Verurteilt

Geldstrafe wegen Blüten aus dem »Darknet«

Zehn »falsche Fuffziger« hat der Angeklagte aus Butzbach im »Darknet« bestellt. Neun davon schickt er in den Iran. Mit einem bezahlt er in einer Gießener Disco – und fliegt auf.
19. Mai 2017, 17:00 Uhr
Im sogenannten »Darknet« kann man mühelos Falschgeld bestellen. Das zumindest behauptet der Verurteilte. (Symbolfoto: dpa)

»Ich bereue es sehr«, sagte der 24-jährige Butzbacher dem Schöffengericht. Dabei kann der junge Mann nach den Worten seines Strafverteidigers als Musterbeispiel der Integration gelten. Vor dem Gießener Amtsgericht musste sich der gelernte Bürokaufmann am Dienstagvormittag verantworten, weil er laut Anklageschrift Falschgeld beschafft und in einem Fall in Umlauf gebracht haben soll.

Der in Kabul geborene Mann gestand die Taten und zeigte sich reuig. Im Februar 2016 bestellte der Angeklagte im »Deepweb« oder auch als »Darknet« bezeichnete anonyme Teil des Internets zehn falsche 50-Euro-Scheine auf einem digitalen Marktplatz: »Das funktionierte wie Ebay«, erklärte der Bürokaufmann dem Gericht und der Staatsanwaltschaft, die offensichtlich nur über rudimentäre Kenntnisse der Möglichkeiten, im Internet zu agieren, verfügen. Mit ein paar Klicks war die Bestellung für rund 200 Euro schnell getätigt. Ein paar Tage später holte der Butzbacher das zugestellte Päckchen mit dem gelieferten Falschgeld bequem bei der Post ab. »Wie bezahlt man das?«, fragte die Staatsanwaltschaft interessiert nach. Ein Freund verwende die Krypto-Währung Bitcoin als Geldanlage, sodass er ohne größere Anstrengungen digital zahlen konnte, antwortete der Angeklagte dem Gericht.

Das »Darknet« verwendete der junge Mann zuvor, um mit einem Freund im Iran zu kommunizieren, dies sei aufgrund der Situation vor Ort gar nicht anders möglich. Um seinem Freund finanziell zu helfen, verschickte er dann neun Scheine per Post in den Iran. Einen gefälschten 50-Euro-Schein behielt der nicht vorbestrafte Mann und zahlte dann »aus einer Laune heraus« in einer Gießener Diskothek und flog somit auf.

Bei der darauffolgenden Hausdurchsuchung konnte die Polizei kein weiteres Falschgeld sicherstellen, auch deswegen sah Vorsitzende Richterin Anja Robe die Geschichte als durchaus glaubwürdig an. Auch die Staatsanwaltschaft verwies auf die Diskrepanz zwischen »reiner Aktenlage« und dem persönlichen Auftreten des Angeklagten, forderte aber dennoch eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Man könne auch »ohne mit der Wimper zu zucken« ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verhängen, betonte die Staatsanwaltschaft, würdigte aber das Geständnis des Mannes.

Das Schöffengericht ging schließlich von einem minderschweren Fall aus und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro, die der nun Verurteilte in Raten abbezahlen kann. Damit bleibt der Butzbacher, der derzeit in einem Angestelltenverhältnis steht, weiter nicht vorbestraft und bekommt keinen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis. Er wolle sich zukünftig beruflich weiterbilden und so etwas nie wieder machen. Dass er seine berufliche Zukunft mit aufs Spiel setzte, sei ihm damals überhaupt nicht bewusst gewesen.

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