Balser betonte: »Menschenverachtung wird als Politik verkauft.« Er zeigte auf, dass seit 1990 mehr als 150 Menschen in der Bundesrepublik von Rechtsextremen umgebracht wurden. »Die Dunkelziffer ist hoch.«

Schäfer, der die Gesellschaft in Gefahr sah, forderte: »Politiker sollten sich klar distanzieren, auch von Rechten, die aus der Mitte kommen.« Balser befand, dass auf politischer Ebene zwar viel über das Thema geredet, aber zu wenig getan werde. »Wenn sich etwas ändern soll, müssen wir das tun. Ich baue darauf, dass sich viele Menschen an vielen Orten gegen Neonazis einsetzen. Das Schaffen einer Jugendkultur gegen Rechts ist ein erfolgreicher Weg«, sagte er unter Beifall der Anwesenden. Die ernste Thematik mündete in ein Konzert der Band »elfmorgen«, die Stellung gegen Rechtsradikalismus bezog.

»Wachrüttlungseffekt«

Stadtrat Philipp von Leonhardi zeigte sich erfreut über die hohe Resonanz der Veranstaltung und sprach von einer guten Präventionsarbeit. »In Karben sind keine rechtsextremen Strukturen erkennbar. Unser Ziel ist es, dass es so bleibt.« Die Schulsprecherin der KSS, Maja Neidhart, bescheinigte dem Aktionstag einen »Wachrüttlungseffekt«. »Es ist wichtig, die Stimme zu erheben, wenn etwas nicht richtig läuft.« Sie informierte, dass die KSS vor wenigen Tagen die Anerkennung »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« erhalten habe. Für die Anerkennung, die Aufforderungscharakter habe, hätten 70 Prozent der Schüler, Lehrer und Bediensteten Unterschriften geleistet. »Es ist der Startschuss für eine große Entwicklung.«

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