Schulgebäude vergammelt

Geld vorhanden, aber kein Personal für Bauplanung

Das alter Direktorat des Friedberger Burggymnasiums gammelt vor sich hin. Geld für die Sanierung ist vorhanden. Allerdings fehlt im Kreisbauamt das Personal, um die Planungen voranzutreiben.
13. September 2017, 17:00 Uhr

In der denkmalgeschützten Friedberger Burg gibt es so manche Bausünde. Zu den augenfälligsten Projekten, die dringend saniert werden müssten, zählt die dreiseitig umbaute Hofanlage auf dem Schulhof des Burggymnasiums. Früher war hier das Direktorat untergebracht, heute wird ein Teil des Gebäudes als »Lehrer-Info« genutzt. Der Zustand ist bedauernswert, das Problem ist beim Kreis bekannt. Nur wird die Sanierung nicht, wie geplant, im Jahr 2018 abgeschlossen sein – geschweige denn, dass dann mit den Arbeiten begonnen wurde. »Den Termin werden wir nicht halten können«, sagt Schuldezernent Jan Weckler (CDU).

Schulleiter Ingo Baumgarten erfuhr jüngst bei einem Besuch Wecklers in der Burg, dass sich die Sanierung aufgrund Personalmangels herauszögern wird. Es fehlt an Fachleuten im Bauamt, um das Projekt umzusetzen. »Das ist die Schattenseite der Hochkonjunktur«, sagt Weckler. »Wir haben Stellen ausgeschrieben, können sie aber nicht besetzen, weil niemand der Bewerber die Kriterien erfüllt hat.« Bei privaten Firmen, an die der Kreis Aufträge vergibt, sei die Situation ähnlich. »Auch denen fehlt Personal.«

Stillstand an der Singbergschule

Ein aktuelles Beispiel ist die Singbergschule in Wölfersheim. Der erste Spatenstich für den Neubau ist erfolgt, doch die Arbeiten ruhen. Weckler: »Die Firma hat uns mitgeteilt, dass es drei Monate dauert, bis es auf der Baustelle weitergeht. Die Auftragsbücher der Firmen sind voll, es fehlen aber die Arbeitskräfte.« Entzieht der Kreis den Firmen einen Auftrag, müsste dieser neu ausgeschrieben werden. Das dauert. Und ob sich eine andere Firma findet, ist ungewiss.

Angesichts der Tatsache, dass in vielen Kommunen Klassenzimmer fehlen, setzt der Kreis laut Weckler Prioritäten: »Wir müssen zunächst Schulraum schaffen, damit die Schüler nicht auf dem Schulhof sitzen. Deshalb setzen wir als Übergangslösung auf Container.« Die zweite Priorität habe der Neubau von Schulgebäuden. »Die Liste wird immer länger, am Geld liegt’s nicht.« Vor diesem Hintergrund sind Sanierungsmaßnahmen wie jene am Burggymnasium in der Rangliste nach hinten gerutscht. »Leider«, sagt Weckler. »Sobald wir Leute haben, steht die Burg ganz oben.« Das aber kann dauern.

Im Haushalt für 2016 standen 220 000 Euro für das alten Direktorat bereit. In den Folgejahren waren es 200 000 und 500 000 Euro, insgesamt soll die Ertüchtigung des Gebäudes rund 920 000 Euro kosten. »Im Moment liegen die Planungen auf Eis«, sagt Weckler.

Die Hofanlage ist ein Unikum. Zwei der Häuser mit Sockelgeschoss und Fachwerkaufbau stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Ursprünglich waren es die Burgmannenhäuser der Herren von Brambach und von Rheinberg. Im 17. Jahrhundert wurde der Komplex durch einen Zwischenbau längs der Straße erweitert. So entstand die von drei Seiten umbaute Hofanlage mit dem kleinen Innenhof. Die Häuser dienten als Wohnung des Burgsyndikus (Rechtsanwalt) und der Kanzleiräte. Bis 1970 war hier das Direktorat des Aufbaugymnasiums untergebracht. Seit vielen Jahren wird das Haus als Lehrerzimmer genutzt.

Ein unhaltbarer Zustand

Schulleiter Baumgarten kann die Argumentation des Kreises nachvollziehen. »Ich habe Verständnis dafür, dass aufgrund der Flüchtlingszahlen und des Zuzuges im Ballungsraum zuerst die Grundschüler ein Dach über dem Kopf benötigen.« Allerdings sehe die Lehrer-Info noch fast genauso aus wie vor 20 Jahren, als er an der Burg sein Referendariat begann. Immerhin wurden die Toiletten vor einigen Jahren saniert.

Vor längerer Zeit hätten Handwerker die Wände an vielen Stellen geöffnet, um die Bausubstanz zu überprüfen. »Die Löcher sind immer noch offen«, sagt Baumgarten. »Die Räume haben seit Jahrzehnten keinen Tropfen Farbe oder gar neue Tapeten gesehen. Man fühlt sich einfach unwohl in diesem dunklen Loch.« Ein eigentlich unhaltbarer Zustand, der aber noch einige Zeit lang andauern wird.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bauplanung
  • Burgen
  • CDU
  • Jan Weckler
  • Schulgebäude
  • Singbergschule Wölfersheim
  • Friedberg
  • Jürgen Wagner
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.