Schwimmbad-Verband

Einige Probleme: Kein Chef, fehlerhafte Buchungen

Im Schwimmbad-Zweckverband der Städte Friedberg und Bad Nauheim liegt einiges im Argen. Vergeblich wird nach einem Geschäftsführer gesucht, einige Jahresabschlüsse sind fehlerhaft.
22. Juni 2017, 20:15 Uhr
Im Usa-Wellenbad müssen einige Probleme gelöst werden – auch um der neuen Konkurrenz aus Bad Vilbel künftig besser begegnen zu können. (Foto: Nici Merz)

Im Usa-Wellenbad herrscht gerade Hochsaison, an den Kassen rollt der Rubel. Alles eitel Sonnenschein im gemeinsamen Schwimmbad von Bad Nauheim und Friedberg könnte man meinen, doch in den letzten Jahren haben sich Probleme entwickelt, die jetzt von den politisch Verantwortlichen in beiden Städten diskutiert werden. So geschehen in den jüngsten Sitzungen der Haupt- und Finanzausschüsse, wo es um eine neue Satzung für den Schwimmbad-Zweckverband ging.

Die Schwimmbad-Geschäfte wurden seit dem Tod des ehemaligen Betriebleiters Roman Schramm im August 2015 kurzzeitig von dessen Witwe geführt, seitdem von Interimsbetriebsleiter Sascha Rieck. Der Versuch, einen neuen Geschäftsführer zu finden, sei gescheitert, erläuterte Bad Nauheims Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel. Wie sich der Beschlussvorlage des Magistrats für die neue Verbandssatzung entnehmen lässt, wurde die Suche im Juni 2016 zunächst einmal eingestellt. »Während Schramm als selbstständiger Betriebsleiter von uns beauftragt war, wollen wir als Nachfolger einen Geschäftsführer einstellen, der sowohl den Betrieb leitet, als auch die Rechnungsführung erledigt. Der Zweckverband hatte auch einen Kandidaten ausgewählt, der aber ohne Begründung absprang«, erklärte Nell-Düvel im Gespräch mit der WZ. Peter Heidt (FDP) glaubt den Grund zu kennen – das Gehalt. »Wir müssen für diesen Zweck mehr Geld in die Hand nehmen.« Der Freidemokrat kritisierte das Vorgehen der beiden Städte in Sachen Usa-Wellenbad. Nach dem Tod Schramms sei im Schwimmbad »mit links weitergewirtschaftet worden«, ohne professionelle Führung. Der Zweckverband habe zu viele Aufgaben auf sehr engagierte Mitarbeiter und Ehrenamtliche abgewälzt.

Verlust noch größer?

Die Probleme bei der Geschäftsführung des Bads reichen allerdings viel weiter zurück, wie sich der Beschlussvorlage entnehmen lässt. »Aufgrund der Aussagen in den vorliegenden Jahresabschlüssen für die Jahre 2009 bis 2012 besteht große Unsicherheit, ob die Buchführung den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Rechnungslegung entspricht«, heißt es da. Deshalb wurde bereits vor Jahren eine Arbeitsgruppe gebildet, der Vertreter der Kämmereien aus Friedberg und Bad Nauheim und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie der Interimsbetriebsleiter angehörten. Wie Ingrid Bretz, Leiterin der Kämmerei in Bad Nauheim gegenüber der WZ erklärte, seien die Jahresabschlüsse nicht korrekt, unter anderem fehle eine Schlussabrechnung. »Für diese Jahre wissen wir nicht, ob unter dem Strich noch größere Verluste als angegeben entstanden sind oder ob die beiden Städte einen zu hohen Zuschuss bezahlt haben.« Verfasst worden seien die Jahresabschlüsse von einem externen Büro. Die Rechnungsprüfer des Kreises hätten die Abschlüsse der Jahre 2009 bis 2011 bereits testiert – trotz der Mängel. Eine korrekte Schlussabrechnung des Zeitraums 2009 bis 2012 soll mit dem noch nicht geprüften Jahresabschluss 2013 erfolgen.

»Der Bericht der Arbeitsgruppe ist eine schallende Ohrfeige für die beiden Städte«, sagte Heidt. Die Verantwortlichen müssten sich stärker um das Wohl und Wehe des Schwimmbads kümmern – nicht nur aus finanziellem Eigeninteresse. Der Freidemokrat fürchtet um die Zukunft des Wellenbads. »Der Bau des neuen Komibads in Bad Vilbel ist eine Kampfansage ans Usa-Wellenbad. Wir müssen hier investieren«, betonte Heidt.

Die neue Verbandssatzung wurde bei Enthaltung Heidts einstimmig verabschiedet. Sie regelt unter anderem die Bezuschussung und die Rechnungslegung des Zweckverbands neu. Künftig wird nach Betriebkosten- und Investitionszuschüssen unterschieden. Für 2016 haben beide Städte jeweils einen Pauschalzuschuss von 550 000 Euro gezahlt. Zudem gibt die Satzung die Möglichkeit, weitere Partner in den Verband aufzunehmen oder die Unternehmensform zu ändern. »Wir wollen uns diese Option offenhalten. Es gibt aber keinerlei konkrete Überlegungen in diese Richtung«, sagte Nell-Düvel.

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