Freilufttheater

Luther zum Nachdenken

Beim Probewochenende für »Katharina von Bora« an der Burg Münzenberg erklärt die Autorin des Stücks, warum sie die Zuschauer zum Nachdenken anregen will.
19. Juni 2017, 10:00 Uhr
Petra Müller (rechts) gibt den Schauspielern Regieanweisungen. (Foto: cfl)

Die Mauer der Burg dient als Kulisse. Vor den geschichtsträchtigen Steinen und Fensterbögen spielen Chiara Bingel, Corinna Kasten und Markus Häuser die Katharina von Bora und Martin Luther. Auf der Wiese der Burg sitzen über 50 Mitglieder des Freundeskreis, einige auf Campingstühlen, die an Regie-Stühle erinnern, mit dicken Manuskripten in der Hand. Es ist warm an diesem Probewochenende – für einige Schauspieler in den mittelalterlichen Kostümen noch umso mehr. Die große Linde im Hofgarten bietet etwas Schatten.

Mittendrin organisiert Petra Müller den einen oder anderen Einsatz der Schauspieler. Müller hat das Theaterstück geschrieben und »brennt für das Thema«, wie sie selbst sagt: »Wir haben viel Literatur gesichtet, sehr viel gelesen und Zitate aus Luthers Schriften eingebaut. Das Schreiben des Stückes geht dann eigentlich am schnellsten.« Seit 1995 schreibt sie immer wieder Theaterstücke für den Freundeskreis, und jedes Mal sind sie innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. »Wir führen etwa alle zwei bis drei Jahre ein Stück auf und haben immer um die 600 Zuschauer«, berichtet Müller.

Es geht um Luther und seine Frau Katharina von Bora: »Martin Luther ist ein verzwicktes Thema, es gibt kein Schwarz und Weiß. Wir möchten unsere Zuschauer zum Nachdenken bringen, jeder soll nach dem Stück heimgehen und sich sein ganz eigenes Luther-Bild zeichnen«, sagt Müller. Speziell die Rolle Katharina vor Boras in der Reformation komme zum Tragen. Aber auch der Bauernkrieg und Luthers Frauenbild würden thematisiert. »Luther sagte, das Weib solle in der Gemeinde schweigen. Heute schweigen die Weiber zum Glück nicht mehr in der Gemeinde«, scherzt Müller. »Luther taugt heutzutage nicht zum Helden. Wir wollen das Leben im Hause Luthers darstellen und ein Sozialbild der Epoche zeigen«, erklärt sie weiter.

Dafür wurde nicht nur die Kleidung an die Zeit des Mittelalters angepasst, auch die Sprache der Darsteller klingt altertümlich. Besonders die drei Hauptdarsteller haben viel Text zu lernen. Katharina von Bora wird dabei von zwei Darstellerinnen gespielt: Als jüngere Frau von Chiara Bingel, später dann von Corinna Kasten.

»Viele Vereinsmitglieder haben schon als Kinder mitgemacht, jetzt bringen sie langsam ihre eigenen Kinder mit und auch die haben Spaß«, sagt Müller. Den Kindern gefällt, dass es »wie im Mittelalter ist« und mögen »die Zusammenarbeit den vielen Menschen«. Viele seien auch in der Schule in einer Theater AG: »Das können nur gute Menschen werden«, sagt Müller. Mit dem Stück wolle der Verein Lust auf Literatur machen und zusammen mit den Zuschauern in die Zeit der Reformation eindringen.

Etwa 400 Kostüme haben sich beim Freundeskreis über die Jahre angesammelt. Die Frauen tragen lange Kleider, teilweise aus Samt und mittelalterliche Hauben, Luther tritt in schwarzer, langer Robe auf. Für die sieben Aufführungen bauen die Vereinsmitglieder Zelte, Stühle und sogar eine Tribüne in der Burgruine auf. Der Freundeskreis renovierte das Kulturhaus »Alte Synagoge« in Münzenberg, hat ein Heimatbuch herausgegeben und bietet Stadtrundgänge an.

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