Kulturpreis der Stadt für Stolpersteine-Initiative

Karben (pe). Die Initiative »Stolpersteine in Karben« hat den diesjährigen Kulturehrenpreis der Stadt erhalten. Der Magistrat folgte bei seiner Entscheidung einer Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Kultur (Arge). Am Montagnachmittag überreichte Bürgermeister Roland Schulz den beiden Aktiven der Initiative, Irma Mattner und Hartmut Polzer, die entsprechende Urkunde im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Sitzungszimmer des Rathauses. Die beiden hätten sich »in herausragender Art und Weise ehrenamtlich engagiert in einem Bereich, der mit höchster Sensibilität und größter Sorgfalt bearbeitet werden muss«, so Schulz in seiner Begründung.
03. August 2009, 19:50 Uhr
Irma Mattner und Hartmut Polzer nehmen den Kulturehrenpreis der Stadt aus den Händen von Bürgermeister Roland Schulz (r.) entgegen. (Foto: Pegelow)

Karben (pe). Die Initiative »Stolpersteine in Karben« hat den diesjährigen Kulturehrenpreis der Stadt erhalten. Der Magistrat folgte bei seiner Entscheidung einer Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Kultur (Arge). Am Montagnachmittag überreichte Bürgermeister Roland Schulz den beiden Aktiven der Initiative, Irma Mattner und Hartmut Polzer, die entsprechende Urkunde im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Sitzungszimmer des Rathauses. Die beiden hätten sich »in herausragender Art und Weise ehrenamtlich engagiert in einem Bereich, der mit höchster Sensibilität und größter Sorgfalt bearbeitet werden muss«, so Schulz in seiner Begründung.

»Ich kann nur sagen, dass die Stadt diesen Vorschlag der Arge Kultur in höchstem Maße begrüßt«, so das Stadtoberhaupt. Die Gründungsversammlung der Initiative fand am 15. Februar 2007 statt: Seinerzeit hatten sich rund 30 Vertreter des öffentlichen Lebens der Stadt eingefunden, unter ihnen Vertreter verschiedenartiger Vereine und Organisationen, der Kirchen, der Politik und interessierte Bürger. Mattner und Polzer hatten seinerzeit das Projekt zum Gedenken und zur Erinnerung an die in Karben ehemals lebenden jüdischen Bürgerinnen und Bürger vorgestellt und breite Zustimmung erfahren. »Auch die sonst ganz und gar nicht immer einige Politik unterstützte dieses Projekt gleich parteiübergreifend, indem die Stadtverordnetenversammlung am 16. März 2007 einstimmig den erforderlichen Grundsatzbeschluss fasste, die Verlegung von Stolpersteinen zu unterstützen.«

Auf der Grundlage der Arbeiten von Helmut Weigand und Helmut Heide recherchierten Polzer und Mattner dann zunächst die Schicksale der aus Groß-Karben vertriebenen und ermordeten Juden. Diese Recherchen führten die beiden ins Hessische Staatsarchiv, aber sie mussten auch Kontakte nach Jad Vashem und zum Internationalen Suchdienst herstellen. Außerdem organisierten sie einige Veranstaltungen zur Problematik der Juden-Vertreibung und -Vernichtung.

Der Bürgermeister erinnerte in der Feierstunde auch daran, wie aufwendig sich die Vorbereitungen der eigentlichen Stolpersteinverlegung gestaltet hätten. Aber auch hier hätten sich die beiden in vorbildlicher Weise etwa um die Kontakte zum Künstler Gunter Demnig, den Schulen, den Kirchengemeinden und dem Rabbiner Andrew Staymann und nicht zuletzt den Hauseigentümern gekümmert, vor deren Häusern die Gedenksteine gesetzt wurden. »Irma Mattner und Hartmut Polzer haben sich dafür eingesetzt, dass die Stolpersteinverlegungen sowohl in erster Linie würdevolle, aber für alle Beteiligten gleichermaßen informative Ehrungen waren«, betonte der Bürgermeister. Diese Steine seien nicht nur als Erinnerung, sondern auch als Mahnmale für die Zukunft zu verstehen. Mit ihrer Initiative sei es Irma Mattner und Hartmut Polzer gelungen, bei den Jugendlichen das Interessen an diesem »schweren Thema« geweckt zu haben.

Die Glückwünsche und Grüße der Stadtverordnetenversammlung überbrachte Stadtverordnetenvorsteherin Ingrid Lenz. Sie erinnerte angesichts der deutschen Vergangenheit daran, »wie gut es uns heute in der Demokratie geht«. Sie hoffe, dass sich diese »unselige Geschichte« nicht wiederhole.

Wenn, wie jüngst in Friedberg geschehen, die rechte Szene wieder erstarke, müssten die Demokraten ihr entgegentreten. »Machen Sie weiter, Sie haben die Unterstützung aller«, sagte Lenz an Mattner und Polzer gewandt. Polzer ging in seiner Rede auf die Nazi-Demonstration in Friedberg ein. Die Rechten hätten ausgerechnet dort demonstrieren wollen, wo am 17. September 1942 die Juden aus der Wetterau zusammengetrieben, nach Darmstadt gebracht und später in die KZs nach Theresienstadt und Treblinka transportiert worden seien. Neun Juden aus Karben seien dabei gewesen, darunter Frau Weinberg aus Rendel und die Familie Hirsch aus Groß-Karben. »Es ist sehr bedenklich, wenn einige Jahrzehnte später wieder Rechte an dieser Stelle demonstrieren.«

Polzer berichtete in der Feierstunde auch über die Recherchen der Initiative. Die Stolpersteine würden als Gedenksteine nicht nur für verfolgte Juden verlegt, sondern auch für Homosexuelle, Kommunisten, Sozialisten sowie Sinti und Roma. »Die Opfer des Nationalsozialismus in Karben waren jüdisch«, so Polzer, der ankündigte, es werde 2010 weitere Stolpersteinverlegungen geben, für die man noch Patenschaften suche. Sein Lob ging auch an die Stadt, die das Projekt ebenso unterstütze wie die Kirchengemeinden und auch der Imam der Moschee.

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