Fachmärkte-Debatte

Tegut und Küchenstudio auf dem Stoll-Gelände: Nur noch eine Hürde muss überwunden werden

In der scheinbar endlosen Beratungsschleife zur Bebauung des Stoll-Geländes in Bad Nauheim wurde die vorletzte Runde gedreht. Stimmt noch das Parlament zu, kann der Investor 2018 loslegen.
07. Dezember 2017, 08:00 Uhr
Am geplanten Aussehen des großen Gebäudes auf dem Stoll-Gelände hat sich nichts geändert, auch wenn der Elektronik- durch einen Küchenmarkt ersetzt wird. (Computeranimation: Werner-Projekt)

Was von dem abgespeckten Fachmarktkonzept für das Stoll-Gelände zu halten ist, wurde im Verlauf der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend schnell deutlich. Es ist »kein großer Wurf« (Bürgermeister Klaus Kreß), »nicht einmal ein Würfchen« (UWG-Vertreter Bernd Witzel). Hinter der etliche Male veränderten Planung steht niemand so richtig, trotzdem wurde sie vom Ausschuss mit sechs Stimmen aus CDU, UWG und Grünen gebilligt, SPD und FDP votierten mit Nein, Witzel enthielt sich.

In der Debatte ging es auch um die Frage, wann die Politik das Fachmarkt-Projekt hätte stoppen sollen. Das Grundstück hätte vor Jahrzehnten gar nicht für einen überhöhten Preis gekauft werden dürfen, meinte Dr. Mathias Müller (Grüne). Nach dem knapp gescheiterten Bürgerentscheid wäre der richtige Moment gewesen, den Prozess anzuhalten, sagte Müllers Parteifreund Dr. Martin Düvel. UWG-Fraktionschef Markus Philipp betonte, 2016 sei die letzte Chance verpasst worden: »Im letzten Jahr haben wir die Frist  für den Baubeginn verlängert. Das war ein Fehler. Ein einfacher Cut war möglich.«

Bereits vier Mal zugestimmt

Doch letztlich hat der Ausschuss stets für die Fortsetzung des Planungsprozesses gestimmt. Genau vier Mal, merkte Fachbereichsleiter Jürgen Patscha an. Die Verwaltung habe viel Arbeit in das Projekt gesteckt, der Investor eine Menge Geld bereitgestellt. »Im Frühjahr soll der Bauantrag gestellt werden«, sagte Patscha. Ebenso wie Kreß warnte er vor einer Wende im letzten Moment. Der Stadt fehlten dann 2,3 Millionen Euro im Etat, sie müsste Altlastenentsorgung und Erschließung selbst finanzieren, was bis zu 2 Millionen Euro verschlinge.

Zudem gerate die Ansiedlung der Salus-Klinik auf dem Nachbargrundstück in Gefahr. Deren Leitung mache ihre Entscheidung auch davon abhängig, was auf dem Stoll-Areal passiere, erklärte Kreß. Mit Märkten könne Salus leben, doch wie sehe es bei einer anderen Bebauung aus? Vor allem dieses Argument schien den Ausschuss zu beeindrucken.

Möbs: "Küchenmarkt braucht kein Mensch"

Selbst die FDP, die mit Nein stimmte, sah den richtigen Zeitpunkt als verpasst an. »Warum hat niemand rechtzeitig die Reißleine gezogen? Jetzt ist es eigentlich zu spät, doch vielleicht sollten wir noch mal umdenken«, sagte Fraktionschef Benjamin Pizarro. Gewerbefläche werde dringend benötigt.

Diesem Vorschlag folgte die Mehrheit nicht. Wie Manfred Jordis (CDU) sagte, müsse die Politik ihre Entscheidung jetzt durchziehen, »auch wenn es nicht das beste Ergebnis ist«. Dieser Aussage schloss sich Fraktionskollege Albert Möbs an. »Den Küchenmarkt braucht kein Mensch, aber Tegut ist für Bad Nauheim Süd wichtig«, meinte er.

Kern-Existenz gefährdet?

Der Schwenk der Werner-Gruppe vom Elektronik- zum Küchenmarkt hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst, die sich den Stellungnahmen zum B-Plan entnehmen lassen. Während die Stadt Friedberg, die wegen des einst vorgesehenen Media-Markts klagen wollte, und der Planungsverband plötzlich nichts mehr einzuwenden haben, gibt es vom Küchenstudio Kern am Taubenbaum herbe Kritik.

Angesichts eines Umsatzziels des Küchenmarkts von 5 Millionen Euro pro Jahr bangt der Familienbetrieb um seine Zukunft. »Wir erwarten eine erhebliche Auswirkung auf unser Unternehmen, befürchten, in den ersten Monaten nach Eröffnung des geplantes Marktes extrem in Schieflage zu geraten und das Geschäft schließen zu müssen«, schreibt Kern.

Parlament hat das letzte Wort

Wie Bürgermeister Kreß dazu anmerkte, sei das Angebot auf dem Stoll-Gelände innenstadtverträglich. Das Küchenstudio gehöre aber nicht zur City. Zudem, so Fachbereichsleiter Patscha, fehle in der Region ein solcher Händler: »Kommt er nicht zu uns, würde er sich in Friedberg oder Butzbach ansiedeln. Für Kern würde derselbe Konkurrenzdruck herrschen.« Bei seiner ablehnenden Haltung bezüglich der Fachmärkte bleibt das Kaufhaus Weyrauch. Dort wird mit einem Umsatzverlust von 18 bis 24 Prozent in bestimmten Abteilungen gerechnet.

Am 14. Dezember soll das Parlament den Satzungsbeschluss fassen. Vermutlich wird es für eine Mehrheit reichen, obwohl es in der CDU wohl auch Gegenstimmen geben wird. Andererseits wird die FDP nicht geschlossen gegen das Projekt votieren.

 

Infokasten

Tegut und Küchenmarkt

Seit 2010 wird über ein Fachmarktzentrum auf dem gut 2,3 Hektar großen Stoll-Gelände diskutiert. Damals waren Elektronik-, Lebensmittel- und Sportartikelmarkt vorgesehen, zudem eine Mc Donald’s-Filiale. Seitem hat es etliche Änderungen gegeben. Nun will die Werner-Gruppe einen Tegut-Markt mit 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche, einen Küchenmarkt (2000 m2), Fitness-Studio, Café, Büroraum und 155 Stellplätze errichten. Der Investor zahlt fürs Grundstück 2,3 Millionen Euro, finanziert aber auch Altlastenentsorgung und Erschließung des Areals, unter andrem einen Kreisel in der Schwalheimer Straße. (bk)

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