Indoor Farming

Lebensmittel aus der alten Gärtnerei

Noch sieht es recht urig aus in der ehemaligen Gärtnerei in Nieder-Wöllstadt: Aber bald sollen in dem Gewächshaus Lebensmittel wachsen – dank der Fische, die dort schwimmen werden.
20. Juli 2017, 11:00 Uhr
Bald soll es losgehen: Schon im nächsten Jahr könnten hier Fische schwimmen und Tomaten wachsen. Andreas Wöll und Claudia Claussen wollen ein Indoor-Farming-Zentrum in Nieder-Wöllstadt schaffen. (Foto: Zimmermann)

Es hat eine Menge mit Idealismus zu tun, sagt Andreas Wöll. Und damit, etwas auszuprobieren. Er will Fische in einem alten Gewächshaus züchten, daneben sollen Tomaten, Salat und Petersilie angebaut werden – »alles ist möglich«. Aber, sagt er: »Reich werden wir damit bestimmt nicht.« Das Experiment, das Andreas Wöll und Claudia Claussen dort in einer ehemaligen Gärtnerei in Wöllstadt planen, nennt sich Indoor Farming. Der Geschäftsführer des Bad Nauheimer Unternehmens ANSI und die Gärtnerei-Inhaberin jedenfalls haben ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie es schon bald am Ortsrand von Nieder-Wöllstadt aussehen soll: In der ehemaligen Gärtnerei soll ein Schulungszentrum entstehen – und in dem 400 Quadratmeter großen Gewächshaus soll gezeigt werden, wie auf einer kleinen Fläche viel Nahrung angebaut werden kann. Dazu, erklärt Ingenieur Wöll, werde eine funktionierende Aquaponik-Anlage, ein geschlossener Wasser- und Nährstoffkreislauf, genutzt. Durch diese bestehe die Möglichkeit, in einem geschlossenen und kontrollierten Ökosystem gesundes sowie vor allem unbelastetes Gemüse herzustellen. Parallel ließe sich in dem geschlossenen Wasserkreislauf Fisch produzieren – jenes Wasser mit den Ausscheidungen der Fische solle zur Bewässerung der Pflanzen genutzt werden. Hierbei könne viel Wasser gespart werden, laut Wöll rund 70 Prozent.

Aber wozu das alles? Wozu unter schützenden Dächern Lebensmittel produzieren? Wöll holt aus: Abgaslastige Transporte von Lebensmitteln rund um die Welt, umweltunfreundliche Aquakulturen, die teils auch Bereiche der Meere hochgradig belasteten, Abholzung der Regenwälder und Inbeschlagnahme der Natur zum Gewinn von Ackerland – so könne es nicht weitergehen, zumal die Probleme immer präsenter würden angesichts der wachsenden Weltbevölkerung. Also muss etwas getan werden – sagen jedenfalls Wöll und Claussen. Und sie sagen auch: Immer mehr Ackerflächen verschwinden, weil sie bebaut werden.

Nur: Was genau macht Indoor Farming nachhaltig? Hierzu hält Andreas Wöll einige Antworten bereit: Zum einen habe man auf erheblich kleinerer Fläche eine höhere Kapazität, viel Ackerland könne eingespart werden. Zum anderen biete die Aquaponik-Anlage die Möglichkeit, in einem geschlossenen und kontrollierten Ökosystem gesundes, unbelastetes Gemüse herzustellen. Pestizidverseuchungen, Bodenauslaugung, chemische Überbelastung und vielem mehr könne so vorgebeugt beziehungsweise entlastend entgegengewirkt werden.

Im Zusammenhang hiermit hebt Wöll jedoch hervor, dass es keineswegs die Intention des innovativen Projekts sei, die klassische Landwirtschaft in ein negatives Licht zu rücken oder diese zu ersetzen. Vielmehr gehe es darum, diese mit Rücksicht auf die Umwelt sinnvoll und auf moderne Weise zu ergänzen.

In dem rund 400 Quadratmeter großen Gewächshaus solle es daher auch nicht darum gehen, Lebensmittel wirtschaftlich anzubauen – vielmehr handele es sich um eine Schauanlage, ein Schulungszentrum, ein Vorzeigeprojekt – das IFCCW (Indoor Farming Competence Center Wetterau, wie es heißen soll) werde daher Infos rund um das Thema Indoor-Farming bieten. Workshops und Schulungen sind für dort geplant. Von Kindergartengruppen bis zu Experten, aus der Region oder aus der ganzen Welt, sei jeder erwünscht und willkommen. Ziel dieses Vorhabens sei einerseits, dem Bürger Themen wie »Woher kommt unsere Nahrung?« und »Was gibt es alternativ zur herkömmlichen Landwirtschaft?« näherzubringen. Zum anderen liege der Fokus auch darauf, potenzielle Betreiber des Systems anzusprechen.

Wie Wöll und Claussen erzählen, sind sie noch in der Phase der Fördergeldbeantragung, einen großen Teil übernehme zudem sein Unternehmen ANSI. Läuft alles wie geplant, könne Ende 2017 mit den Umbauarbeiten in der alten Gärtnerei in Wöllstadt begonnen werden.

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