Abfallentsorgung

Wegen Abfall aus England: Müll soll teurer werden

Die Wirtschaft floriert, die Müllberge wachsen. Da die Kapazitäten in den Müllverbrennungsanlagen begrenzt sind, steigen nun die Entsorgungskosten in der Wetterau. Mitschuld ist auch Müll aus England.
13. September 2017, 09:45 Uhr
Um Müllverbrennungsanlage auszulasten, wird Müll aus England importiert. Das rächt sich nun. (Foto: dpa)

In der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld nordöstlich von Hamburg werden seit September 2015 alte Windeln, Staubsaugerbeutel und Küchenabfälle aus England entsorgt. Rund 10 000 Tonnen sind es jährlich. Nicht viel bei einer Kapazität von 350 000 Tonnen, aber der englische Müll wird benötigt, damit die Anlage ausgelastet ist. Es gibt viele weitere Beispiele für solche Müllimporte. Der Naturschutzbund Deutschland warnte schon 2009 vor »unkontrollierter Müllverbrennung«, Müllimport sei für die Betreiber der Anlagen attraktiver als Recycling.

Der Wetteraukreis betreibt keine eigene Müllverbrennungsanlage, in Grund-Schwalheim werden auch keine Windeln aus England gesammelt. Die von dort nach Deutschland importierten Abfälle, jährlich rund zwei Millionen Tonnen, verschärfen aber das Problem der Abfallentsorgung, sagt der Kreisbeigeordnete und Dezernent für Abfallentsorgung Karl-Peter Schäfer (CDU).

»Die Entsorgungsmöglichkeiten werden knapper«, sagt Schäfer. 2005 wurde die Deponierung von Hausmüll verboten. Die Kapazität der Verbrennungsanlagen wurde deutlich ausgebaut. Das führte dazu, dass die Preise sanken, »weil zur Auslastung der Anlagen händeringend nach Müll gesucht wurde«, wie Schäfer sagt. »Mittlerweile sind die Verbrennungskapazitäten knapp geworden, weil mit der positiven Wirtschaftsentwicklung auch die Abfallmengen gestiegen sind.« Hinzu kommen die zwei Millionen Tonnen englischer Müll. Die Anlagenbetreiber müssen Verträge einhalten, auch wenn dadurch der Preis für deutschen Müll steigt.

Bioabfall wird günstiger

In den vergangenen Jahren gab es nur Erfolgsmeldungen vom AWB: Vor vier Jahren betrug die Gebührenrücklage noch 7,2 Millionen Euro. Der AWB war wie andere Abfallwirtschaftsbetriebe gesetzlich dazu verpflichtet, die Rücklagen abzubauen. Die Gebühren wurden daher immer wieder gesenkt. Durch die gestiegenen Kosten sei die Rücklage allerdings schneller abgeschmolzen als ursprünglich geplant, sagt Schäfer.

Die Gebührenerhöhung zum 1. Januar (siehe Kasten) sei nötig, weil sonst eine Deckungslücke von rund 3,4 Millionen Euro entstünde. Für die Menschen in der Wetterau habe die Gebührenanpassung aber nur geringe Auswirkungen. »Die Mehrbelastung beläuft sich pro Einwohner auf etwa einen Euro pro Monat. Für eine sichere und umweltfreundliche Abfallwirtschaft ist das sicher nicht zu viel«, findet Schäfer.

Der Kreistag hat sich noch nicht abschließend mit der Sache beschäftigt; die Gebührenerhöhung wurde zur Beratung in den Ausschuss verwiesen. »Ich kann dem Ausschuss nicht vorgreifen, aber wir haben gute Argumente, warum die Gebührenentwicklung in diese Richtung gehen muss.« Der Abfalldezernent hat auch einen Trost für die Bürger parat: Bioabfall kostet nicht mehr 109, sondern nur noch 65 Euro pro Tonne. Schäfer: »Bioabfälle können in unseren eigenen Anlagen deutlich günstiger verarbeitet werden im Vergleich zu Restabfällen in externen Verbrennungsanlagen. Dies spiegelt sich in den erheblich niedrigeren Gebühren für den Bioabfall wider. Dadurch wird auch ein Anreiz für die getrennte Sammlung der Bio- und Grünabfälle geschaffen.«

 

Infokasten

Was die Tonne Müll kostet

Zum 1. Januar 2018 wird die Müllentsorgung teurer. Beim Hausmüll sollen die Gebühren von 168 Euro pro Tonne auf 269 Euro steigen. Der gleiche Preis wird für Sperrmüll verlangt. Hausmüll-ähnliche Gewerbeabfälle werden um 10 Euro billiger. Angelieferter Sperrmüll steigt von 120 auf 180 Euro. Der Bioabfall kostet 109 statt 65 Euro, Bauschutt 60 statt 50 Euro. Die Preise seien aber nach wie vor moderat, argumentiert Abfall-Dezernent Karl-Peter Schäfer (CDU). Umgerechnet auf die jeweiligen Haushalte bedeute dies einen Preisanstieg von etwa einem Euro pro Monat: »Das ist zu verkraften.« Für das kommende Jahr rechnet der AWB mit rund 24 000 Tonnen Restmüllaufkommen aus den Wetterauer Haushalten. (jw)

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