Bundestagswahl

Peter Heidt (FDP) ist auf dem Sprung nach Berlin

Peter Heidt hat gute Chancen auf einen Einzug in den Bundestag. Der FDP-Politiker steht auf Platz 7 der Landesliste. In Berlin fehlten gestandene Kommunalpolitiker, sagt er.
10. September 2017, 06:00 Uhr
Politik, sagt FDP-Bundestagskandidat und Eishockey-Fan Peter Heidt, ist wie ein sportlicher Wettkampf: Die Parteien kämpfen für die besten Ideen. (Foto: Nici Merz)

Im Kreistag gehört Peter Heidt zu wortmächtigsten Rednern, er nimmt kein Blatt vor den Mund. Das gilt auch für den Gerichtssaal, wo der 52-jährige Rechtsanwalt für seine Mandanten kämpft. Eigentlich ist Heidt der perfekte Kommunalpolitiker: Seit über 30 Jahren dabei, gut vernetzt, kennt sich in der Region aus. Aber über das Wohl und Wehe der Wetterau wird nicht allein im Friedberger Kreistag oder im Bad Nauheimer Stadtparlament entschieden. Die wichtigen Entscheidungen fallen in Berlin, und dort zieht es Heidt nun hin.

Politische Kommentatoren finden, es sei gar nicht schlecht gelaufen ohne die FDP im Bundestag: Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Staatskassen sind gefüllt. Wozu braucht es da die Liberalen? Heidt zieht den Vergleich mit einem Fußballverein heran: »Da hat man vor Jahren super Leute eingekauft, doch die sind jetzt alle 35 und der Nachwuchs fehlt.« Die FDP will nun alles neu denken. Heidt: »Die Agenda 2010 war richtig, davon profitiert unsere Wirtschaft. Aber was kam danach? Verwirrung bei Flüchtlingen, Bildung und Rente.« Die FDP will die Rente »enkelfit« machen. »Soll der Staat, wenn unsere Kinder in Rente gehen, einen Beitragssatz von 50 Prozent zahlen?«

Rente im Fokus 

Die Rente mit 63 hätte es mit der FDP nicht gegeben. »Starre Altersgrenzen sind überholt.« Der Dokumentationspflicht beim Mindestlohn hätte man nicht zugestimmt. »Zuviel Bürokratie.« Die Bürger müssten entlastet werden. Heidt: »Die Steuereinnahmen sind um das Doppelte gestiegen wie das Reallohneinkommen. Das Geld ist da, aber vom Wohlstand profitiert nur der Staat.«

Die FDP will den Solidaritätszuschlag abschaffen, Heidt wirbt dafür auf seinen Plakaten. »Der Soli ist festgeschrieben bis 2019, allerdings fließt bereits jetzt ein großer Teil des Geldes in andere Projekte. Wir wollen die Bürger um 30 bis 40 Millionen Euro entlasten.« In der Bildungspolitik fordert die FDP »mehr Autonomie für die einzelnen Schulen«. Förderschulen sollten erhalten werden. »Ich habe mich damals bei Kultusministerin Nicola Beer für die ›Modellregion Wetterau‹ in Sachen Inklusion eingesetzt. Aber die Schulen werden mit dem Problem alleine gelassen. Es fehlen Lehrer, und es gibt Kinder, die in Förderschulen besser betreut werden.«

 

Vorbild: Martin Holzfuß

 

Auch beim Breitbandausbau müsse mehr passieren. »Den hat die Telekom in der Wetterau gebremst.« Breitband sei nötig, um die dörfliche Struktur zu erhalten. Es müssten mehr Anreize gesetzt werden, damit sich Firmen auf dem Land ansiedeln und dort Arbeitsplätze schaffen.

»In Berlin fehlen gestandene Kommunalpolitiker«, sagt Heidt. Er würde auch gerne auf dem Feld der Außen- und Sicherheitspolitik arbeiten, wie sein politischer Ziehvater Martin Holzfuß. Als junger Liberaler war er oft an der Seite des vor fünf Jahren verstorbenen Mitbegründer der FDP in Hessen, Europaabgeordneten und Generalmajor a. D. aus Butzbach. »Er war der General, ich war der Gefreite.« Holzfuß sei ein überzeugter Europäer gewesen. »Das bin ich auch. Wir brauchen ein starkes Europa, wir haben gar keine andere Wahl. Die AfD lehnt Europa ab, das ist schlimm. Die und die Linken wollen auch nicht in die Regierung. Die FDP ist die einzige Alternative zur Großen Koalition.«

Schafft Heidt den Sprung nach Berlin, will er in Friedberg ein Wahlkreisbüro eröffnen und Sprechstunden anbieten. Die Hälfte der Zeit will er vor Ort in der Wetterau für die Wähler da sein. »Der Kollege Veith ist mir im Wahlkreis bisher nicht so groß aufgefallen.«

Am 24. September könnte es zu einer so wohl noch nie dagewesenen Konstellation kommen: Drei Wetterauer Bundestagsabgeordnete, die sowohl im Kreistag wie auch im Bad Nauheimer Stadtparlament sitzen. Neben Heidt wären das die ebenfalls gut platzierten Oswin Veith (CDU, Platz 14) und Natalie Pawlik (SPD, Platz 14). Heidt: »Dann bilden wir eine Fahrgemeinschaft.«

Info

Drei Fragen an Peter Heidt

Sie sind Freizeitsportler, gehen regelmäßig zu Spielen der Frankfurter Eintracht und dem EC Bad Nauheim. Ist Politik auch eine Art Wettkampf? Peter Heidt: Ein Wettkampf um die besten Lösungen. Ich fände es gut, wenn wir im Kreistag mehr in den Ausschüssen über kontroverse Themen diskutieren würden. Aber die Große Koalition lässt das nicht zu. Sie stehen auf dem aussichtsreichen Listenplatz 7 der hessischen FDP. Bereiten Sie schon den Umzug nach Berlin vor? Heidt: Ich bleibe Anwalt in Friedberg und werde, falls der Einzug in den Bundestag klappt, zwei Wochen hier und zwei Wochen in Berlin sein. Ich bleibe Bad Nauheimer, will hier weiter Eishockeyspiele sehen und habe auch nachgeschaut, wann die Eintracht in Berlin spielt. Den 25. September, den Tag nach der Wahl, habe ich im Terminkalender geblockt. Dann soll die erste Fraktionssitzung in Berlin stattfinden. M Die FDP will »die Anerkennung des eSports als Sport in allen relevanten Dimensionen«. Das klingt nach der Eintracht-Frankfurt-Klausel im einstigen Koalitionsvertrag der Ampelkoalition im Wetteraukreis. Damals wurde der Aufstieg als Ziel ausgegeben – und auch erreicht. Haben Sie am Bundeswahlprogramm mitgeschrieben? Heidt: Ja, aber nicht diesen Punkt (lacht). Ich hatte eine Freundin zum Bundesparteitag mitgenommen, sie war überrascht und meinte: »Ihr kämpft um jedes Wort.« Ich habe bei der Bildungspolitik mitgearbeitet, die Ablehnung der Windkraft kommt von uns. Wir wollen auch das Fach Wirtschaft stärker in den Schulen berücksichtigt wissen. Das ist wichtiger als Computerspiele. (jw)

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