Störche

So geht es den Störchen in der Wetterau

Ende der 80er gab es in der Wetterau fast keine Störche. Heute ist das anders. Über 100 Brutpaare hat der Echzeller Udo Seum in der Umgebung gezählt. Die Gründe für den Zuwachs sind vielseitig.
23. August 2017, 09:36 Uhr
WZ-Leser Burkhard Kling hat sie Störche bei Stammheim fotografiert.

Weit weniger Storchenküken als üblich haben den Sommer überlebt. Vor allem in Norddeutschland hat der anhaltende Dauerregen den Störchen sehr zu schaffen gemacht, aber auch Hessen war betroffen. »Wir hatten nicht so viel Regen wie in Brandenburg, sondern nur vereinzelte, lokale Unwetter«, sagt Bernd Petri, Vogelkundler und Storchenexperte des Naturschutzbundes (NABU) Hessen. Daher seien deutlich weniger Jungstörche verstorben.

Überall Störche: WZ-Leser Dirk Bauer zum Beispiel hat eine kleine Versammlung im Bingenheimer Ried aufgenommen.
Überall Störche: WZ-Leser Dirk Bauer zum Beispiel hat eine kleine Versammlung im Bingenhei...

Das eigentliche Problem sei dieses Jahr der Frost im Frühjahr gewesen. »Bis Ende April gab es starke Nachtfröste. In der Wetterau haben von 110 Weißstorch-Paaren 40 ihre Brut wegen der schwierigen Bedingungen aufgegeben«, erklärt Petri. Einige jungen Störche sind auch an einer Erkältung gestorben oder bereits in den Eiern erfroren, sagt Udo Seum. Der Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) hat den Storchenbestand der gesamten Wetterau und über die Kreisgrenze hinaus im Blick – »von Lich bis Bad Vilbel«.

 

Reise nach Spanien

 

Dennoch: Obwohl der Bruterfolg zurückging und niedriger als im vergangenen Jahr gewesen ist, ist die Anzahl an Brutpaaren gestiegen. Über 500 Brutpaare habe es dieses Jahr erstmals allein in Hessen gegeben. Die meisten von ihnen seien in Südhessen zu finden. Im Schnitt kämen auf ein Brutpaar zwei Junge pro Jahr. »Das ist ein echter Erfolg, wenn man bedenkt, dass es 1986 gerade mal ein Paar in Hessen gegeben hat«, sagt Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte.

Pro Brutpaar, erklärt Seum, werden, wenn es gut läuft, zwei bis drei Störche pro Jahr geboren. »Wenn es super läuft, bis zu sechs. Aber das ist sehr selten.« Dieses Jahr habe es im Bingenheimer Ried eine Besonderheit gegeben: Ein Brutpaar, dessen erste Brut aufgegeben worden war, hat ein zweites Mal gebrütet – und einen Jungvogel ausgebrütet. »Das gibt es so gut wie nie.«

Hier haben von 110 Weißstorchpaaren 40 ihre Brut aufgegeben/h3>

Bernd Petri

Für den Anstieg der Storch-Population in Deutschland gibt es zwei Gründe: Zum einen seien in den vergangenen Jahren viele Naturräume für die Störche geschaffen worden, »gerade in der Wetterau, weil wir hier ideale Flusslandschaften und Überschwemmungswiesen haben, da gibt es genug Brutmöglichkeiten«, sagt Seum. Zum anderen würden viele Zugvögel nicht mehr bis nach Afrika fliegen. Die meisten Störche überwinterten heute in Spanien. Dadurch haben sie einen kürzeren Zugweg und die Chancen, dass sie die Reise überleben, seien höher. Störche sind Allesfresser. Neben vielen Reisfeldern gebe es in Spanien auch genügend Mülldeponien – »vor allem die Müllkippen der großen All-inclusive-Hotels, die in den vergangenen Jahren aufgekommen sind. Da sitzen teilweise bis zu 800 Störche« – und bringen die Wintermonate gut genährt hinter sich.

Martina Doerenkamp-Hintze war mit der Kamera zwischen Gettenau und Bingenheim unterwegs.
Martina Doerenkamp-Hintze war mit der Kamera zwischen Gettenau und Bingenheim unterwegs.

Und auch wenn dieses Jahr weniger Störche zur Welt kamen, ist sind die Storch-Experten optimistisch: Die Gesamttendenz stimmte.

Derzeit sammeln sich vielerorts Störche, um gen Süden zu ziehen. Mitte August sei in der Regel die Zeit, in der vor allem bei den Jungstörchen eine gewisse »Zugunruhe« aufkomme, erklärt Bernd Petri. Im September folge dann meistens der Aufbruch der Altvögel. »Die müssen erst noch Energie tanken.«

Info

Der Weißstorch

Der Weißstorch (Ciconia ciconia) mag es feucht und nass. Zu seinen bevorzugten Lebensräumen gehören offene Landschaften, Flussniederungen oder Auen. Störche sind aber auch auf Wiesen und Weiden anzutreffen. Sie fressen kleine Säugetiere, Froschlurche, Eidechsen, Schlangen, Fische, Insekten und Regenwürmer. Selten fressen Weißstörche auch Eier und Junge von Bodenbrütern, hin und wieder Aas.

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