In Bad Nauheim

Neurechte Netzwerke im Visier: Antifa-BI über Kontakte des AfD-Funktionärs Andreas Lichert

Ist die Kurstadt eine »zentrale Schnittstelle der extremen Rechten in Deutschland«? Die Antifa-BI behauptet das in einer Pressemitteilung und hat dabei den Wetterauer AfD-Funktionär und Kreisbeigeordneten Andreas Lichert im Visier.
03. Dezember 2017, 20:23 Uhr
Auf ihrer Facebook-Seite hatte die »Identitäre Bewegung Hessen« Bilder der Schmierereien im Sprudelhof veröffentlicht. (Screenshot)

In einer Dokumentation auf ihrer Internetseite hat die Antifa-BI die Verbindungen Licherts zu rechten Netzwerken dargestellt. Den ficht das freilich wenig an. »Wenn man einen ›extrem Linken‹ nach aus seiner Sicht ›extrem Rechten‹ fragt, kann nichts Sinnvolles herauskommen«, kommentiert Lichert die Angriffe.

Ist die Kurstadt eine »zentrale Schnittstelle der extremen Rechten in Deutschland«? Die Antifa-BI behauptet das in einer Pressemitteilung und hat dabei den Wetterauer AfD-Funktionär und Kreisbeigeordneten Andreas Lichert im Visier. In einer Dokumentation auf ihrer Internetseite hat die Antifa-BI die Verbindungen Licherts zu rechten Netzwerken dargestellt. Den ficht das freilich wenig an. »Wenn man einen ›extrem Linken‹ nach aus seiner Sicht ›extrem Rechten‹ fragt, kann nichts Sinnvolles herauskommen«, kommentiert Lichert die Angriffe.

Die Identitäre Bewegung ist eine noch relativ junge Spielart des Rechtsextremismus. Nach Angaben der Antifa-BI gab es in Bad Nauheim mehrfach Aktionen der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe. Im Sprudelhof seien Parolen gesprüht worden, am Bahnhof habe es eine Banner-Aktion gegeben, in anderen Orten der Wetterau seien Plakate aufgehängt worden. »Wie sind diese in die Wetterau gekommen?«, fragte sich die Antifa-BI und stieß bei Recherchen auf Lichert und dessen Verbindungen zur neurechten Szene.

 

Angriff auf Polizisten

 

Lichert ist für die Titurel-Stiftung aktiv, die verantwortlich für die Homepage des »Instituts für Staatspolitik« ist und ebenso wie Licherts Kommunikationsfirma ihren Sitz in Bad Nauheim hat. Auf der Homepage der Kommunikationsfirma ist auch eine Adresse in Halle angegeben, die Adam-Kuckoff-Straße 16. Dieses rechte Wohn- und Büro-Projekt sorgt seit einiger Zeit für Schlagzeilen. Zuletzt wurden aus dem Haus heraus zwei Polizisten mit Baseballschlägern und Pfefferspray angegriffen.

Lichert ist Beisitzer im Vorstand der AfD Wetterau und der AfD Hessen. Dass er, wie die Antifa-Bi schreibt, neben seinen unternehmerischen Verbindungen in die neurechte Szene auch persönliche Kontakte zur Identitären Bewegung hat, leugnet er nicht. Diese gingen bis ins Jahr 2013 zurück, als er in Karben eine »Projektwerkstatt« betrieb und die Identitäre Bewegung noch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, wie er betont. »Seitdem kommt es immer wieder zu Kontakten, beispielsweise auf Veranstaltungen oder Vorträgen, da die IB aufgrund ihrer kreativen und publikumswirksamen Aktionen zu einem immer wichtigeren Teil des non-konformistischen Milieus wird.«

 

Lichert sieht sich nicht als Extremist

 

Ihm dürfte die Publicity durch die Antifa-BI nur recht sein, auch wenn er anmerkt, das Lesen von Impressen möge »eine Fleißarbeit sein, aber keine investigative Großtat«. Als Extremist sieht er sich ohnehin nicht. Lichert verweist auf die Kriterien für Rechtsextremismus, wie sie die Bundeszentrale für politische Bildung publiziert. Anhand dessen sei »völlig klar, dass man weder mir persönlich noch anderen Personen oder Institutionen aus dem Umfeld des Instituts für Staatspolitik (IfS) und schon gar nicht der AfD ernsthaft den Vorwurf des Rechtsextremismus machen kann.«

Glaubt man Lichert, dann ist das Vorgehen der Antifa-BI Teil einer »Diffamierungstaktik« von Medien und Politik, die so hervorragend funktioniere, »dass selbst hochrangige Funktionsträger innerhalb der AfD der Versuchung erlagen, wie Bernd Lucke und Frauke Petry«. Den Unvereinbarkeitsbeschluss des AfD-Bundesvorstands bezüglich der Identitären Bewegung hält er denn auch nicht für richtig, da »weder Ziele noch Mittel der IB gegen unser Grundgesetz« gerichtet und der Extremismus-Vorwurf daher falsch seien.

 

Zur Vertraulichkeit verpflichtet

 

Die Antifa-BI befürchtet, Lichert komme als ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter an sensible Daten heran. Das trifft zu. »Aber da geht es um Personal-, Verwaltungs-, Vertrags- und Haushaltsfragen und nicht um die ›große Politik‹«, sagt Lichert. »Ich bin zur Vertraulichkeit verpflichtet und halte mich natürlich auch daran.«

Lichert und die Identitäre Bewegung dürften die Dokumentation der Antifa-BI folglich eher als Werbung für ihre Ideen ansehen. So propagieren die Identitären etwa eine »Reinhaltung« der Gesellschaft von äußeren Einflüssen, einen »Ethnopluralismus«, der starke Anklänge an die rassistischen Vorstellungen der Nationalsozialisten hat. »Die Neue Rechte unterscheidet sich vom alten Nazi-Klischee«, schreibt Antifa-BI-Sprecher Andreas Balser. »Statt Springerstiefel und Bomberjacke tragen ihre Vertreter Anzüge, geben sich bieder und bürgerlich. Aus diesem Grund sind eine kritische Öffentlichkeit sowie breite demokratische Bündnisse und Proteste umso wichtiger.«

 

X Die Dokumentation der Antifa-BI findet sich im Internet unter der Adresse antifabi.eu.

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