Unfallfllucht

Schweigen nach Unfallflucht auf B 457

Wegen eines tödlichen Unfalls mit Fahrerflucht muss sich ein 25-Jähriger aus Nidda vor dem Gießener Landgericht verantworten. Sein Verhalten sorgt für Empörung.
06. Dezember 2017, 05:00 Uhr
Auf Anraten seines Verteidigers Ingo Thiele schweigt der Angeklagte beim Prozessauftakt zu den Vorwürfen. (Foto: sha)

Die Seniorin hatte keine Chance. Als ein Kleinwagen die am Fahrbahnrand gehende Frau in der Nacht zum 16. Juli 2015 auf der B 457 nahe Büdingen erfasste und auf ein Maisfeld schleuderte, erlitt die 71-Jährige schwerste Verletzungen.

Es sei »zweifelhaft«, ob ein Notarzt das Opfer hätte retten können, sagte eine Rechtsmedizinerin am Dienstag vor der Schwurgerichtskammer des Gießener Landgerichts. Allein die Kopfverletzungen seien sehr schwer gewesen.

Dazu kamen noch etliche Knochenbrüche, »so dass man von schweren inneren Verletzungen ausgehen muss«. Die Rentnerin war vermutlich schon nach wenigen Minuten tot. »So schnell ist kein Notarzt vor Ort.«

Allerdings hatte auch nach Stunden noch kein Mediziner nach der Ortenbergerin gesehen. Erst einen knappen Monat später, am 12. August, war einem Erntehelfer die schon halb skelettierte und teils mumifizierte Leiche aufgefallen. Denn der Unfallverursacher war einfach mit seinem stark beschädigten Pkw weitergefahren.

 

Verwandte lehnen Entschuldigung ab

 

Ob der Angeklagte es mit Erleichterung aufgenommen hatte, dass die Wetterauerin wohl nicht tagelang hilflos und unter furchtbaren Schmerzen im Feld gelegen hatte, ließ sich nicht erkennen. Der 25-Jährige zeigte keinerlei Emotionen.

Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung und Unfallflucht verantworten. Noch dazu war er in jener Sommernacht ohne Führerschein unterwegs. Den hatte er wegen einer Trunkenheitsfahrt zuvor bereits abgeben müssen.

Mit fest aufeinander gepressten Lippen saß der Niddaer da und blickte meist vor sich auf die Tischplatte. Ein Verhalten, dass vor allem Angehörige der Verstorbenen im Publikum aufregte. Auch dass der Arbeitslose auf Anraten seines Verteidigers zu den Vorwürfen schwieg, stieß auf wenig Verständnis.

Sein Mandant sei gefahren, aber von einem Wildunfall ausgegangen, sagte Ingo Thiele. Eine während einer Verhandlungspause unter Vermittlung des Rechtsanwalts vorgetragene Entschuldigung des mutmaßlichen Täters lehnten die Angehörigen auf dem Gerichtsflur ab.

Auch Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze zeigte sich »verwundert«, dass der Angeklagte sich vor Gericht nicht äußerte. Bei der Polizei und bei einer ersten Verhandlung vor dem Büdinger Amtsgericht hatte er dies noch getan.

Allerdings hatten die Büdinger Richter den Fall an die Gießener Schwurgerichtskammer abgegeben, weil es auch Anhaltspunkte dafür gebe, bei der Tat könne es sich um einen Mord durch Unterlassen handeln, erläuterte Enders-Kunze.

Da der Beschuldigte schwieg, war sein damaliger Mitfahrer als Zeuge geladen. Der will jedoch nichts gehört oder gesehen haben. »Wollen Sie uns hier alle auf den Arm nehmen?«, entfuhr es der Vorsitzenden.

Schließlich räumte der 33-Jährige ein, immerhin einen Knall gehört zu haben. Als er ergänzte, schon zuvor Angst gehabt zu haben, weil der Angeklagte schnell und in Schlangenlinien gefahren sei, ging ein Raunen durch das Publikum. »Jetzt haben sie ihn.«

Trümmer des kaputten Autos an der Unfallstelle brachten die Beamten auf die Spur des Niddaers. Die Seniorin war nachts unterwegs gewesen, weil sie kurz zuvor erfahren hatte, dass ihre Tochter sich in einer benachbarten Ortschaft das Leben genommen hatte, sagte ein Polizist. Am nächsten Tag wurde die Rentnerin als vermisst gemeldet. Der Prozess wird fortgesetzt.

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