Friedberg

Schülerdemo für Toleranz: Wetterau ist »bunt statt blöd«

09. Februar 2015, 13:33 Uhr
500 Schüler demonstrieren in Friedberg für Miteinander und gegen Fanatismus.

Landtagspräsident Norbert Kartmann und Landrat Joachim Arnold waren die prominentesten Redner. Nach einer Ansprache am Platz der Deutschen Einheit zogen die Schüler zum Elvis-Presley-Platz und von dort weiter über die Kaiserstraße zur Burg, wo der Lkw mit den Lautsprecherboxen nicht durchs Burgtor passte.

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Der Kreisschülerrat konnte mit dem Andrang zufrieden sein, als sich gegen 10 Uhr der Platz vis-à-vis der Adolf-Reichwein-Schule füllte. »Vielfalt sorgt für Entwicklung«, rief Kreisschulsprecher Marius Mundhenk den Schülerinnen und Schülern zu. Vorurteile dürften nicht die Köpfe regieren. Landtagspräsident Kartmann sagte, die Versammelten repräsentierten mit ihrem Eintreten für Toleranz den größten Teil der Wetterauer. Dabei machte Kartmann deutlich, dass auch die Freiheit ihre Grenzen hat: »Gegen Intoleranz muss man intolerant sein«, sagte er und wandte sich gegen die Pegida-Aufmärsche in Dresden und anderswo.

Auf dem Elvis-Presley-Platz rief Landesschulsprecherin Fevzije Zeneli dazu auf, rechten und anderen diskriminierenden Bewegungen keinen Platz in Deutschland zu geben. Landrat Arnold gratulierte zu der »machtvollen Demonstration«. Deutschland könne sich die Ausgrenzung von Menschen nicht leisten. »Deshalb ist ein vernünftiges Einwanderungsgesetz längst überflüssig.«

Mit lautstarker Musik setzte sich der Zug in Richtung Burg in Bewegung, vor dem Burggymnasium sollte die Abschlusskundgebung steigen. Doch ein Querträger am Lkw, der die Lautsprecherboxen trug, passte nicht durchs Burgtor. Der Lkw steckte fest, die Schüler nahmen das Malheur mit Humor und die Demo endete nun eben auf der Burgfreiheit, wo GEW-Vorsitzender Jochen Nagel von der Verpflichtung eines der reichsten Länder der Erde sprach, Flüchtlinge aufzunehmen, vor allem aber dafür zu sorgen, dass Menschen nicht mehr vor dem Krieg flüchten müssten.

Nagel sprach noch einen anderen »einzigartigen Skandal« an. »Es ist unglaublich, dass einige Schulleitungen und Lehrkräfte die Schüler schikanieren und ihnen drohen, dass der Besuch der Kundgebung als Fehlzeit ins Zeugnis eingetragen wird. Das hier ist die beste politische Bildung, besser als jeder Unterricht.« Karen Anschütz, stellvertretende Vorsitzende der Landeselternbeiräte, pflichtete ihm bei. Es seien gerade Jugendliche, die empfänglich für politischen Extremismus, Salafismus, Hassprediger oder die Vereinfacher der Pegida-Kundgebungen seien. Das gelte es zu unterbinden, die Kundgebung sei hierfür eine gute Gelegenheit. Zumal, so Anschütz, die Wetterauer Schüler bislang die einzigen in Hessen seien, die solche eine Kundgebung organisiert hätten.

Bevor Elif Özçelik, Burg-Schülerin und Teilnehmerin bei »The Voice of Germany«, a cappella ein Abschiedslied sang, wollte die stellvertretende Kreisschulsprecherin und quirlige Moderatorin Wiebke Bachus wissen, woher die Schüler kommen. Sie kamen (das war jeweils lautstark zu hören) von der Adolf-Reichwein-, der Henry-Benrath- und der Johann-Philipp-Reis-Schule, von der Burg und einige auch von der Augustinerschule (wo am Montag beweglicher Ferientag war), von der Waldorfschule sowie von Schulen aus Wölfersheim, Florstadt, Nidda, Konradsdorf, Butzbach und einigen anderen Orten mehr. Nur bei zwei, drei Schulen, deren Namen Bachus ins Mikrofon rief, blieb es beschämend ruhig.

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