Wetterau

Neue Grabungen am Glauberg

Am Glauberg wird seit einigen Tagen wieder gegraben. Die Archäologen suchen nach Spuren von Gräben, Mauern und Wällen. Und finden dabei auch einiges anderes.
19. Mai 2017, 16:00 Uhr
Vor wenigen Tagen haben am Glauberg neue Grabungen begonnen. Auch die »Sendung mit der Maus« wird darüber berichten. (Foto: pv)

Der Glauberg steht seit über 100 Jahren im Fokus der Forschung. Dennoch hat er längst nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Erst vor wenigen Tagen haben die Ausgrabungen am Fuße des Berges wieder begonnen. Die Archäologen widmen sich dabei rätselhaften Gräben.

Das Forschungszentrum der »Keltenwelt am Glauberg« und die Kommission für Archäologische Landesforschung sind für die Untersuchung verantwortlich; Praktikanten der niederländischen Universität Deventer sind beteiligt. »Wir wollen das zeitliche Verhältnis von zwei Grabenstrukturen südlich des Grabhügels klären«, erklärt Dr. Axel Posluschny, seit einem Jahr Leiter des Forschungszentrums. »Außerdem wollen wir untersuchen, ob ein in die keltische Zeit datierter Graben in diesem Bereich von einer Mauer oder einem Wall begleitet wurde und wie diese Mauer bzw. dieser Wall aufgebaut war.« An Funden rechnen die Archäologen mit nur wenigen Keramikscherben aus der Zeit des Keltenfürsten (5. Jh. v. Chr.), womöglich auch aus der Jungsteinzeit (ca. 5000 v. Chr.).

Sowohl Graben als auch Mauer/Wall sind im sogenannten geomagnetischen Messbild erkennbar. Mit diesem zerstörungsfreien Messverfahren kann man sozusagen in den Boden schauen. Auch Lidar-Scans sind eine wichtige Informationsquelle zur Einschätzung dreidimensional im Gelände erkennbarer Strukturen, erklärt Posluschny. Dieses Verfahren, das Lichtstrahlenbündel aus einem Flugzeug zum Boden schickt und deren Echos auffängt, ermöglicht es, Bilder des nackten Erdbodens zu erstellen.

Der Leiter des Forschungszentrums beschreibt auch, welche Arbeiten konkret anstehen: Nach Entfernung der durch die Beackerung durchmischten Pflugschicht mit Hilfe eines Baggers wird die Oberfläche mit Gartenwerkzeugen (»Kratzern«) und Kellen begradigt und von Erdkrümeln befreit. Je nach Trocknungsgrad zeichnen sich nun im Boden die gesuchten Strukturen (Graben, Wall/Mauer, Pfostenstandspuren etc.) als unterschiedliche Verfärbungen ab, die zeichnerisch und fotografisch dokumentiert werden. Im Anschluss werden die Strukturen »geschnitten«, das heißt halbiert oder geviertelt, um so auch Profile beurteilen zu können. Aus allen Strukturen (»Befunde«) und innerhalb der Befunde aus allen Schichten werden Bodenproben genommen, um sie archäobotanisch zu untersuchen. Nach Abschluss der Grabung wird die Fläche verfüllt.

Die Ausgrabung ist erst einmal bis zum 31. Mai geplant. Bislang haben die Archäologen die erwarteten Strukturen in der Fläche freilegen können. »Die Verfärbungen sind aber sehr viel weniger deutlich als gedacht«, sagt Posluschny. Zusätzlich zeichnen sich Reste von Standspuren ehemaliger Pfosten (»Pfostengruben«) ab. Das zeitliche Verhältnis der Befunde sei noch nicht geklärt.

Sollten Keramikscherben zu Tage kommen, die vermutlich wenig ansehnlich seien, werden sie gewaschen und, sofern aussagekräftig, auch gezeichnet. Falls sie Aussagen zur Datierung erlauben, werden sie im Depot der Hessen-Archäologie aufbewahrt.

Ein Team der »Sendung mit der Maus« begleitet die Grabung. »Uns ist wichtig, darzustellen, dass Archäologen eigentlich nur sehr, sehr selten) mit Spateln und Pinseln arbeiten und wir mittlerweile auch viele Erkenntnisse mit zerstörungsfreien Methoden gewinnen können – Geomagnetik, Luftbilder, Lidar usw.«, erzählt Posluschny.

Erkenntnisse, die weitere Fragen aufwerfen. »Unter anderem würden wir gerne herausfinden, was die Grundlage für den Reichtum und die Bedeutung des Glaubergs in keltischer Zeit war, wie sich diese Bedeutung entwickelt hat und wie und warum sie wieder verschwunden ist«, sagt Posluschny. Und dafür schauen er und seine Kollegen irgendwann sicher auch wieder in den Boden.

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