Jungunternehmer

Er ist der Cafeteria-König der Wetterau

Tim Schäfer aus Altenstadt betreibt vier Cafeterien. Damit hat der 24-Jährige nicht nur die Verantwortung für gutes Essen, sondern auch für mehr als 15 Mitarbeiter. Ein Besuch beim Selfmademan.
05. Dezember 2017, 17:00 Uhr
Der Altenstädter Jungunternehmer Tim Schäfer ist in seinem Element. Der 24-Jährige sagt über sich: »Ich muss lernen, Arbeit zu delegieren, aber am liebsten bin ich an der Front, wo ich weiß, was abgeht.« (Fotos: phk)

Große Pause an der Ortenberger Gesamtschule Konradsdorf: Hungrig strömen die Schüler in den Cafeteria-Bau. Sie wollen belegte Brötchen, Croissants, einen warmen Kakao oder ein Wasser – hinter der Theke steht ein junger Mann. Er bedient, kassiert, delegiert, sortiert – Tim Schäfer ist in seinem Element. Der 24-Jährige aus Altenstadt betreibt die Cafeteria seit August. Die Besonderheit: Es ist seine vierte.

 

Start als Tennislehrer

Bereits in seiner Schulzeit hatte er sich als Tennislehrer und später als Mitinhaber eines Frühstücksservice in Frankfurt selbstständig gemacht. »Ich weiß noch, dass ich mit 17 gemeinsam mit meinem Kumpel und Partner mit einer großen Kiste auf der Hanauer Landstraße herumgelaufen bin und in den Firmen kostenlos Frühstück verteilt habe. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir 15 bis 20 Unternehmen pro Tag zu beliefern«, erinnert sich Schäfer.

 

Erster Kiosk in Büdingen

Über ein paar Ecken habe er kurz darauf davon erfahren, dass der Kiosk an der Beruflichen Schule in Büdingen von einem auf den anderen Tag keinen Pächter mehr hatte. Er bewarb sich – und bekam den Pachtvertrag vom Wetteraukreis. »Dann hat die Sache relativ schnell ihren Lauf genommen«, sagt Schäfer. Auf Büdingen folgte die Limesschule in Altenstadt, das Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen, an dem Schäfer selbst Abitur gemacht hat, und die Gesamtschule Konradsdorf in Ortenberg. Den Frühstücksservice hat er inzwischen verkauft – zu groß war die Entfernung zwischen den Wetterauer Standorten und Frankfurt.

 

Den Rat der Freund ignoriert

Für seinen Traum als Unternehmer hat er sogar einen sicheren Job ausgeschlagen. »Nach meinem dualen Studium wurde mir genau der Job angeboten, den ich immer wollte. Die Bedingung war aber, dass ich meine Nebentätigkeiten aufgebe. Ich habe sehr geschwankt, am Ende war die Motivation, etwas Eigenes aufzuziehen, aber größer«, sagt Schäfer. Mit dieser Entscheidung ignorierte er den Rat eines Großteils von Freunden und Familie. »Mittlerweile finden es aber alle cool«, sagt er und lacht.

Manchmal habe ich so viele Anrufe, E-Mails, SMS und Notizen, dass ich mein Handy um 10 Uhr zum ersten Mal aufladen muss

Tim Schäfer

 

Von 5.20 Uhr morgens bis abends 22 Uhr

Zum Lachen ist sein Job allerdings nicht: Es gibt Tage, da steht er um 5.30 Uhr morgens auf und ist erst nach 22 Uhr zu Hause, außerdem hat er die Verantwortung für die mehr als 15 Mitarbeiter. »Es ist brutal, was für einen Rattenschwanz alles nach sich zieht, aber da hängen letztlich Existenzen dran«, sagt er. Sein Team besteht teilweise aus übernommenen Mitarbeitern, aber auch aus neu eingestellten. »Es ist wichtig, gutes Personal zu finden, da habe ich mit der Zeit ein gutes Gespür entwickelt. Aber egal, wo ich angefangen habe, die Leute waren wegen meines Alters immer skeptisch. Wenn man aber fleißig ist und einen klaren Plan hat, kommt der Respekt irgendwann.«

 

Wie den Überblick behalten?

Und wie ist er als Chef so? »Zu 98 Prozent bin ich super entspannt, aber wenn es hart auf hart kommt, kann ich sehr bestimmend werden«, sagt Schäfer. Verständlich, denn mit einem Sortiment von rund 100 Produkten für die bis zu 4500 potenziellen Kunden hat Schäfer auch in Sachen Logistik und Buchhaltung einiges zu tun. »Mittlerweile muss ich etwas von der Arbeit abgeben, weil ich nicht mehr alles im Kopf haben kann«, sagt er, »auch wenn ich lieber die Fehler mache als andere«. Ebenfalls aus diesem Grund nicht wegzudenken: das Handy. »Manchmal habe ich so viele Anrufe, E-Mails, SMS und Notizen, dass ich es um 10 Uhr bereits zum ersten Mal aufladen muss«, sagt Schäfer. Er muss den Überblick behalten, denn es gilt jedes Jahr dreieinhalb Monate Ferien zu überstehen, ohne Umsatz machen zu können. »Es gibt Monate, in denen es eng wird. Bei mir ist also auch längst nicht alles immer genial, aber ich kann gut mit Zahlen umgehen und sehe relativ schnell, wo der Fehler liegt.«

 

Geschäft nur langsam erweitern

Das ist einer der Gründe, warum er sein Geschäft – wenn überhaupt – nur langsam erweitern möchte. Sein Anspruch sei nicht nur Qualität und Zuverlässigkeit zu bieten, sondern auch, jeden Tag in jedem seiner Standorte einmal gewesen zu sein. Sein Motto: »Wenn ich etwas mache, mache ich es zu 100 Prozent. Und wenn mich jemand fragt, was ich mache, dann sage ich, ich bin Brötchenverkäufer.«

Tim Schäfer

Ein Leben im Zeitraffer

Tim Schäfer lebt für seinen Job – das sagt er, und das will er. Geboren und aufgewachsen in Altenstadt, betreibt der heute 24-Jährige lange Tennis am Rande des Profibereichs, gibt heute noch Stunden für Jugendliche und Erwachsene. Während der Oberstufe am Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen macht er sich gemeinsam mit einem Freund mit einem Frühstücksservice in der Hanauer Landstraße in Frankfurt selbstständig. Er absolviert ein duales Studium im Fach BWL mit Schwerpunkt Logistikmanagement bei der Firma Ille in Altenstadt. Während dieser Zeit fängt er an, Cafeterien zu betreiben. Auf den Bachelorabschluss folgt die Selbstständigkeit, seit August betreibt er vier Cafeterien in Büdingen, Altenstadt und Ortenberg. Schäfers Fazit: »Das wäre sicher nicht für jeden etwas, aber zu mir passt es.« (phk)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Altenstadt
  • Essen
  • Gesamtschulen
  • Unternehmer
  • Altenstadt
  • Philipp Keßler
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.