Kein Blitzableiter

Nach dem Blitzeinschlag: kaputte Computer, tote Leitungen

Ende August ist ein Blitz in den Turm des Alten Rathauses in Assenheim eingeschlagen. Die Folgeschäden sind groß. Diskussionen gibt es um das Thema Blitzableiter.
06. September 2017, 14:00 Uhr
Am Samstag vor einer Woche ist ein Blitz in den Turm des Alten Rathauses eingeschlagen. Sämtliche elektrische Geräte im Inneren sind kaputt – auf den Mieter, den NABU, kommen nun einige Kosten zu. Auf die Frage, warum es keinen Blitzableiter gibt, gibt es keine Auskunft. (Fotos: nic)

Ein Schlag, und alles ist kaputt. Die vier Computer gehen nicht an, die Telefone bleiben stumm, der Beamer funktioniert nicht mehr – der Blitz, der vor eineinhalb Wochen in den Turm des Alten Rathauses in Assenheim eingeschlagen ist, hat die gesamte Elektronik im Haus lahmgelegt. »Was in der Steckdose gesteckt hat, ist kaputt«, sagt Frank-Uwe Pfuhl, Vorsitzender der NABU-Umweltwerkstatt, die das Alte Rathaus von der Stadt gemietet hat. Was noch dazu kommt: Der Verein ist gegen einen derartigen Schaden nicht versichert, und das unter Denkmalschutz stehende Gebäude hat keinen Blitzableiter.

 

Was in der Steckdose gesteckt hat, ist kaputt

Frank Uwe Pfuhl
 

4000 Euro, vielleicht 5000 – so hoch schätzt Pfuhl die Kosten, die der Verein für neue Geräte aufbringen muss. »Wir sammeln Spenden, aus den laufenden Mitteln ist das sonst schwierig zu stemmen.«

Keine Versicherung

Hätte der Verein eine Hausratversicherung gehabt, hätte die zumindest einen Teil des Schadens übernommen. Aber, sagt Pfuhl: Für Vereine ist es nicht einfach, an Geld zu kommen. »Wenn dann auch noch Gelder, die eigentlich für die Naturschutzarbeit gedacht sind, für Versicherungen genutzt werden, ist das schwer darstellbar.« Außerdem wäre es rein rechnerisch teurer gewesen, die vergangenen 28 Jahre Versicherungsbeiträge zu zahlen, als nun den Schaden zu ersetzen, schätzt er.

Auch am Gebäude ist einiges kaputt (dafür allerdings ist die Stadt als Besitzer zuständig). Der Turm musste gesichert werden, Ziegel waren heruntergefallen. Noch immer steht dort eine Absperrung – zur Sicherheit, bis die Reparaturen fertig sind. Zudem ist die Decke des Veranstaltungsraums in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Leitungen seien teilweise noch in Ordnung. Doch nicht alle; einige Anwohner haben ebenfalls Probleme. Manche klagten über Stromausfälle, andere über tote Leitungen. Otto Hojer aus der Hintergasse zum Beispiel. Am Tag des Einschlags wollte er seinen Computer anmachen. »Ist nicht hochgefahren. Motherboard und Netzteil sind kaputt.« Auch die Telefone funktionieren nach wie vor nicht – die Telekom wolle sich kümmern, habe es geheißen. »Aber das ist ja jetzt auch schon eine Zeitlang her.« Gisela Meiss hingegen hatte Glück. Sie wohnt in der Wirtsgasse, alle Geräte funktionieren. Sie vermutet: »Wir haben erst 1975 gebaut. Vielleicht haben wir andere Leitungen.«

Keine Auskunft

Das Kuriose jedoch an der ganzen Einschlagsgeschichte, ist der fehlende Blitzableiter. Es gibt Gerüchte, dass es wegen des Denkmalschutzes keinen gibt. Auf der Homepage der Feuerwehr Bönstadt heißt es: »Hätte der Denkmalschutz mal lieber einen Blitzableiter zugelassen. Wäre dem so gewesen, wäre der Blitzeinschlag im Alten Rathaus in Assenheim vermutlich glimpflicher ausgegangen.«

Vonseiten des Wetteraukreises heißt es nur: Die Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde, die bei der Sanierung des Gebäudes (2009) zuständig war, ist nicht mehr beim Kreis tätig. Aus den Unterlagen gehe aber nicht hervor, dass eine Blitzschutzanlage abgelehnt worden sei; was auch nicht sehr wahrscheinlich sei – sonst »stünde etwas darüber in der Akte, bzw. der Antrag würde vorliegen«. Auch vonseiten der Stadt gibt es keine Auskunft zum Thema Blitzableiter.

Grundsätzlich sei es nicht verboten, ein denkmalgeschütztes Gebäude mit einem Blitzableiter zu versehen, heißt es aus der Kreis-Pressestelle. Je nach Objekt sei eine Abstimmung erforderlich. »Dabei ist es uns wichtig, so wenig wie möglich in die historische Substanz einzugreifen, zum Beispiel keine Bohrungen und Befestigungen an Zierelementen, und das historische Erscheinungsbild so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.«

Das Erscheinungsbild des Turms jedenfalls ist nun beeinträchtigt. Wie viel die Reparaturen kosten werden, steht noch nicht fest, sagt Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel. Auch in Sachen Elektrik fielen Kosten an, allerdings hat die Stadt eine Versicherung. Wie Hertel berichtet, habe der Hauselektriker die Leitungen geprüft, diese seien zwar in Ordnung, der ein oder andere Verteilerkasten sei jedoch kaputt.

Info

Der Blitzeinschlag

Um 6.08 Uhr geht am 26. August, ein Samstagmorgen, der Alarm bei der Feuerwehr ein – Blitzeinschlag im Turm des Alten Rathauses, es brennt. Die Feuerwehr trifft schnell ein, die Flammen können sich nicht ausbreiten. Durch den Einschlag ist der Turm im unteren Teil beschädigt, Ziegel und Schieferplatten fallen auf die Straße. Die Stadt beauftragte sofort einen Dachdeckermeister, der die Ziegel sichert und das Dach provisorisch wetterfest macht. Zur Sicherheit ist um das Alte Rathaus herum nach wie vor eine Absperrung aufgebaut. Wie Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel berichtet, öffneten die Feuerwehrleute zudem eine Decke im Gebäudeinneren, um mögliche versteckte Brandherde zu finden. Die Stadt habe einen Statiker eingeschaltet, zudem sei das Architekturbüro, das 2009 mit der Sanierung beauftragt gewesen ist, involviert.

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