Zu wenig Gäste

Zwangspause im Bad Nauheimer Teichhaus

Seit der Wiedereröffnung im Mai 2014 hat es im traditionsreichen Bad Nauheimer Teichhaus-Restaurant ständig Probleme gegeben. Jetzt wird eine mehrmonatige Zwangspause eingelegt.
11. November 2017, 08:04 Uhr

Von Bernd Klühs , 3 Kommentare
Willkommen im Teichhaus – damit ist es erst einmal vorbei. Mindestens bis zum Frühjahr bleibt das Restaurant geschlossen. (Fotos: bk/nic)

»Neuer Chef will länger bleiben«: Diese Überschrift trug ein WZ-Artikel vom 1. September dieses Jahres über das Teichhaus. Daraus ist nichts geworden, Betriebsleiter Tim Müller musste nach wenigen Monaten schon wieder gehen. Die Zukunft des traditionsreichen Bad Nauheimer Restaurants ist mehr denn je ungewiss. Jetzt wird es geschlossen – vorübergehend, heißt es.

Christian Wohlgemuth, in Bad Nauheim vor allem bekannt als Bauträger und Immobilienexperte, hat mit dem Teichhaus einfach kein Glück. Vor gut fünf Jahren war er Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudeensembles am Großen Teich geworden, nachdem der Vorbesitzer im Februar 2012 Insolvenz angemeldet hatte. Mit großem Engagement widmete sich Wohlgemuth damals der Sanierung und dem Umbau, steckte Millionen Euro in sein Lieblingsprojekt.

Leute strömten ins Teichhaus

Kurz nach der Eröffnung im Mai 2014 sah alles zunächst nach einem Volltreffer aus. Die Leute strömten nur so ins Teichhaus, sehr bald zeigten sich allerdings die ersten Schwierigkeiten, nicht zuletzt beim Service. Ein knappes Jahr nach dem Start erfolgte die Trennung vom ersten Geschäftsführer. »Ob es voll war oder leer, immer wurde Geld verbrannt«, zog der Eigentümer im Juli 2015 ein Zwischenfazit.

Mit einem neuen Geschäftsführer kam es zu einem Neustart – der nach wenigen Monaten bereits gescheitert war. Die Serviceprobleme blieben, zumal in dem großen Gebäudekomplex samt Biergarten reichlich Personal benötigt wird, das einfach nicht zu finden war. Der ständige Wechsel bei den Öffnungszeiten und den Speiseangeboten kam bei potenziellen Gästen auch nicht gut an.

Profi blieb nicht lange

Wohlgemuth übernahm Anfang 2016 für längere Zeit selbst die Leitung des Hauses, was eigentlich nie vorgesehen war. Er investierte viel Zeit und Herzblut, konnte dem Restaurant aber nicht die notwendigen Impulse geben. In diesem Sommer wurde deshalb erneut ein Profi verpflichtet, um endlich den erhofften Umschwung hin zu mehr Wirtschaftlichkeit zu schaffen.
 

C. Wohlgemuth
C. Wohlgemuth

Der 41-jährige Tim Müller hat den Beruf des Kochs von der Pike auf gelernt und zahlreiche renommierte Hotels gemanagt. Er gab sich durchaus optimistisch, das Restaurant auf Erfolgskurs zu bringen. »Das Teichhaus mit seiner Tradition werde ich nicht so schnell wieder aufgeben«, hatte er im August im Gespräch mit der WZ betont. Das sollte sich als Irrtum erweisen.

Letzter Öffnungstag: 16. November

Kurz nach seinem Auftakt gelang es Müller zwar, alle 20 Voll- und Teilzeitstellen zu besetzen, das reichte aber nicht zur Trendwende. »Wir hatten ein gutes Team, aber es kamen einfach zu wenig Gäste«, sagt Wohlgemuth jetzt. Die Besucher, die erschienen seien, hätten dem Teichhaus ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die Einnahmen hätten aber nicht ausgereicht, um in der Gaststätte am Rand des Kurparks wenigstens eine schwarze Null zu schreiben.

Deshalb hat Wohlgemuth schweren Herzens entschieden, das Teichhaus zunächst einmal zu schließen. Am 16. November wird das Restaurant zum letzten Mal geöffnet sein. Danach werden nur noch einige private Feiern und Veranstaltungen abgewickelt, die nicht mehr umgebucht werden konnten.

Wohlgemuth weiter zuversichtlich

Der Besitzer will sich ganz aus dem gastronomischen Betrieb zurückziehen und einen Pächter suchen. »Es gibt bereits ernsthafte Interessenten, die Erfahrungen mit einem Haus dieser Größenordnung mitbringen. Realistischerweise wird es aber nicht vor März oder April zu einer Wiedereröffnung kommen.« Vorerst geht das Teichhaus in eine Zwangswinterpause.

Der Kiosk soll über den 16. November hinaus geöffnet bleiben, damit Spaziergänger dort wenigstens einen Snack oder etwas zu trinken kaufen können. Ganz in Ruhe möchte Wohlgemuth den richtigen Wirt für das Objekt finden. »Einfach ist es in dieser Branche nicht, aber ich bin zuversichtlich«, sagt er trotz der vielen Rückschläge. Wenn es der neue Partner wünscht, wird der Eigentümer ihm in der Anfangsphase als Berater zur Seite stehen.

Das Teichhaus ist Wohlgemuth ans Herz gewachsen, obwohl es für ihn zum Verlustgeschäft werden dürfte. Bis zum Neubeginn will er das denkmalgeschützte Ensemble auf jeden Fall in gutem Zustand erhalten.

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