ADFC-Fahrradtest

Nur Note 4 für Friedberg und Bad Nauheim

Die Note 4 bedeutet in der Schule »ausreichend« und ist oftmals ein Warnsignal: Bad Nauheim und Friedberg müssen nachsitzen. Beim Fahrradklima-Test des ADFC landeten sie im hinteren Drittel.
19. Juni 2017, 08:00 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
Mehr Platz für Fahrräder: In der Bad Nauheimer Kurstraße mussten Pkw-Parkplätze neuen Fahrradständern weichen. (Foto: Nici Merz)

In Bad Nauheim wird nicht viel Werbung für das Radfahren gemacht. Das meinten die Teilnehmer des ADFC-Tests und gaben der Stadt bei diesem Punkt die Note 5,1. Auch sei zuletzt wenig für den Radverkehr getan worden (5,3). Besonders schlecht schneidet die Gesundheitsstadt bei der Frage ab, ob Radfahrer in den Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung fahren dürfen: 5,8. Verblüffend: Auch Friedberg bekommt hier schlechte Noten, obwohl es in der Kernstadt eine ganze Reihe von Einbahnstraßen gibt, die von Radfahrern in beiden Richtungen befahren werden können.

Eine sehr gute Note (1,1) bekam Friedberg bei der Frage, ob man dort »Fahrräder einfach und preiswert in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen kann«. Vermutlich hat noch keiner der Umfrage-Teilnehmer sein Fahrrad im Friedberger Bahnhof die Treppe runter und die Treppe wieder rauf getragen; »einfach« ist anders. In Bad Nauheim wiederum wird kritisiert, dass es keine Leihräder gäbe; dafür gibt’s die Note 5,1. Und dies, obwohl es hier Leihräder gibt, im Zweiradcenter Mensinger im Eleonorenring.

 

Es fehlen Fahrradständer

 

Die Rätsel lösen sich auf, wenn man die Anzahl der Teilnehmer betrachtet: In Bad Nauheim waren es 56, in Friedberg 55. In Karben (Note 3,6) waren es immerhin 102 Teilnehmer, in Bad Vilbel (4,2) sogar 188. Es handelte sich um eine Online-Umfrage, die Teilnehmer konnten die Fragen theoretisch auch mehrfach ausfüllen. »Das ist eine Kampagne«, sagt ADFC-Vorsitzender Gert Hullen, ohne das abwertend zu meinen. Der pensionierte Sozialwissenschaftler hält die Ergebnisse nicht für »valide«, sprich: Sie würden einer strengen Untersuchung nicht standhalten. »Der ADFC will mit der Kampagne Aufmerksamkeit für die Belange der Radfahrer schaffen. Die Leute sollen sich Gedanken darüber machen, aber ein Vergleich der Städte ist dadurch nicht möglich.« Bad Nauheim liegt bei den Städten unter 50 000 Einwohner bundesweit auf Platz 271 von 364. Es folgen Friedberg (297) und Bad Vilbel (316); Karben liegt auf Platz 115.

Der ADFC-Test will »subjektive Einschätzungen« erheben. So zeigt sich in beiden Städten, dass Fahrradständer fehlen. Hullen: »Die Ständer am Kurparkplaza in Bad Nauheim sind nicht nur an Markttagen voll.« Schräg gegenüber wurden vor kurzem weitere Fahrradabstellplätze geschaffen. Endlich, wie viele Radfahrer sagen. Die Maßnahme wird im städtischen Verkehrsentwicklungsplan gefordert, der wurde bereits im Februar 2015 verabschiedet. Im Sommer 2015 wurden die Fahrradständer von der Stadtverordnetenversammlung mit höchster Priorität beschlossen. Es dauert eben alles seine Zeit.

So wie in Friedberg, wo ein Radverkehrsplan derzeit erstellt wird, neue Radstreifen auf der Kaiserstraße aber erst dann sinnvoll sind, wenn der nächste Abschnitt der Einkaufsmeile umgestaltet wird. In Friedberg werde der ADFC demnächst acht Radständer entlang des Usatal-Radwegs aufstellen, kündigt Hullen an. »Das erhöht die Attraktivität der Strecke.«

Auch in Bad Nauheim soll das Radfahren attraktiver und sicherer werden. »Frankfurter und Schwalheimer Straße sind schlecht ausgebaut«, sagt Hullen. Der Verkehrsentwicklungsplan sieht hier Schutzstreifen vor. Es gebe ja Vorschläge, sagt Hullen. Nur müssten die auch umgesetzt werden. Spannend wird, wie das jüngste Großprojekt für Radfahrer, das Bad Nauheim und Friedberg verbindet, umgesetzt wird: Der Radweg an der Frankfurter Landstraße führt nicht etwa über eine nahe (und vom Autoverkehr weit abgelegene) Fußgängerbrücke, sondern endet kurz vor der Kreuzung zum B 3-Zubringer B 455. Wie die Strecke auf Friedberger Seite weitergeführt wird, steht noch nicht fest. Die Radfahrer müssen hier eine sechsspurig ausgebaute Bundesstraße überqueren. Das dürfte beim nächsten ADFC-Test Abzüge beim Punkt »Sicherheitsgefühl« geben.

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