Besonderer Sprachkurs

Mama lernt Deutsch

Insbesondere bei Müttern ist die Hemmschwelle groß, sich Sprachunterricht zu organisieren. Der Förderverein »Freunde der Stadtschule an der Wilhelmskirche« in Bad Nauheim hat reagiert.
13. September 2017, 10:00 Uhr
Carmen Schremmer (stehend) ist bei ihren Schülerinnen als gute Lehrerin sehr beliebt. Zwischenzeitlich ist das Angebot auch auf Väter ausgeweitet worden, mittlerweile drücken aber wieder ausschließlich Frauen die Schulbank. (Foto: doe)

Konomi Sugino besucht den Kurs »Mama spricht Deutsch«, seitdem ihr Kind vor drei Jahren in die erste Klasse der Bad Nauheimer Grundschule eingeschult worden ist. Mit viel Fleiß und Ehrgeiz hat die 39-jährige Japanerin inzwischen sehr gut Deutsch gelernt, versteht, was gesagt wird, und kann sich ohne allzu große Probleme selbst äußern. Ähnlich geht es ihrer Landsfrau Mami Hikita, die sich seit zwei Jahren jeweils zweimal wöchentlich für 90 Minuten im Elternsprechzimmer der Schule einfindet.

1,50 Euro pro Doppelstunde

Carmen Schremmer, die den Kurs seit 2012 unterrichtet, betreut derzeit sieben »Schülerinnen«. »Wir hatten auch einen Vater, doch der hat jetzt Arbeit gefunden und kann nicht mehr kommen«, berichtet sie. Zwischenzeitlich war das Projekt unter dem Titel »Mama spricht Deutsch, Papa auch« auf die Männer ausgeweitet worden, doch zumeist sind es die Frauen, die das Angebot nutzen. Generell könnte Schremmer einige Schüler mehr unterrichten, doch nicht alle, die könnten, nehmen die Offerte an: »Es gibt immer noch deutliche Hemmschwellen, und manchmal ist es nicht einfach, da Überzeugungsarbeit zu leisten«, sagt Vereinsvorsitzende Petra Erling.

Der Förderverein ist mit der Resonanz auf das Projekt trotzdem sehr zufrieden. 4200 Euro stellt nach Erlings Angaben der Verein jährlich zur Verfügung, 1,50 Euro zahlt jede Kursteilnehmerin pro Doppelstunde. Es sei erstaunlich, mit wie viel Lernbegierde die Schülerinnen und Schüler dabei seien, wie viel manche von ihnen in der doch eher kurzen Unterrichtszeit zu lernen im Stande seien, erklärt Erling. Und: »Für die Eltern ist der Kurs eine große Hilfe!« Demnächst wird die verfügbare Summe wohl verdoppelt, denn es soll ein neuer Anfängerkurs eingerichtet werden, wie Schremmer berichtet (siehe Kasten).

Wenn jetzt jemand neu dazukäme, hätte er große Schwierigkeiten, mitzuhalten

Carmen Schremmer

Den erwachsenen Schülerinnen macht das Lernen sichtlich Spaß. Die Atmosphäre ist familiär, man duzt sich. »Carmen ist meine beste Lehrerin«, schwärmt Andzelika Witkowska. Die gebürtige Polin hat inzwischen zwar schon die B1-Prüfung geschafft, kommt aber immer noch gerne in den Kurs, der beliebten Lehrerin wegen, aber auch, um ihre Sprachfähigkeit weiter zu verbessern.

Aus der Türkei kommt Esin Sandikli. Auch sie ist schon längere Zeit im Kurs dabei, hat viel gelernt. Inzwischen arbeitet sie als Reinigungskraft, hat aber immer noch das Gefühl, nicht richtig gut sprechen zu können. »Ich bin froh, dass es diesen Kurs gibt, denn jetzt verstehe ich immer besser«, erzählt sie glücklich. Ähnliches gilt für Phatthicha Vieler. Die Filipina ist mit einem Deutschen verheiratet, lebt seit elf Jahren hier, seit vier Jahren besucht sie den Kurs, übt fleißig Aussprache und Hörverständnis.

An diesem Tag endet der Unterricht einige Minuten früher, denn eine Teilnehmerin hat Geburtstag und Kuchen mitgebracht. Überhaupt haben sich einige Frauen in den vergangenen Jahren angefreundet, treffen sich auch abseits von Lehrbuch und Schreibheft. Ein Höhepunkt des Jahres ist der gemeinsame Ausflug, den Carmen Schremmer in die nähere Umgebung organisiert. Zusätzlich zur Sprache möchte sie ihren Schülerinnen auch ein wenig von Kultur und Landschaft des Landes vermitteln, in dem sie jetzt zumindest für einige Jahre leben.

Info

Zweiter Kurs soll kommen

Die Gruppe in Carmen Schremmers Klasse, deren Lernniveau sie auf »zwischen A2 und B1« einstuft, ist seit zwei bis drei Jahren vergleichsweise homogen. »Wenn jetzt jemand neu dazukäme, hätte er große Schwierigkeiten, mitzuhalten.« Es soll aber einen neuen Kurs geben, eine Lehrerin ist schon gefunden worden, die Raumfrage wird derzeit diskutiert. Anmeldungsformulare für den Kurs liegen zwar im Sekretariat der Stadtschule am Standort Wilhelmskirche aus, doch in der Regel sind es die Klassenlehrerinnen und -lehrer der Schulkinder, die den Eltern beim Elternabend den Vorschlag machen, in der Schule ebenfalls Deutsch zu lernen. Für die Allgemeinheit sind die Kurse nicht geöffnet. (doe)

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