Hurrikan

Horrorurlaub im Paradies

Ein ganzes Jahr hatten Ulla und Manfred Müller gespart, um sich einen Traumurlaub in einem der für sie schönsten Tauchgebiete der Welt leisten zu können. Doch es kam anders.
12. Oktober 2017, 14:00 Uhr

Eben noch einer der schönsten Flecke der Erde, ist die Insel Sint Maarten nur Stunden später völlig verwüstet. Ulla und Manfred Müller sind dabei, als der Hurrikan Irma eine Schneise der Zerstörung durch die Karibik zieht. Nun sind die Stammheimer wieder zu Hause, wohlbehalten, doch in Gedanken immer noch im einstigen Urlaubsparadies. Sie haben einen Plan gefasst.

Als Ulla und Manfred Müller sich auf den Weg in den Urlaub machten, glaubten sie zu wissen, was sie auf der karibischen Insel Sint Maarten erwarten würden. Schon dreimal hatten sie ihren Urlaub dort verbracht.

Die ersten Tage war noch alles wie erwartet – und schöner. »Wir wurden begrüßt von freundlichen und liebenswerten Menschen, türkisblauem Wasser, strahlendem Sonnenschein und 31 Grad Celsius«, erzählt Ulla Wagner. Das Paar erlebte beeindruckende Tauchgänge, konnte erstmals einen Tigerhai bewundern. Dann kam eine E-Mail des Veranstalters der Segeltour, die sie gebucht hatten. Die Kunden mögen sich melden, es nähere sich ein Hurrikan der Stufe III.

 

Türen aus den Rahmen gerissen

 

Die Stammheimer stornierten die Tour und machten sich gedanklich schon auf die Heimreise. Nur: Außer zwei überteuerten Tickets für die Business-Klasse war nichts mehr zu bekommen. »Es blieb uns nichts anderes übrig: Jetzt mussten wir ein sicheres Hotel finden«, erinnert sich Ulla Müller. Das klappte – zumindest für die nächsten zwei Tage. Als der Hurrikan auf Stufe IV hochgesetzt wurde, war ihnen das ebenerdige Aparthaus am Strand zu heikel. Eine neue Unterkunft fanden sie übers Internet. Bepackt mit Wasser und Lebensmitteln, zogen die Müllers in ein Hotel-Apartment.

»Wir waren zwar irgendwie vorbereitet, aber was dann am Abend losbrach, übertraf alle Vorstellungen«, berichtet Ulla Müller. Das Herannahen des Hurrikans machte sich dadurch bemerkbar, dass sich das Meer zurückzog. Die Wellen schlugen immer kraftvoller und höher. Dann begann der Sturm. Er sollte sich in den nächsten Stunden so sehr steigern, dass Palmen abbrachen, Scheiben barsten, Türen aus den Halterungen gerissen wurden. Dann plötzlich, nach vielen Stunden: gespenstische Ruhe.

»Viele unserer Mitbewohner dachten, es wäre endlich vorbei. Aber es war nur das Auge, das mehr als eine Stunde über uns hinwegzog.« Während man noch die Schäden begutachtete, ging es wieder los. »Schlimmer noch als vor dem Auge, brach der Hurrikan über uns los.« Er erreichte Windgeschwindigkeiten von bis 320 km/h. »Unvorstellbar! Auch durch Videos und Bilder kann das Erlebte nicht so vermittelt werden, dass ein Unbeteiligter es auch nur annähernd erfassen könnte«, erzählt Ulla Müller. Irgendwann in der Nacht fiel auch noch der Strom aus. »Nach weit über zwölf Stunden hatte Irma ein Einsehen und zog endlich weiter.«

 

Tagelang kein Kontakt zur Familie

 

Der Anblick, der sich den Müllers draußen bot, trieb ihnen die Tränen in die Augen. Die Strände lagen voller Blechteile, Baumaterialien und Baumteile. Ab und an wurde ein Boot an Land geworfen. Autos lagen auf dem Dach oder im Meer. »Es gab kein Haus, das ohne Schäden davongekommen war.«

Dafür hatten die Menschen im Hotel Glück gehabt: Außer einem Gast mit einem blauen Auge waren alle unverletzt geblieben. Zusammen mit dem Personal packten die Urlauber an, entmüllten die Flure, putzten das Meerwasser aus den Apartments. »Es gab tagelang weder Strom noch fließendes Wasser, geschweige denn Telefon oder Internet. Wir wurden in ein Zeitalter zurückgeworfen, das weit vor unserer Geburt lag.«

Als zwei Tage später ein Ingenieur ins Hotel zog, konnte endlich der Generator in Gang gesetzt werden – wenn auch wegen des geringen Vorrats an Diesel nur stundenweise. »Aber egal – diese Stunden haben wir als luxuriös empfunden und uns dann zu gemeinsamen Diner-Partys getroffen.« Jeder brachte etwas zu essen mit. »Wir feierten, dass wir dieses Chaos überlebt hatten.«

Am vierten Tag gab es sporadisch erste Funksignale. »Abwechselnd standen wir auf der obersten Treppe im Flur oder auf dem Dach und versuchten, Kontakt zur Außenwelt zu bekommen und unseren Familien mitzuteilen, dass es uns gut geht.« Die Müllers wollten nach Hause. »Es wurde immer unruhiger.« Überfälle und Plünderungen nahmen zu, Lebensmittel wurden knapp.

Dank des Einsatzes des Auswärtigen Amtes dauerte es nicht mehr lange, bis Ehepaar Müller zwei Plätze in einem Sonderflugzeug bekamen. »Wenn auch zehn Tage später als geplant: Wir konnten endlich nach Hause.«

Hier steht der Text vor dem Infokasten
Flohmarkt für Sint Maarten

»Wir haben überlebt und durften nach Hause – aber die karibischen Inseln brauchen unsere Hilfe«, sagt Ulla Müller, die zusammen mit ihrem Mann Manfred den Hurrikan Irma miterlebt hat. Die Stammheimer wollen den Menschen auf Sint Maarten beim Wiederaufbau helfen. »Viele von ihnen haben nichts mehr. Möbel, Bekleidung, Haushaltsgegenstände und vieles mehr wurden ins Meer geschwemmt oder über Kilometer hinweg verweht.« Das Paar hat bei einem lokalen Hilfswerk nachgefragt, was benötigt wird. »Alles.« Deshalb veranstalten die beiden unter dem Motto »Wir räumen aus, damit die Menschen in Sint Maarten wieder einräumen können« einen Antik- und Flohmarkt. Die Einnahmen gehen ans holländische Rotkreuz. 8 Der Antik- und Flohmarkt von Ehepaar Müller findet statt am Sonntag, 15. Oktober, von 10 bis 18 Uhr auf ihrem Hof in Stammheim, Hanauer Straße 44.

Hier steht der Text nach dem Infokasten

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