Ex-Projektwerkstatt: Empörung über AfD-Vorwürfe

08. April 2016, 19:23 Uhr
Farbschmierereien und eingeschlagene Fensterscheiben an der ehemaligen Projektwerkstatt in der Bahnhofstraße.

Häufiger schon hatte der Laden in der Bahnhofstraße 11 im alten Ortskern von Groß-Karben für Schlagzeilen gesorgt. Dies lag daran, dass er Andreas
Lichert gehört, der in seiner umstrittenen »Projektwerkstatt« im Mai 2013 ein Treffen der »Identitären Bewegung« organisiert hatte, die vom Verfassungsschutz überwiegend als rechtsextrem eingestuft wird.

Doch der Laden wird schon lange Zeit nicht mehr genutzt, und so war es ruhig geworden um ihn. Bis zum vergangenen Donnerstag, als sogenannte »Autonome Antifas« Licherts Projektwerkstatt nach eigenen Angaben »angriffen« und erheblichen Sachschaden anrichteten. Sie schlugen alle Scheiben ein und verteilten Farbe im Innenraum sowie auf der Fassade, bekannte sich die Gruppe.

Die WZ berichtete in einer kleinen Meldung darüber. Das Bündnis offenes Karben und die Antifaschistische Bildungsinitiative Friedberg hatten den Anschlag gegenüber einer anderen Zeitung kritisiert. Aus der Politik kam dazu jedoch keine Reaktion – bis jetzt, denn der Vorstand der AfD Wetterau schrieb einen offenen Brief an die Karbener Parteien. Darin wird kritisiert, dass Parteien, Kirchen und Vereine nicht reagiert hätten. »Stellen Sie sich die Frage, ob Sie genauso wenig reagiert hätten, wenn eine Flüchtlingseinrichtung oder ein Büro Ihrer Partei oder Ihres Vereins auf identische Art und Weise angegriffen worden wäre. Wir alle kennen die Antwort. Aber Sie müssen erklären, warum Sie mit zweierlei Maß messen, warum Ihnen manche Bürger und ihr Besitz offensichtlich egal sind, während Sie in anderen Fällen Gewalt verurteilen«, heißt es dort. Als Unterzeichner stehen dort Klaus Herrmann, Michael Kuger und Gerry Kreutzer. Dem Vorstand gehört jedoch auch derjenige an, dem der Laden gehört: Andreas
Lichert.

Gestern hat darauf CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender Mario Beck reagiert. Der offene Brief entspreche nicht den Tatsachen. Vertreter des Bündnisses offenes Karben hätten sich sehr wohl eindeutig zu der Sachbeschädigung an dem Ladenlokal geäußert. Die CDU lehne seit jeher jede Art von politisch oder anderweitig motivierter Gewalt gegen Sachen und Personen ab. »Hier brauchen wir keine Belehrungen einer Partei, deren führende Protagonisten den Schießbefehl auf Unbewaffnete propagieren. « Beck durchschaut die Taktik der AfD, wenn er schreibt: »Offenbar wollen Sie die Straftat in Groß-Karben nutzen, um politisch daraus Kapital zu schlagen und schrecken dabei auch nicht vor Falschbehauptungen zurück. Das spricht für sich.« Er sehe wenig Sinn darin, derartige Taten »über Gebühr zu kommentieren und den Tätern damit zu der von ihnen gewünschten Publizität zu verhelfen«, so Beck abschließend.

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