Vandalismus

Großstörung: Surfen im Schneckentempo

Hunderte Internet-Kunden der Bad Nauheimer Stadtwerke können seit Tagen nur im Schneckentempo surfen. Grund ist eine offenbar durch Vandalísmus verursachte Großstörung.
08. September 2017, 17:00 Uhr
So sieht ein Leerrohrbündel mit Glasfaserkabeln aus – wenn es unbeschädigt ist. In den letzten Tagen haben die Bad Nauheimer Stadtwerke-Kunden gelitten, weil Vandalen an einer bei Nürnberg verlaufenden Hauptleitung gezündelt haben sollen. (Foto: dpa)

Wie Rainer Rothaug, Verantwortlicher für die Stabsstelle Breitband der Stadtwerke erklärt, habe sich die Großstörung in einem Vodafone-Glasfaserkabel in der Nähe des Nürnberger Rechenzentrums ereignet. Vodafone habe angekündigt, das Problem bis zum 8. September lösen zu wollen.

Seit wann die betroffenen Bad Nauheimer Haushalte mit einer Geschwindigkeit von nur 1 MBit/s auskommen müssen, ist nicht ganz klar. Laut Rothaug trat die Störung am Montag auf, ein Bewohner des Hempler-Neubaugebiets teilte dagegen mit, die technischen Schwierigkeiten bestünden seit mehr als einer Woche. Offenbar dauerte es einige Zeit, bis die Ursache ermittelt wurde.

Leitung verläuft unterirdisch

»Als erstes haben sich Kunden gemeldet, die von zu Hause aus arbeiten«, berichtet Rothaug. Sofort hätten die Stadtwerke nachgeforscht. Zunächst seien andere Ursachen im Gespräch gewesen, schließlich habe Vodafone aber einen größeren Kabelbrand in einer Hauptleitung entdeckt, die entlang einer ICE-Trasse zum überregionalen Rechenzentrum in Nürnberg verläuft. An dieser Hauptleitung hängen auch die Kunden der Stadtwerke.

»Vermutlich hat jemand gezündelt, es handelt sich um Vandalismus«, sagt Sascha Kammer, der als Breitband-Techniker für die Stadtwerke tätig ist. Die Brandstifter müssten allerdings enormen Aufwand betrieben haben. Die Leitungen verlaufen nämlich in einem unterirdischen Kanal. Sie sind für die Täter nur zu erreichen, wenn sie einen Kanaldeckel öffnen und nach unten steigen.

Leistung extrem gedrosselt

Offenbar ist das Glasfaser-Kabel an mehreren Stellen beschädigt. Etliche Meter Leitung müssen neu verlegt und mit dem alten Kabel verbunden werden. Das ist zeitaufwendig. »Normalerweise wird in solchen Fällen eine Umleitung geschaltet. Warum das unterblieben ist, entzieht sich im Augenblick meiner Kenntnis«, sagt Kammer. Bislang lägen fast nur mündliche Informationen von Vodafone vor, ein ausführlicher schriftlicher Bericht sei angefordert worden.

Die 300 Bad Nauheimer Kunden, die vorwiegend in Neubaugebieten wie der ehemaligen Amerikanischen Siedlung oder dem Hempler wohnen, können hoffen, ab dem 8. September wieder mit den üblichen 30, 50 bis 100 MBit/s (je nach Tarif) statt mit 1 MBit/s im World Wide Web unterwegs sein zu können. Nach dem Ausfall des Vodafone-Kabels wurde die Geschwindigkeit so extrem gedrosselt, weil den Stadtwerken für Notfälle derzeit nur eine Verbindung der Telekom zur Verfügung steht.

»Diese Leitung ist aber komplett ausgebucht, weil viele andere Kunden dranhängen. Wir haben zunächst dafür gesorgt, dass die Bad Nauheimer Haushalte weiter telefonieren können«, erläutert der Stadtwerke-Techniker. Fürs Internet bleibe nicht mehr viel Kapazität. Das Fernsehen sei nicht betroffen. Das TV-Signal werde direkt in Bad Naheim eingespeist, laufe im Prinzip auch ohne Internet.

Neue Verbindung nach Frankfurt

In Kürze werden die Stadtwerke besser für solche Szenarien mit überregionaler Wirkung gerüstet sein. Zurzeit wird eine neue Glasfaser-Hauptleitung entlang der A 5 verlegt, die im Rechenzentrum Frankfurt landet. Die Leitungen nach Nürnberg und Frankfurt seien jede für sich mehr als ausreichend, um die Bad Nauheimer Haushalte zu versorgen, versichert Rothaug. Im Oktober soll die neue Verbindung nach Frankfurt getestet werden.

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