Ex-Kaufhaus

Joh-Konzept im Bürger-Check

Seit vier Jahren steht das ehemalige Kaufhaus Joh leer – ein Unding, finden die Friedberger. Die WZ hat bei Bürgern nachgefragt, was sie vom Konzept für die Neunutzung des Gebäudes halten.
13. September 2017, 11:00 Uhr
Das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Joh auf der Kaiserstraße steht seit vier Jahren leer. Jetzt gibt es einen Plan, der unter anderem einen Lebensmittelmarkt im Untergeschoss und ein Restaurant ganz oben – auch auf dem Dach – vorsieht. (Fotos: doe)

Über die Jahre wurde genug geschwätzt. Egal, was kommt, Hauptsache, es passiert etwas«, ist die erste Reaktion von Sandra Engel. Sie betreibt mit ihrem Mann die in direkter Nachbarschaft des ehemaligen Kaufhauses Joh gelegene, traditionsreiche Metzgerei Engel in sechster Generation. Sehr gut fände sie es, wenn – wie jetzt geplant – tatsächlich ein Lebensmittelgeschäft wieder ins Souterrain des fünfstöckigen Gebäudes einziehen würde. Vor allem älteren Leuten käme das zugute, die nicht mal eben schnell ins Auto steigen und zum Einkaufen fahren könnten. Auch andere Geschäfte seien wichtig, gerade wegen der Internetkonkurrenz, die dem Einzelhandel zu schaffen mache, sagt Sandra Engel. Sie legt sich deshalb gerne auch mal mit Bekannten an, wenn die ihr empfehlen, bei Amazon zu bestellen. »Warum soll ich im Internet bestellen, wenn ich in einem Friedberger Fachgeschäft gut beraten werde?«, fragt sie dann.

»Den Umbau okay« findet Gerhard Mengel. Er hofft auf »ordentliche Geschäfte«, denn man vermisse das Kaufhaus Joh schon. »Alles, was man braucht, hat man dort gefunden, jetzt holt man das in Bad Nauheim«, erklärt er.

M. Rohde und G. Ensuleit
M. Rohde und G. Ensuleit

Wie anderen Passanten gefällt auch Gudrun Ensuleit und Marc Rohde vor allem die Idee vom Dachrestaurant. Der lange Leerstand des Joh-Gebäudes ist nach ihrer Ansicht »kein Zustand mehr«. Sie zeigen sich erleichtert, dass sich nun überhaupt etwas tut. Als »sehr gut« bewerten sie den Plan, im Untergeschoss wieder einen Lebensmittelmarkt anzusiedeln.

 

Das ehemalige Kaufhaus Joh ist wie ein energie-verschlingendes schwarzes Loch in der Mitte der Stadt

Susanne Tritt

Ähnlich äußert sich Kai Späth, der seit 25 Jahren auf dem Friedberger Samstagsmarkt Blumen verkauft: Ein neues Kaufhaus wäre das beste, aber wichtig sei, dass endlich etwas geschehe. »Ohne das Kaufhaus Joh fehlt hier etwas«, davon sind Bruno und Helene Kraft sowie Uli und Horst Hein überzeugt.

Kai Spath
Kai Spath

Als ehemalige Friedberger bedauern es Krafts sehr, »dass es auf der Kaiserstraße nur noch Ein-Euro-Geschäfte gibt«. »Schauen Sie sich um, wenn Sie eine Kleinigkeit für den täglichen Bedarf kaufen wollen, müssen Sie ins Auto steigen und weg«, ereifert sich Helene Kraft. Ebenso wie ihr Mann hält sie vor allem den geplanten Lebensmittelmarkt für außerordentlich wichtig. Das Dachrestaurant könnte aus ihrer Sicht für eine Belebung des Elvis-Presley-Platzes und damit eines zentralen Innenstadtbereichs am Abend sorgen – eine Hoffnung, auf die auch andere Interviewpartner zu sprechen kommen.

Horst Hein
Horst Hein

Sehr einverstanden ist Horst Hein damit, dass die Fassade erhalten bleiben soll: »Die ist doch nicht schlecht.« »Alles ist besser als das, was jetzt ist. Das ehemalige Kaufhaus Joh ist wie ein Energie verschlingendes schwarzes Loch in der Mitte der Stadt«, sagt Susanne Tritt. Ein neues Kaufhaus an dieser Stelle wäre aus ihrer Sicht »fantastisch«, denn zurzeit fahren »alle, alle nach Bad Nauheim zu Weyrauch«, wenn sie etwas bräuchten. »Ein Kaufhaus ist so praktisch. Man braucht ein Heft, findet dann ein paar Strümpfe und vielleicht noch einen Pulli.« Wenn aber die Zeit der großen Kaufhäuser vorüber sei, dann müsse wenigstens ein Publikumsmagnet ins Gebäude einziehen, fordert Susanne Tritt.

Im Gegensatz zu anderen Interviewpartnern liegt Tritt nicht besonders viel am geplanten Dachrestaurant. »Ich würde lieber in einem schönen Café oder Bistro hier auf dem Platz sitzen oder in der Wolfengasse.« Vor Jahren habe es den Vorschlag eines Anliegers gegeben, die Wolfengasse zur Fußgängerzone umzuwidmen, dort wäre dann Platz für Lokale. »Wir würden abends gerne noch mal einen Wein trinken und eine Kleinigkeit essen, ohne gleich ins Restaurant zu gehen, so wie man das in Bad Nauheim machen kann. Derzeit gibt es so etwas in Friedberg nicht mehr.«

Info

Das ist fürs Joh-Gebäude geplant

Vier Jahre lang hat das Gebäude leer gestanden, das zuvor das Kaufhaus Joh beherbergt hatte. Seitdem fehlt der eine starke Anziehungspunkt in der Friedberger Kaiserstraße. Nun liegt ein Plan des Immobilienentwicklers 3V Invest aus Grünwald vor, in dem es um die künftige Nutzung des Gebäudes geht. Wie die WZ berichtete, ist ein Mix aus Gewerbe, Wohnen und Gastronomie geplant. Im Untergeschoss soll sich ein Lebensmittelmarkt niederlassen, für die Etagen vom Erdgeschoss bis zum zweiten Obergeschoss ist Einzelhandel vorgesehen, auch Arztpraxen oder Sportflächen sind denkbar. Im dritten Obergeschoss und auf dem Dach soll es laut Konzept Gastronomie geben. Das Stadtparlament muss über die Planung entscheiden. (agl)

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