2018 Landratswahl?

Ovag: Arnold steht für Vorstandsposten bereit

»Das ist eine Option«, sagt Joachim Arnold: Der Wetterauer Landrat will im Januar 2018 in den Vorstand der Ovag-Gruppe wechseln. Auch über den oder die Nachfolger/in wird schon spekuliert.
30. Mai 2017, 08:00 Uhr
(Foto: pv)

Das Gerücht schwirrt seit einiger Zeit durch die politische Landschaft der Wetterau: Joachim Arnold (SPD) könnte abermals seinem Vorgänger als Landrat, Rolf Gnadl, folgen und in den Vorstand der Ovag-Gruppe wechseln. Die Verträge von Gnadl und dem Vorstandsvorsitzenden Rainer Schwarz (CDU) laufen in diesem Jahr aus. Arnold hat in zehn Jahren im Kreishaus viel bewegt, viele andere Kandidaten für den Ovag-Posten gibt es dem Vernehmen nach nicht. Dass dieses Szenario aber bereits beschlossene Sache ist, wie gestern das Internetportal des »Büdinger Boten« meldete (»Wechsel an der Wetterauer Kreisspitze: Landrat Joachim Arnold tritt im Januar zurück«) ist zwar wahrscheinlich, aber längst noch keine beschlossene Sache.

Auf die Meldung angesprochen, verweist auch Arnold auf den Fakt, dass die bisherigen Verträge der beiden Vorstandsmitglieder bis zum Jahresende befristet sind. Die Nachfolge regele der Aufsichtsrat. Arnold: »Meine beruflichen Qualifikationen, meine Leistungsbilanzen, meine Erfahrung und Leidenschaft für die Region haben dazu geführt, dass ich aus den Gremien und aus der Arbeitnehmerschaft angesprochen wurde, die Aufgabe zu übernehmen. Dies ist für mich eine mögliche Option.«

Arnold ist von Hause aus kein reiner Verwaltungsmensch, sondern Diplom-Ingenieur. Der technische Sachverstand dürfte ihm bei der Ovag zugute kommen. Neben der Ausbildung zum Geodät (Fachmann für Vermessungswesen) ließ er sich an der Wirtschaftsakademie Freiburg zum Wirtschaftsförderer ausbilden. Das kam ihm während der 15 Jahre als Wölfersheimer Bürgermeister zugute. Damals sei es gelungen, »die Strukturkrise nach dem Ende der Bergbau- und Kraftwerksära zu bewältigen und Wölfersheim zu einer blühenden Gemeinde zu entwickeln«. Auch politisch gelang eine Wende: Von der NPD spricht heute keiner mehr in der einstigen »braunen Hochburg«. 2008 setzte sich Arnold bei der Landratswahl gegen Oswin Veith (CDU) durch. Sechs Jahre später, 2014, holte er bereits im ersten Wahlgang gegen einen auswärtigen CDU-Kandidaten und zwei weitere Mitbewerber 59,6 Prozent; nur die mageren 29 Prozent Wahlbeteiligung war er aus Wölfersheim eher nicht gewohnt.

 

Zwei Kandidaten stehen bereit

 

Er habe »gemeinsam mit anderen«, wie er betont, in den letzten zehn Jahren als Landrat viel erreicht, sagt Arnold. Der Kreis steckte tief in den Schulden. Nachdem der Landrat die Kämmerei übernommen hatte (was eher unüblich ist), konnten Altschulden von über 180 Millionen Euro abgebaut werden. 2016 wurde der Wetteraukreis in kürzester Zeit als einer von zwei Landkreisen in Hessen aus dem Rettungsschirm entlassen. Der Kreis hat wieder die volle Handlungsfähigkeit erlangt. Und dies, obwohl gleichzeitig ein 100 Millionen Euro schweres Schulbauprogramm auf den Weg gebracht und eine Reihe anderer Dinge angestoßen wurden – vom Tourismus über den Umgehungsstraßenbau und den bevorstehenden S 6-Bahnausbau bis zum »kostenlosen Breitbandausbau, der durch geschickte Verhandlungsführung erreicht wurde«.

Diese Leistungsbilanz, sagt Arnold, sei offenbar der Grund dafür, weshalb er zugesagt habe, als er gefragt wurde. »Der Energiemarkt hat sich in den letzten Jahren vielfältig und äußerst volatil ( schwankend, d. Red. ) entwickelt. Deshalb brauchen wir dort mehr denn je dynamisches, innovatives und flexibles Handeln.« Nur so könne die Ovag-Gruppe erfolgreich am Markt agieren.

In Wölfersheim hatte Arnold seine Nachfolge mit Rouven Kötter (siehe Kasten) rechtzeitig geregelt. Im Kreis ist das nicht anders. Die Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch, die sich zuletzt als resolut auftretende Kreistagsvorsitzende einen Namen machte, steht in den Startlöchern. Für die CDU dürfte der Erste Kreisbeigeordnete Jan Weckler ins Rennen gehen. Dies freilich nur für den Fall, dass Arnold auch vom Aufsichtsrat der Ovag-Gruppe berufen wird. Als gewiefter Politiker würde er sich aber nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wenn die Personalie in den Gremien nicht schon festgeklopft wäre.

Info

Wer wird neuer Landrat?

Sollte Arnold zur Ovag-Gruppe wechseln, hat er die Unterstützung der Wetterauer SPD, schreibt deren Sprecher Rouven Kötter. »Ich habe viele Jahre eng mit Joachim Arnold zusammengearbeitet und kann mir keine geeignetere Person für diese Aufgabe vorstellen«, sagt der Wölfersheimer Bürgermeister. Sollte der Wechsel Arnolds funktionieren, stellt sich die Frage nach seiner Nachfolge an der Spitze des Wetteraukreises. Der wird seit der Kommunalwahl im März 2016 von einer Großen Koalition regiert. SPD und CDU haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass entsprechende Kandidaten aus den Reihen des hauptamtlichen Kreisausschusses kommen sollen. Für die CDU wäre dies der Erste Kreisbeigeordnete Jan Weckler, für die SPD Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch. Kötter: »Stephanie Becker-Bösch hat im Sozialbereich bereits deutliche Akzente gesetzt und ist aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation als Juristin eine sehr gute Kandidatin.«. Becker-Bösch äußerte sich gegenüber der WZ wie folgt: »Wenn die SPD mich nominiert, stehe ich selbstverständlich für diese spannende und interessante Aufgabe zur Verfügung. Es wäre eine besondere Ehre, als erste Frau an der Spitze des Kreises für die Menschen in der Wetterau arbeiten zu dürfen.«

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