Riesenraupe

Serie: Raupe aus Afrika in der Wetterau

In der Wetterau ist eine Riesenraupe aus Afrika entdeckt worden. In der Serie »Was fliegt da?« gehen wir der Entdeckung am Bingeheimer Ried auf den Grund.
10. Oktober 2017, 07:00 Uhr

. Zugvögel sind, gerade jetzt im Herbst, in aller Munde. Dass auch Angehörige anderer Tiergruppen teils unglaubliche Wanderungen durchführen, ist hingegen weniger bekannt. So gibt es Wanderfalter wie den Admiral, Wanderungen der Gnus und Zebras in Afrika oder die der Rentiere im hohen Norden. Jetzt wurde ein Wanderer aus Afrika sogar in der Wetterau beobachtet. Aber es hat nicht etwa eine Antilope hierher verschlagen, sondern einen Windenschwärmer, eine große Nachtfalterart, die aus dem tropischen Afrika bis nach Hessen 4000 Kilometer zurückgelegt hat.

Da staunten die anwesenden Vogelkundler und Biologen nicht schlecht, als die Nachwuchsforscher Julia und Adrian am Bingenheimer Ried nicht etwa einen seltenen Vogel entdeckt, sondern eine riesige, etwa zwölf Zentimeter lange Raupe gefunden hatten. Fingerlang, leuchtend grün mit schwarzen Streifen und einem intensiv rot gefärbten Dorn am Hinterleibsende, war sie dort auf dem Asphaltweg unterwegs. Der Expertenblick verriet: Es handelt sich um einen seltenen Windenschwärmer, und der Dorn am Ende ist harmlos. Er soll gefährlich aussehen und so Feinde abschrecken, aber die Raupe kann sich damit sonst nicht weiter verteidigen.

Biologen staunen

Windenschwärmer sind vor allem im tropischen Afrika, also überwiegend südlich der Sahara, zu Hause. Von dort sind es bis in die Wetterau etwa 4000 Kilometer Luftlinie, eine schier unglaubliche Leistung für ein Insekt, auch wenn es sich um einen pfeilschnellen Flieger aus der Familie der Schwärmer handelt. Dem Windenschwärmer wird eine Fluggeschwindigkeit von kurzfristig bis zu 100 Kilometer pro Stunde nachgesagt. Aus Afrika kommend, wandern die Flugkünstler alljährlich in meist kleiner Zahl in Mitteleuropa ein. Besonders weit nach Norden vorgedrungene Exemplare wurden sogar schon am Polarkreis gefunden. Dem Alter nach stammt die Raupe am Bingenheimer Ried von Eltern ab, die selbst schon nördlich der Alpen aufgewachsen sind und somit von »Großeltern«, die im Frühsommer aus Afrika eingetroffen sind. Die Raupe wurde mit vielen Windenranken weiter gefüttert und hat sich inzwischen in einer Erdhöhle verpuppt.

Nun bleibt es spannend, ob der Falter noch in diesem Herbst oder erst im nächsten Frühjahr schlüpft. Aus der Riesenraupe wird ein entsprechend großer Falter mit einer Länge von sieben Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu zwölf Zentimetern. Dann steht er mit unglaublich schnellem Flügelschlag und ohne zu landen in der Luft vor Blüten und saugt mit seinem bis zu zehn Zentimeter langen, fadenförmig dünnen Rüssel in der Dämmerung wie mit einem Strohhalm Nektar im Flug.

Dieser eindrucksvolle Fund zeigt beispielhaft, wie wichtig auch vermeintliche Unkräuter wie die Zaun- und Ackerwinde für spezialisierte Tierarten sind. Und es wird sehr deutlich, dass die Naturschutzgebiete in der Wetterau längst nicht nur vielen seltenen Vögeln Lebensraum bieten, sondern auch einer großen Zahl weiterer Tier- und Pflanzenarten. Stefan Stübing

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