Mein Lieblingsplatz

Ruhezone zwischen Lavendel und Dampflok

Im nächsten Teil unserer Serie »Mein Lieblingsplatz« zeigt Hans-Ulrich Halwe seinen schönsten Ort. Dort finden sich ein Lavendel-Labyrinth und ein mit Rosen berankter Pavillon.
12. Oktober 2017, 19:20 Uhr
Hans-Ulrich Halwe an seinem Lieblingsplatz in Steinfurth und seine alte Postkarte aus den 1950er-Jahren aus dem Weserbergland. An beiden Orten verkehrt derselbe Triebwagen. (ach)

E igentlich hätten wir uns sonntags hier treffen müssen, dann wüssten Sie, warum ich auf diesen Platz vor über 20 Jahren aufmerksam wurde«, sagt Hans-Ulrich Halwe. Er erklärt, dass die Museumsbahn dort hinten im Feld jeden ersten und dritten Sonntag von April bis Oktober um 12 und um 15 Uhr fährt. »Hier treffe ich oft auf Fotografen und Filmer, die die Dampf- oder Diesellok mit historischen Wagen im Bild festhalten wollen und komme mit den Leuten ins Gespräch«, sagt der 73-Jährige. Halwe hilft auch manchmal ehrenamtlich bei den Eisenbahnfreunden mit. Denn schon seit Kindertagen gehöre sein Herz der Eisenbahn. Deswegen sei er auch zur Bahn gegangen.

Zu Fuß über die Autobahn

Als Kind sei er von Hamburg nach Bad Eilsen im Kreis Schaumburg zu seinem Großvater geschickt worden. »Dort war damals schon die A 2, aber die Autobahn war so wenig befahren, dass ich sie zu Fuß überqueren konnte«, erinnert sich Halwe. Während der Großvater Heu machte, habe er der Eisenbahn zugeschaut. Dort sei der gleiche Triebwagen verkehrt, wie er ihn heute bei Steinfurth sehe. Es sind also auch Kindheitserinnerungen an das schöne Weserbergland, weswegen der »Flachländer« zu seinem Lieblingsplatz kommt. »Meine Frau und ich wohnen im Tal in der Nähe des Usa-Wellenbades, und es ist nunmal so, dass es diejenigen, die im Tal wohnen, auf die Höhe zieht«, meint Hans-Ulrich Halwe. Zudem fasziniere ihn die Natur, die er von »seiner« Bank aus beobachtet. Da fliegen Bussarde und Habichte, sieht er Störche und morgens auch Schwarzwild, Rehe und Hasen.

Sonntags fahren auf der Verbindungsstraße nach Steinfurth weniger Autos, ist es ruhiger an dem Plätzchen, dann hole ich mir, bevor ich hierher komme, beim Bäcker ein Stückchen und lasse mich hier nieder.

»Sie sehen, die Stadt hat hier zwar eine Mülltonne aufgestellt, aber einige Raucher werfen ihre Zigarettenpackungen trotzdem hier ins Grün«, klagt Halwe, der Vorsitzender des Bad Nauheimer Seniorenbeirates und ehemaliger Stadtverordneter ist. Dann sammelt er akribisch Müll rund um den Rosenpavillon auf und wirft ihn in den Behälter.

 

Einmal zum Sonnenaufgang

 

Bei schönem Wetter komme er mindestens zwei Mal pro Woche her, verknüpft mit einer kleinen Radtour. Von zu Hause habe er je nach Route etwa eine halbe Stunde Anfahrt. »Ich möchte ja keinen Weltrekord aufstellen. Wenn ich was zu sehen kriege, bleibe ich stehen und schaue«, sagt Halwe. Wenn meine Frau Lust und Laune hat, fährt sie mit. Seinen vier Enkeltöchtern hat Halwe seinen Lieblingsplatz auch gezeigt und ist mit ihnen durchs duftende Lavendellabyrinth gestapft. Da müsse man im Sommer aufpassen, weil es dort »summt und brummt« und sich viele Bienen und Hummeln dort tummeln.

Halwe, der für die städtische Tourismus und Stadtmarketing GmbH auch Stadtführungen auf den Spuren von Elvis Presley anbietet, erzählt schließlich darüber, dass es ihn wegen Elvis überhaupt erst in die Bad Nauheimer und Friedberger Gegend verschlagen habe. 1960 sei er nach Frankfurt zur Bahn gegangen. So habe er seine berufliche Leidenschaft mit der musikalischen verbinden können. »Aber ich kam erst am 1. April nach Frankfurt, und da war Elvis schon vier Wochen weg. Dann habe ich meine Liebe hier gefunden.« Beim Rock’n’Roll in der »Oase« in Friedberg, habe er seine Frau kennengelernt.

Ein Vorhaben hat Hans-Ulrich Halwe an seinem Lieblingsplatz allerdings noch nicht umgesetzt: Er möchte gerne im Sommer frühmorgens um 4 Uhr dort sein und dem Sonnenaufgang über dem Hoherodskopf zuschauen. »Das habe ich immer verpasst, weil ich im Bett geblieben bin. Ich muss eben mal den inneren Schweinehund überwinden«, scherzt Halwe, schwingt sich aufs Rad und fährt weiter in Richtung Steinfurth.

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