Widerstand durch Aufklärung: Sozialpreis geht an Antifa-BI

Friedberg (jwn). Für ihr demokratisches Engagement ist die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) am Montagabend im Kreishaus mit dem Sozialpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet worden. »Für uns ist die Auszeichnung eine Aufforderung zum Weitermachen«, sagte Andreas Balser, Sprecher der Initiative.
25. November 2014, 19:23 Uhr
Preisverleihung (v.l.): Landrat Joachim Arnold, Tobias Gniza, Nora Zado, Andreas Balser (alle Vorstand Antifa-BI) und Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel.

Balser weiter: »Der Sozialpreis ist die erst nicht-parteiliche Auszeichnung, die wir erhalten. Wir sehen darin eine Aufwertung unserer politischen Arbeit.«

Der Preis wurde zum sechsten Mal verliehen. Vorige Preisträger waren die Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel, die Frauenselbsthilfegruppe gegen Krebs, Hubertus Ellerhusen von der Schuldnerberatung, die Eltern-Kind-Initiative Wölfersheim und die Grünen Damen Wetterau für ihren Einsatz in Krankenhäusern, Altenheimen und für Flüchtlinge. Der Vorschlag, als Preisträger die Antifa-BI Wetterau auszuwählen, sei von den drei Fraktionen SPD, Grüne und FDP abgegeben worden und ohne Gegenstimme vom Findungsgremium akzeptiert worden, teilte Kreisbeigeordneter Helmut Betschel (Grüne) zufrieden mit. »Mit der Auswahl wollten wir ein Zeichen setzen.« Die Antifa-BI sei in vielen Schulen unterwegs und leiste angesichts steigender Flüchtlingszahlen und der damit zusammenhängenden rechtsgerichteten Kreise wertvolle Aufklärungsarbeit. Auch der Marburger Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger, der die Laudatio hielt, warnte davor, das rechte Lager nicht unterschätzen.

»Die Rechten nicht unterschätzen«

Zwar seien organisierte Kräfte wie NPD oder Republikaner überschaubar und von den demokratischen Kräften im Zaum zu halten. Doch es gebe eine starke Strömung rechtsgerichteten Gedankenguts, das bis weit in die Mitte der Gesellschaft reiche. Hier gelte es Widerstand zu leisten, und das funktioniere am besten mit Aufklärung und Bildung. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Sympathien für das rechte Gedankengut vor allem in bildungsfernen Bevölkerungsgruppen starken Anklang verbreitet seien. Die Antifa-BI habe deshalb ein Bildungskonzept für Schulen entwickelt, mit dem sie sich für eine offene Gesellschaft ohne Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit einsetze.

Damit wollen die Mitglieder verhindern, dass soziale Fragen wie Arbeitslosigkeit, Armut und Wohnungsnot von den Rechten aufgegriffen, als nationale Frage umgedeutet und die Ursachen Ausländern und Asylbewerbern zugeschoben werden. Diesem menschenverachtenden Mechanismus mit seinen simplen Erklärungen und falschen Antworten setze die Antifa-BI eine wichtige Aufklärungsarbeit entgegen.

Die Preisverleihung an die Antifa-BI ist allerdings nicht ganz unumstritten. Vor allem die Freien Wähler und die Alternative für Deutschland (AfD) kritisieren die Auswahl des Preisträgers. So beanstandet die Sprecherin der Wetterauer AfD, Christiane Gleissner, der Wetteraukreis habe mit der Verleihung an eine »einseitig orientierte politische Initiative« ein falsches Signal gesetzt habe. »Das ehrenamtliche Engagement im Sozialbereich wird so nicht gefördert.«

Auch die Freien Wähler zeigen sich von der Preisvergabe überrascht, denn nach den Vergaberichtlinien solle »beispielhaftes ehrenamtliches Handeln im sozialen Bereich ausgezeichnet werden«. Dabei mangelte es nicht an Vorschlägen aus dem Sozialbereich, was auch Sozialdezernent Betschel bestätigt. So soll der Hospizdienst Wetterau zum wiederholten Male auf der Vorschlagsliste gestanden haben.

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