Kult-Disco

Ein letzter Abend im Floors

In den 90er Jahren hieß es noch Fun/Lollipop, heute heißt die Disco in Nieder-Mockstadt Floors. Bald nicht mehr: Das Floors schließt. Und veranstaltet kurz vor Schluss noch eine letzte große Party.
19. Mai 2017, 14:18 Uhr
Das Floors in Nieder-Mockstadt schließt zum Ende des Monats. (Foto: sda)

Die Zeiten haben sich geändert. Früher, vor 19 Jahren, als das damalige Fun in Nieder-Mockstadt geöffnet hat, war der Laden sonntags immer knallvoll. »Das war die Zeit, als die Friseurgeschäfte montags noch zu hatten«, sagt Matthias Lang. Damals standen die Besucher Schlange bis zu McDonalds – also da, wo das Fast-Food-Restaurant später einmal hingebaut worden ist. Denn eigentlich gab es in den 90ern noch kaum etwas neben der großen schwarzen Halle. Perfekter Ort für eine Discothek also. Und die schlug ein wie eine Bombe, erzählt der langjährige Betriebsleiter. »Die Tür ging auf, der Laden war voll.«

Heute sei das anders, die Schlangen am Eingang sind nicht mal annähernd so lang, sonntags ist geschlossen, überhaupt sei die Zeit der Discotheken, die mal Kennenlerntreff waren, vorbei. Aber deswegen die Disco schließen? Nein: »Wir hätten das Floors weiterbetrieben«, sagt Matthias Lang – doch die Besitzerin des Gebäudes habe verkauft, der Mietvertrag läuft zum Ende des Monats aus. Der neue Eigentümer wolle sein eigenes Ding machen, und das sei keine Discothek.


Disco und Tanzcafé - je nach Geschmack

Gerade für junge Leute sehr schade, sagt Lang – ins Floors kommt und darf, wer mindestens 16 ist. Und das sind an einem Samstag einige, die in Nidda, in Florstadt, in Wölfersheim (»Haupteinzugsgebiet«) wohnen, am Wochenende weggehen wollen, ohne dafür bis nach Frankfurt oder Gießen fahren zu müssen, bzw. sich dorthin fahren zu lassen.

Das war auch ein Vorteil, sagt Lang: Dass das Floors (das früher Fun/Lollipop hieß) aus zwei Räumen besteht. Neben der Disco gibt es das Tanzcafé (früher Lollipop). Im großen Raum mit Disco-Kugeln, Stehtischen und zwei Bars läuft Aktuelles aus den Charts, manchmal gab es 90er-Partys (»die gehen immer und in allen Altersklassen«). Nebenan, durch den kleinen Flur, vorbei an den Toiletten ging es ins Tanzcafé, in die Schlager-und-Barhocker-Welt. Dass Eltern kamen, tanzten und später ihre Kinder wieder von der benachbarten Tanzfläche einsammelten, sei häufig vorgekommen – sowohl in den 90ern als auch heute. Wahrscheinlich sind einige der Tanzcafé-Eltern Fun-Besucher von damals, vermutet er. Vielleicht sogar Disco-Paare. Denn die Liebesgeschichten aus dem Floors seien die schönsten, die sich in all den Jahren zugetragen haben, sagt Lang. Das lief dann oft sehr ähnlich ab: Volles Haus, gute Stimmung, viel Bewegung auf der Tanzfläche – und ein Kerl kommt zum DJ.

Er wolle seiner Liebsten einen Antrag machen, ob er das Mikro kurz haben könne. Unzählige Male erlebt, sagt Lang – »und keine hat Nein gesagt«. Dafür: »800 Leute, die klatschen.«


Früher mehr Bier, heute lieber Schnaps

Überhaupt: Matthias Lang ist seit dem ersten Tag dabei, hat so ziemlich alles mitgemacht, was einer im Nachtleben erleben kann, und eine Menge über Menschen gelernt. Die »männlichen Gockel, die sich gegeneinander aufstacheln« zum Beispiel – die sind zeitlos und waren in den 90ern genauso vertreten wie 2017. Der Klassiker: Mittelmäßige Eskalation, weil Frau mit einem Mann tanzt, der nicht ihrer ist. Es folgt lautes Gerede, um die Streithähne bildet sich ein Kreis, je nach Situation greifen die Securitys ein. Der Höhepunkt des aggressiven Verhaltens, sagt Lang, war vor etwa zehn Jahren, das sei mittlerweile abgeflacht. Aber ganz reibungslos geht es wohl nicht im Nachtleben – vor allem nicht, wenn Alkohol im Spiel ist. Und der geht nach wie vor gut über die Theke. War es früher fast nur Bier, wollen die Gäste heute eher Schnaps; 10 bis 30 Liter gehen pro Abend über die Theke, schätzt der 48-Jährige. Da gebe es auch schon mal Ausfälle, »aber eigentlich haben wir alles gut im Griff.

Die Leute kennen mich hier sowieso« – weil Lang an den vielen Abenden immer der Erste war, der gekommen ist, und als Letzter, so zwischen 6 und 7, die Disco verlassen hat. Er wird wohl auch am 27. Mai zum letzten Mal die Überreste einer langen Nacht beseitigen und dann die Tür zuziehen. Ein bisschen wird sich noch dieser Disco-Geruch halten. Etwas muffig, Schweiß gemischt mit Alkohol. Partygeruch eben.

Zu schließen »fühlt sich scheiße an«. Aber es habe auch sein Gutes: »Es war eine schöne Zeit. Wer weiß, ob die angehalten hätte.« Der letzte Samstag soll noch einmal an diese Zeit erinnern – vielleicht wird »Macarena« gespielt (»unübertroffen zum gute Stimmung machen«). Und das wird dann vom DJ-Pult noch immer so aussehen, wie vor 20 Jahren: Hunderte Leute, hundert Mal die gleichen Bewegungen im selben Moment: rechter Arm vor, linker, rechte Handfläche drehen, linke drehen, »Hey Macarena«…

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Das Floors in Nieder-Mockstadt schließt zum Ende des Monats. Was haben Sie im Floors (oder früher im Fun) erlebt? Welcher war Ihr bester Abend dort? Oder haben Sie dort gar Ihren Partner kennengelernt? Und wo gehen Sie am Wochenende hin, wenn es keine Disco mehr im Umkreis gibt? Wenn Sie uns von Euren Erlebnissen erzählen wollen, dann schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@wetterauer-zeitung.de. Wir freuen uns!

 

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