Statt Intercity-Züge

Bahn: Steigerung der Pünktlichkeit bei ICE-Einsatz

Falls Friedberg Ende 2018 ICE-Station wird, dann werden keineswegs »schrottreife Züge« eingesetzt. Die Bahn hat nun auf Kritik des Fahrgastverbands Pro Bahn reagiert.
26. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Ab 1999 wurden die Züge vom Typ ICE-T gebaut, die in einem guten Jahr durch Friedberg rollen könnten. (Foto: dpa)

Die Wagen, die den Plänen nach die Intercity-Züge auf der Verbindung zwischen Stralsund und Karlsruhe ersetzen sollen, sind erst 15 Jahre alt, betont die Deutsche Bahn auf Anfrage und weist damit die Kritik des Fahrgastverbands Pro Bahn zurück. Auch Leser haben sich zu Wort gemeldet und meinen, dass sich vor allem Fernreisende durchaus auf eine Aufwertung freuen könnten. Nachteile würden für Pendler, Studierende und Radtouristen entstehen.

Zwölf Intercity-Züge der Linie 26 halten derzeit täglich im Zwei-Stunden-Takt in Friedberg. Die Waggons sind bis zu 40 Jahre alt. Sie haben ihre besten Zeiten hinter sich: Oft ist es zu heiß oder zu kalt, Türen funktionieren nicht. Die Bistros wurden mittlerweile abgeschafft.

Die Bahn bestätigt nun offiziell die Überlegungen, die Verbindung zur ICE-Strecke hochzustufen. Hintergrund ist, dass im kommenden Jahr der neue Typ der Intercity-Express-Züge auf die Schiene kommt. Der ICE 4 soll zunächst Wagen der ersten ICE-Generation ersetzen, die etwa 25 Jahre alt sind; zum Jahresende sind die jüngeren ICE-T-Doppeleinheiten an der Reihe.

Diese ICE-T-Züge würden durch Mittelhessen rollen, präzisiert die Pressestelle des Unternehmens. Nur etwa 15 Jahre alt sind dagegen die ICE-T-Wagen. »Sie bieten Qualitätsverbesserungen insbesondere bei Klimaanlagen, Türen und Antrieben. Auch für die Reisenden bietet der Zug zusätzliche Komfortmerkmale wie zum Beispiel kostenloses WLAN, Ruhebereiche, ein Bordbistro und ein insgesamt hochwertigeres Design«, so die Pressestelle. Derzeit werde dieses »Einsatzszenario« für die frei werdenden Wagen als eines von mehreren geprüft.

Besser ICE als »IC 2«?

Deutlich kürzere Fahrzeiten sind – wie berichtet – nicht zu erwarten, weil die Gleise der Main-Weser-Bahn keine Hochgeschwindigkeitsfahrten zulassen. Die DB verweist immerhin auf die höhere Beschleunigung der ICE-T-Triebzüge: Diese »würde zur weiteren Steigerung der Pünktlichkeit auf der Linie beitragen«.

Bisher hat die Bahn stets erklärt, viele Bahnsteige, etwa in Gießen, seien zu kurz für einen regulären ICE-Betrieb. Nun heißt es: Für den siebenteiligen ICE-T würden sie passen. Zu klären seien jedoch noch zahlreiche Rahmenbedingungen. Dazu gehören die Fahrpreise. Der ICE ist teurer als der Intercity; Semesterticket oder Nahverkehrs-Monatskarte gelten in der Regel nicht.

Bitter wäre die Umstellung für Radtouristen. Wie berichtet, sind im ICE nur noch drei Fahrradplätze pro Zug vorgesehen statt bis zu 16, die derzeit der Extra-Wagen im Intercity bietet. Das wäre »insbesondere für den Radtourismus im Lahntal keine gute Nachricht«, bedauert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Gießen auf seiner Facebook-Seite. Ein Nutzer kommentiert: »Drei Fahrradplätze wäre eine echte Katastrophe, in der Saison ist das Fahrradabteil schon bei den aktuellen Zügen gerne mal ausgebucht.« Unter anderem wird es genutzt von Urlaubern, die ihr Rad an Ost- und Nordsee mitnehmen. Allerdings sei die IC-Verbindung insgesamt eher unzuverlässig, gelegentlich fehle der Fahrradwagen ganz.

Die Bahn werde die derzeitige Intercity-Verbindung auf lange Sicht nicht aufrecht erhalten. Vergleichen müsse man die mögliche ICE-Aufwertung daher nicht mit der heutigen Situation, sondern mit anderen Möglichkeiten für die Zukunft. Das meint der Gießener Bahnkenner Matthias Lüneberg. Und in dieser Betrachtung schneide der ICE gut ab, vor allem für Fernreisende. Friedberg und Gießen erhielten damit langfristig einen Anschluss ans Premium-Fernverkehrsnetz mit guten Umsteigemöglichkeiten. Bei weiteren Umstrukturierungen befände sich Mittelhessen »auf Augenhöhe« mit anderen Regionen.

Andernfalls drohe der »Verlust des echten Fernverkehrs«, nämlich die Umstellung auf den »IC 2«. Der Doppelstöcker sei faktisch »ein Nahverkehrszug in weißer Lackierung« mit höheren Preisen, kritisiert Lüneberg in Übereinstimmung mit Fahrgastverbänden. Ein Problem sei dabei nicht nur der Komfort. Fraglich sei außerdem, ob dieser Zugtyp die Zulassung für die Schnellfahrstrecke Kassel-Hamburg erhält. Wenn nicht, könnten eine Verkürzung der Strecke oder deutlich längere Fahrzeiten die Folgen sein.

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