Auch die Ehefrau

Ex-Banker soll Bekannte um 870 000 Euro betrogen haben

Um mehr als 870 000 Euro soll ein ehemaliger Banker aus Nidda seine Verwandten, Bekannten und Freunde geprellt haben. Er versprach ihnen lukrative Geldanlagen mit bis zu 12,5 Prozent Zinsen.
12. August 2017, 18:35 Uhr
Alles andere als Kleingeld: Um seine Drogen- und Spielsucht zu finanzieren, soll ein 57-jähriger Familienvater aus Nidda eine Investmentfirma erfunden und seinen späteren Opfern sichere Renditen versprochen haben.

Dabei ging der 57-jährige ehemalige Banker und einschlägig vorbestrafte Familienvater aus Nidda besonders dreist vor: Er übernahm nicht nur den Namen und den Briefkopf einer seriösen Hamburger Investmentfirma, sondern spielte auch selbst den erfahrenen Insider für derartige Geldanlagen. »Ich brauchte die Leute gar nicht zu überzeugen. Aus reiner Gier nach Gewinnen haben die mir blind vertraut«, gestand der gelernte Bankkaufmann offen vor Gericht.

Dort muss er sich zurzeit wegen gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in der Zeit vom Februar 2012 bis Oktober 2016 in 93 Fällen betrügerisch und Geld ergaunert, damit gewerbsmäßig betrogen und in 29 Fällen Urkunden gefälscht zu haben, indem er falsche Kontoauszüge und Bilanzen zur Verdeckung seiner Taten erstellte.

Bereits einmal in Haft

Zu den Opfern gehörten seine eigene Ehefrau und deren Mutter. Die beiden waren auch die einzigen in seinem Bekanntenkreis, die von seiner einschlägigen Vorstrafe wußten, dies aber für sich behielten. Zwischen 2006 und 2009 hatte der Mann bereits eine Gefängnisstrafe wegen Betruges absitzen müssen. »Nach seinem Gefängnisaufenthalt sollte er doch eine zweite Chance haben, ein neues Leben zu beginnen«, berichtet seine Ehefrau vor Gericht. Sie hatte ihn während seiner Haft über eine Kontaktanzeige kennengelernt und später geheiratet. »Er war schon immer kein einfacher Charakter.« Stets habe er seinen Freiraum beansprucht und gelegentlich zu Aggressionen gegen sie und ihre Kinder geneigt, so ihre Aussage. Aber sie habe das alles weggesteckt, das Scheitern ihrer zweite Ehe nicht riskieren wollen.

Nach der Verbüßung seiner ersten Haftstrafe hatte der Angeklagte eigenen Aussagen nach gut 270 Bewerbungsschreiben losgeschickt. 200 Absagen habe er erhalten, 70 Unternehmen hätten nicht einmal geantwortet. Daraufhin habe er sich selbstständig gemacht.

Auf den Trick mit der vermeintlichen Anlageberatung sei er erst gekommen, als ein Nachbar ihm sein Leid mit seiner Hausbank geklagt habe. Die habe der Nachbar dafür verantwortlich gemacht, dass er bei Spekulationen hohen Verlust eingefahren habe. Der Angeklagte soll hier als Retter und Kenner der Finanzszene aufgetreten sein. Er erfand eine Investmentfirma und versprach hohe und »absolut sichere Renditen«, so die Anklage. Vor Gericht erklärte der 57-Jährige, mit welchem Trick er seine »Kunden« betrügen konnte: »Ich habe die Zinsen sofort bei Einzahlung auf das vermeintliche Kundenkonto gebucht und dem Anleger sofort einen ›aktuellen Kontoauszug‹ zukommen lassen, sodass die Leute ihren versprochenen Gewinn sofort auf ihrem Kontos sahen. Das hat sich im Bekanntenkreis rumgesprochen.«

Nur noch 4900 Euro sind da

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Jost Holtzmann, was er mit all dem Geld gemacht habe, musste er nicht lange nach einer Antwort suchen. Ein Teil ging für das Geschäft drauf, ein Teil für den Lebensunterhalt – der größte Teil aber war für die Drogen und die Spielsucht. Lange Zeit ging alles gut: Der 57-Jährige konnte dank des Schneeballsystems mit den eingehenden Geldern Rückzahlungen leisten.

Als das Geld aber zur Neige ging – bei seiner Verhaftung Ende 2016 konnten lediglich 4900 Euro sichergestellt werden – sah er sein Heil in der Flucht. Seinen Rückfall in die Kriminalität begründet der wortgewandte und gesund aussehende Angeklagte mit dem hohen Drogenkonsum. »Alle zwei Tage morgens Kokain, abends regelmäßig Marihuana und dazu noch zwei bis drei Flaschen Wein sowie Schlaftabletten.«

Davon aber wollen weder seine Ehefrau noch seiner Anleger etwas gemerkt haben. Entscheidend wird deshalb das medizinische Gutachten sein, dass bei der kommenden Verhandlung erörtert wird. (Foto: dpa)

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