»Mordhaus«-Prozess

Mit der Arbeitslosigkeit kommen die Ohrfeigen

Die Ex-Frau des Angeklagten Armin B. aus Ilbenstadt erzählt aus der Zeit der gemeinsamen Ehe. Die Worte »zärtlich« und »liebevoll« fallen. Bis es zu einem folgenschweren Erlebnis kommt.
21. April 2017, 14:00 Uhr
Früher sei das Verhältnis zwischen Armin B. und seinem Bruder harmonisch gewesen, sagt die Ex-Frau des Angeklagten. Im April 2016 soll B. erst ihn erstochen und dann das Elternhaus angezündet haben, wodurch der Vater starb. (Foto: jwn)

»Alles was du bist, bist du nur durch mich« – nicht gerade charmante Worte soll Armin B. seiner damaligen Frau an den Kopf geworfen haben. Zumindest nicht mehr ab den frühen 1980er Jahren, als die 1972 entflammte Jugendliebe mehr und mehr zur Dauerbeziehungskrise mutierte. Anderthalb Stunden berichtete die heutige Ex-Frau am Mittwoch am Gießener Landgericht über ihre zwei Jahrzehnte mit dem Mann, der im April 2016 in Ilbenstadt seinen Bruder getötet und sein Elternhaus angezündet haben soll, wodurch auch sein bettlägeriger Vater starb (wir berichteten).

Da Armin B. in dem Prozess beharrlich schweigt, wollte Richterin Regine Enders-Kunze nicht nur wissen, wie der Angeklagte tickt, auch einige zusätzliche biografische Daten erhoffte sie sich von der 61-jährigen Krankenschwester. Erstmals kam dabei auch das Berufsleben B.s zur Sprache: Als sie sich kennenlernten, besuchte der Niddataler die Friedberger Fachoberschule, ein Aneurysma und epileptische Anfälle warfen ihn zwar zurück, den Schulabschluss schaffte er dennoch.

Ein Elektrotechnik-Praktikum in Frankfurt war die erste Station, dann ging es in eine andere Richtung: Armin B. studierte Religionspädagogik in Darmstadt, dann absolvierte er eine Dachdeckerlehre und arbeitete im elterlichen Betrieb, bis er sich – so die Zeugin – 1983 mit seinem Vater verkrachte. Die Arbeitslosigkeit folgte, danach eine Umschulung zum Industriekaufmann. Auch diese Tätigkeit erfüllte den Vater nicht. In der Folge versuchte er sich als  Vermögensberater , Kurierfahrer und pädagogische Hilfskraft.


Angeblich fürsorglicher Vater

Ein »sehr zärtlicher, zuvorkommender, intelligenter, redegewandter Mann« sei Armin B. gewesen, berichtete die Ex-Frau aus der Frühzeit der Beziehung. Den ersten Knacks bemerkte sie während der Arbeitslosigkeit. Rechthaberei, Dominanz, fehlende Kritikfähigkeit, Beleidigungen, Stalking, Ohrfeigen und ein erster Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung am Bad Vilbeler Heilsberg prägten nach der Aussage der früheren Ehefrau die folgenden Jahre. Sie wohnte kurz bei ihrer Mutter, zog nach Bönstadt, ging ins Frauenhaus. Stets – so ihre Aussage – in der Sorge, Armin B. werde seine Ankündigung wahr machen und sie »überall finden«.

Weil sie psychisch labil und nicht zur Erziehung der Tochter geeignet sei, ließ sich B. das vorläufige Sorgerecht und ein Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Tochter gerichtlich bescheinigen. Die Nochehefrau erhielt ein Besuchs- und Umgangsrecht, noch einmal normalisierte sich auch die Beziehung zwischen den Eheleuten einigermaßen.


Nach der Scheidung bleibt die Tochter bei B.

Doch mit ihrem neuen Partner zog die Frau endgültig den Zorn des Armin B. auf sich. Sie berichtete von einer Manipulation an ihrem Auto, die er ihr später gestanden habe. 1993 ließ man sich scheiden, die Tochter blieb beim Vater. Ausdrücklich bescheinigte die Zeugin ihrem Ex-Mann, ein »liebevoller und fürsorglicher Vater« gewesen zu sein.

Mit ihrem neuen Mann wanderte die Frau 1996 nach Chile aus, erst 2014 kam sie zurück – vor allem wegen der Tochter, berichtete die Frau vor Gericht. Mehrmals musste sie unter Tränen die Aussage kurz unterbrechen. Während Armin B. seinen offensichtlichen Unmut über kritische Äußerungen an seiner Person leise seinem Anwalt mitteilte.

Schnell abgehandelt waren dagegen die Fragen des Gerichts zu ihren Besuchen bei B.s Familie in Ilbenstadt. »Freundlich, aber kühl« sei der Vater gewesen, »feinfühlig und liebevoll« die Mutter. Das Verhältnis unter den Geschwistern habe sie um 1980 als »relativ harmonisch« empfunden.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitslosigkeit
  • Ilbenstadt
  • Landgericht Gießen
  • Niddatal-Ilbenstadt
  • Walter Engel
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.